Passermarke

Im grafischen Druckgewerbe und in der Typografie versteht man unter Passermarke eine Markierungen in digitalen Druckdaten (z.B. PDF® Files), auf Druckvorlagen (z.B. Lithofilme), auf Druckformen (z.B. Offsetdruckplatten), Proofs (z.B. Digitalproofs) oder Druckbögen (z.B. Druckpapierbögen) in Form eines feinen Fadenkreuzes. Auch als »Passkreuz« bezeichnet; Abk. »Passer«.

Passermarken zählen zu den Druckmarken. Sie dienen in gewerblichen Hauptdruckverfahren (z.B. nach DIN 16500) dazu, Druckformen passgenau und standgerecht zu montieren und auf den Druckbögen passgenau und registerhaltig in Recto (Schöndruck) und Verso (Widerdruck) zu drucken. Im Mehrfarbendruck (z.B. CMYK Vierfarbendruck) 1 ) dienen sie als unverzichtbare Markierungen zur exakten Positionierung der Farbauszüge.

Drei unterschiedlich aussehende Passermarken. Die linke Markierung simuliert eine Passermarke mit einer hohen Passerungenauigkeit (Fehlpasser) im CMYK-Farbmodell (Cyan, Magenta, Yellow und Key für den Schwarzanteil). Die Formgebung und die Strichstärken von Passkreuzen können sehr unterschiedlich sein. Infografik: www.typolexikon.de
Drei unterschiedlich aussehende Passermarken. Die linke Markierung simuliert eine Passermarke mit einer hohen Passerungenauigkeit (Fehlpasser) im CMYK-Farbmodell (Cyan, Magenta, Yellow und Key für den Schwarzanteil). Die Formgebung und die Strichstärken von Passkreuzen können sehr unterschiedlich sein.
Ausschießschema eines Druckbogens mit vier Passermarken (Passkreuze) außerhalb des Beschnitts (zwei links und zwei rechts). Infografik: www.typolexikon.de
Ausschießschema eines Druckbogens mit vier Passermarken (Passkreuze) außerhalb des Beschnitts (zwei links und zwei rechts).

Eine Passermarke wir immer außerhalb des Beschnitts gesetzt, in der Regel in einem Abstand von 2–4 mm vom Seitenformat bzw. bei einem Anschnitt direkt an die Kante der Beschnittzugabe. Passermarken sollten über ein feines Linienbild verfügen, das eine Strickstärke von 0,1 mm nicht überschreitet. Die Größe einer Passermarke variiert zwischen ca. 4 und 10 mm. Üblicherweise wird ein Druckbogen mit vier Passermarken versehen.

Sind Passermarken fehlerhaft gesetzt, montiert oder gedruckt, bezeichnet man diese als Fehlpasser. Stehen im Mehrfarbendruck die gedruckten Passermarken nicht exakt, also passgenau übereinander, spricht man von Passerungenauigkeiten. Sie führen zu Farbverschiebungen, Blitzern und Unschärfe. 2 )

Abgesehen von Fehlmontagen, inkorrekter Einstellung des Anlegers oder Unachtsamkeit des Druckers/in, können Passerdifferenzen auch durch Bedruckstoffe, Rasterweiten, Farben, Passerqualität der Druckmaschine oder veränderte Laufgeschwindigkeiten der Druckmaschine entstehen.

Bei modernen Druckmaschinen erfolgt die Kontrolle der Passergenauigkeit automatisch durch Sensoren, beispielsweise mit einer Passersteuerung durch eine Inline-Farbregistermessung.

Passermarken können über die verwendete DTP Publishing Software, z.B. mit InDesign® von Adobe® 3 ) oder QuarkXpress® von Quark®, 4 ) oder beim Ausschießen mehrseitiger Druckformen für die Bogenmontage über spezielle PrePress Software, z.B. »ApogeeX« von Agfa® Graphics, winkelgenau angelegt werden.

Passermarken und ihre zulässigen Toleranzen im Prüf- und Auflagendruck können sich an praxisrelevanten Branchenreferenzen orientieren, beispielsweise in Deutschland am »MedienStandard Druck« des Bundesverbands Druck und Medien 5 ) oder an der ISO 12647-2 (Stand 12.2013). 6 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Die Abk. CMYK bedeutet Cyan, Magenta, Yellow und Key für den Schwarzanteil.
2.Tipp: Um Entwurfs-, Produktions- und Verarbeitungsfehler zu vermeiden, sollten Druckmarken grundsätzlich immer im Vorfeld einer Produktion bzw. Herstellung mit der Druckerei und ggf. mit der Buchbinderei besprochen werden. Geklärt werden sollte beispielsweise, wer welche Druckmarken wie, wohin und wann setzt?
3.Quelle: Adobe® InDesign® Benutzerhandbuch, Druckmarken und Anschnitt, online verfügbar unter https://helpx.adobe.com/de/indesign/using/printers-marks-bleeds.html (29.08.2018).
4.Quelle: QuarkXPress® 2017 Benutzerhandbuch, als PDF Download online verfügbar unter http://files.quark.com/download/documentation/QuarkXPress/2017/German/QXP-2017-User-Guide-DE.pdf (29.08.2018).
5.Quelle: MedienStandard Druck 2018, Bundesverband Druck und Medien e.V., Technische Richtlinien für Daten, Prüfdruck und Auflagendruck, online als PDF unter https://www.bvdm-online.de/fileadmin/user_upload/bvdm_MedienStandard_Druck_2018.pdf (1.9.2018) verfügbar. Der MedienStandard Druck wird regelmäßig an die technischen Erneuerungen angepaßt.
6.Anmerkung: Die ISO International Organization for Standardization ist eine Internationale Standardisierungsorganisation mit Sitz in Vernier (Genf). Online verfügbar unter https://www.iso.org (31.8.2018).