ISSN | International Standard Serial Number
»ISSN« ist die Abkürzung für »International Standard Serial Number« (Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke), eine weltweit eindeutige Identifikationsnummer für fortlaufende Veröffentlichungen wie Zeitschriften, Zeitungen, Jahrbücher, Schriftenreihen sowie fortlaufend aktualisierte Online-Publikationen.
Die ISSN dient der eindeutigen Identifikation, Verwaltung, Bestellung und Katalogisierung serieller Publikationen in Bibliotheken, Datenbanken, im Verlagswesen und im internationalen Vertrieb. Ihre Funktion ist mit einer normierten Kennzeichnung vergleichbar, die eine fortlaufende Ressource eindeutig beschreibt, unabhängig von Sprache, Erscheinungsort oder Verlag.

Ursprung
Die ISSN wurde Anfang der 1970er-Jahre im Zuge der zunehmenden internationalen Bibliotheksvernetzung entwickelt. 1971 begann der Aufbau des ISSN-Systems, 1975 wurde es als ISO-3297 standardisiert. Ziel war die eindeutige Identifikation fortlaufender Veröffentlichungen, deren bibliografische Erfassung aufgrund von Titeländerungen, Sprachvarianten und parallelen Ausgaben besonders komplex ist.
Systematik
Die Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke (ISSN) entspricht der ISO-Norm 3297 der International Organization for Standardization. 1) Die ISSN wurde speziell für periodisch erscheinende oder fortlaufend aktualisierte Publikationen entwickelt und unterscheidet sich damit grundlegend von der ISBN (International Standard Book Number), die sich auf monografische, abgeschlossene Veröffentlichungen bezieht.
Im Gegensatz zur ISBN enthält die ISSN keine inhaltlich interpretierbaren Segmente wie Länder-, Verlags- oder Titelkennungen. Sie ist eine sogenannte »sprechfreie« Nummer, das heißt: Alle Zeichen dienen ausschließlich der Identifikation und enthalten keine kodierten Metadaten.
Gliederung
Die ISSN ist formal einfach aufgebaut und folgt keiner variablen Segmentstruktur:
Schreibweise:
ISSN 1234-5679
Segmente:
↓ Prüfziffer 1 2 3 4 - 5 6 7 9 ↑ ↑ Block 1 Block 2
Erste Zifferngruppe (Block 1)
Die ersten vier Ziffern sind Teil der fortlaufenden Identifikationsnummer ohne eigenständige inhaltliche Bedeutung.
Zweite Zifferngruppe (Block 2)
Die zweite Vierergruppe setzt die Identifikationsnummer fort; die letzte Stelle (achte Position) ist die Prüfziffer.
Prüfziffer
Die Prüfziffer dient der Fehlererkennung und wird nach dem Modulo-11-Verfahren berechnet. Dabei werden die ersten sieben Ziffern mit absteigenden Gewichten von 8 bis 2 multipliziert und anschließend summiert. Der Divisionsrest dieser Summe modulo 11 wird vom Wert 11 subtrahiert. Ergibt sich dabei der Wert 10, wird dieser durch den Buchstaben »X« dargestellt; ergibt sich 11, lautet die Prüfziffer »0«. Dieses Verfahren ermöglicht die zuverlässige Erkennung typischer Eingabe- und Übertragungsfehler.
Erweiterung (ISSN-L)
Für Medien, die in mehreren Ausgaben erscheinen (z.B. Print- und Online-Versionen), existiert die sogenannte »ISSN-L« (Linking ISSN). Sie dient der Zusammenführung aller Medienversionen eines Titels unter einer gemeinsamen Referenznummer und erleichtert Recherche, Verwaltung und Verlinkung in digitalen Systemen.
EAN-13-Strichcode
Für eine ISSN kann ein EAN-13-Strichcode verwendet werden; die ISSN wird dabei in eine maschinenlesbare Form für Handel und Logistik umgesetzt. Der Code beginnt typischerweise mit dem Präfix 977, gefolgt von den ersten sieben Stellen der ISSN. Danach folgen zwei zusätzliche Ziffern, die häufig für Ausgabenkennzeichnungen verwendet werden, sowie eine abschließende Prüfziffer des EAN-13-Codes. Für die ISSN 1234-5679 ergibt sich beispielsweise die Barcode-Schreibweise 9771234567003.
Die ISSN ist Bestandteil der GTIN, Global Trade Item Number (ehemals EAN), 2) des wichtigsten Barcodesymbols im weltweiten Handelssystem.
Wer benötigt eine ISSN?
