Schön- und Widerdruck

»Schöndruck« und »Widerdruck«, kurz Schön- und Widerdruck, sind Fachausdrücke aus der dspr. Typografie und dem polygrafischen Gewerbe (Druckwesen) für den Druck auf der Vorder- und Rückseite eines Bedruckstoffes (z.B. Papierbogen); »Verso« und »Recto«; Abk. S+W-Druck.

Die bedruckte Vorderseite einer beidseitig bedruckten Drucksache wird als Schöndruck bezeichnet.

Deu. Bezeichnung: Schöndruck
Lat. Terminus: Recto
Druckwesen: Bedruckte Vorderseite
Buchtypografie: Bedruckte Vorderseite und/oder rechte Buchseite

Die bedruckte Rückseite einer beidseitig bedruckten Drucksache wird als Widerdruck bezeichnet.

Deu. Bezeichnung: Widerdruck
Lat. Terminus: Verso
Druckwesen: Bedruckte Rückseite
Buchtypografie: Bedruckte Rückseite und/oder linke Buchseite

Etymologie

Die Begriffe stammen ursprünglich aus dem frühen Werkdruck (Buchhochdruck). Sie erinnern daran, dass seit der Prototypografie bis hin ins 20. Jahrhundert technisch bedingt die Oberflächenbeschaffenheit (Textur) der Vorder- und Rückseite eines Papierbogens sehr different sein konnte – was auch heute noch bei ungestrichenen Naturpapieren mit hoher Grammatur oder groben Recyclingpapieren möglich ist. Auf der »schönen Seite« konnte i.d.R. feiner, also »schöner gedruckt« werden, im »Gegensatz« zu der gröberen Siebseite des Papiers, also auf der »Widerseite« (Gegenseite) bzw. Rückseite. 1)

Die deutschen Bezeichnungen Schöndruck und Widerdruck werden erfahrungsgmäß meist von Mediengestalter:innen, Drucker:innen und Druckereien, die lateinischen Termini Recto (von lat. »rectus« für »aufrecht, gerade, richtig«) und Verso (von lat. »versus« »gewendet, gedreht«) von Buchgestalter:innen, Grafikdesigner:innen, Autoren:innen und Verlagen verwendet.

Druck

Der Schöndruck ist immer der erste Druckgang. Der Widerdruck ist der zweite Druckgang, der auf der Rückseite des Schöndrucks erfolgt. Abgesehen von Druckmaschinen, die Druckbögen automatisch wenden oder beidseitig bedrucken können (z.B. S+W-Druckmaschinen, Perfektor- oder Doppelstock-Perfektormaschinen), erfolgten Schön- und Widerdruck in voneinander getrennten Druckgängen. I.d.R. wird zuerst der Schöndruck fertiggestellt, dann folgt der Widerdruck. Der manuelle Wendevorgang von Schön- und Widerdruck wird als »Umschlagen« oder »Umstülpen« bezeichnet.

Buchgestaltung

In der Buchgestaltung bzw. Buchtypografie wird die linke Seite eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation als Widerdruck oder Verso und die rechte Seite als Schöndruck oder Recto bezeichnet. Gleiches Prinzip gilt für beidseitig bedruckte, unbeschnittene Druckbögen für eine mehrseitige Publikation.

Ein Buchsatzspiegel beschreibt die unbedruckten und bedruckten Flächen einer Buchdoppelseite. Beispiel: Einspaltiger Satzspiegel mit Beschnitt, Symmetrieachse, Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg. Die linke Seite wird als »Verso« (Widerdruck) und die rechte Seite als »Recto« (Schöndruck) bezeichnet. Infografik: www.typolexikon.de
Ein Buchsatzspiegel beschreibt die unbedruckten und bedruckten Flächen einer Buchdoppelseite. Beispiel: Einspaltiger Satzspiegel mit Beschnitt, Symmetrieachse, Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg. Die linke Seite wird als »Verso« (Widerdruck) und die rechte Seite als »Recto« (Schöndruck) bezeichnet.
Ausschießschema eines Druckbogens mit insgesamt acht Einzelseiten im Schöndruck (Recto). Die bedruckte Rückseite des Papierbogens wird als Widerdruck (Verso) bezeichnet.
Ausschießschema eines Druckbogens mit insgesamt acht Einzelseiten im Schöndruck (Recto). Die bedruckte Rückseite des Papierbogens wird als Widerdruck (Verso) bezeichnet.

Der fachgerechte Umgang mit Schön- und Widerdruck ist sowohl in der Buchgestaltung (z.B. Satzspiegel oder Paginierung), der Druckvorstufe (z.B. Ausschießen), bei der Wahl der Papiere (z.B. Opazität), beim Auflagendruck (z.B. Registerhaltigkeit) und in der Weiterverarbeitung (z.B. Bindung) von Bedeutung.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.