Eine ISSN ist für alle Herausgeber:innen und Verlage relevant, die fortlaufende Publikationen veröffentlichen, etwa:
-
- Zeitschriften und Magazine
- Zeitungen
- wissenschaftliche Journale
- Schriftenreihen
- fortlaufend aktualisierte Websites oder Datenbanken
Sie ist insbesondere für Bibliotheken, Dokumentationsstellen und wissenschaftliche Einrichtungen unverzichtbar, da sie die eindeutige Zitierfähigkeit und Auffindbarkeit gewährleistet. Keine ISSN erhalten u.a. Einzelpublikationen, einmalige Reports ohne Fortsetzungscharakter oder rein werbliche Periodika ohne redaktionellen Inhalt.
Gültigkeit einer ISSN
Eine ISSN ist dauerhaft gültig und bleibt mit dem jeweiligen Titel einer fortlaufenden Publikation verbunden. Ändert sich der Titel wesentlich, muss eine neue ISSN vergeben werden. Damit beschreibt die ISSN nicht das Medium an sich, sondern dessen konkrete Titelidentität.
Vergabe und Verwaltung einer ISSN
Das ISSN-System ist international organisiert. Das ISSN International Centre 3) koordiniert das Netzwerk nationaler ISSN-Zentren.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die ISSN gesetzlich nicht vorgeschrieben; in anderen Ländern kann hingegen eine Verpflichtung bestehen, beispielsweise in Spanien oder Kroatien. Die Vergabe einer ISSN ist in Deutschland und der Schweiz kostenfrei, in Österreich dagegen kostenpflichtig (Stand: 26.5.2026).
In Deutschland erfolgt die Vergabe über:
Deutsche Nationalbibliothek (DNB)
ISSN-Zentrum Deutschland
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main
Website: https://www.dnb.de (26.5.2026)
Nationales ISSN-Zentrum für Deutschland: https://www.dnb.de/DE/Professionell/Services/ISSN/issn.html (26.5.2026)
In Österreich:
Österreichische Nationalbibliothek
ISSN-Zentrum Österreich
Josefsplatz 1
1015 Wien
Website: https://www.onb.ac.at (26.5.2026)
Nationaler ISSN-Center Österreich: https://issn.at/startseite-issn (26.5.2026)
In der Schweiz:
Schweizerische Nationalbibliothek NB
ISSN-Zentrum Schweiz
Hallwylstrasse 15
3003 Bern
Website: https://www.nb.admin.ch (26.5.2026)
ISSN-Zentrum Schweiz: https://www.nb.admin.ch/de/issn (26.5.2026)
ISSN in Print- und Digitalmedien
Die ISSN sollte gut sichtbar in der jeweiligen Veröffentlichung angegeben werden.
Mögliche Platzierungen:
-
- bei Printmedien: im Impressum, auf dem Titel oder Umschlag
- bei Zeitschriften: häufig im Kopf- oder Fußbereich der Titelseite
- bei Online-Publikationen: auf der Startseite, im Impressum oder im Metadatenbereich
Bei parallelen Ausgaben (z.B. Print und Online) werden getrennte ISSNs vergeben, die jeweils eindeutig der entsprechenden Ausgabe zugeordnet sind. Ergänzend kann die ISSN-L angegeben werden, um die Zusammengehörigkeit der Versionen kenntlich zu machen.
Bei der ISSN-L wird im Regelfall die zuerst vergebene ISSN einer Publikation — häufig die der Printausgabe — automatisch als Verknüpfungsnummer übernommen. Dadurch besitzt die ISSN-L dieselbe Ziffernfolge wie eine der vorhandenen Medienausgaben.
Beispiel:
ISSN 1234-5679 (Print) ISSN 9876-5432 (Online) ISSN-L 1234-5679 (primäre Verknüpfungsnummer der Medienausgaben)
© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:[+]
| ↑1 | Anmerkung: Die International Organization for Standardization (ISO) ist eine internationale Normungsorganisation mit Sitz in Vernier bei Genf. Weiterführende Informationen sind online verfügbar unter https://www.iso.org (26.5.2026). |
|---|---|
| ↑2 | Anmerkung: Die Global Trade Item Number (GTIN) ist eine weltweit eindeutige Kennzeichnungsnummer für Produkte und Packstücke, die von der internationalen Standardisierungsorganisation GS1 verwaltet wird. Sie löste 2009 den Begriff der Europäischen Artikelnummer (EAN) formell ab, ist jedoch mit der Ziffernstruktur der klassischen EAN-Codes (wie dem EAN-13) technisch identisch. |
| ↑3 | Anmerkung: Das ISSN International Centre mit Sitz in Paris ist eine 1975 gegründete, intergouvernementale Organisation. Sie verwaltet im Auftrag der UNESCO und der ISO das weltweite ISSN-Netzwerk und ist für die Pflege des zentralen internationalen Registers zur Identifikation fortlaufender Sammelwerke zuständig. |
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