Register

In der Typografie ist der Begriff »Register« mehrdeutig. Er bezeichnet in der klassischen Buch- und Zeitungstypografie einen einheitlichen Zeilen- bzw. Kolumnenraster innerhalb eines Buchsatzspiegels, in der Drucklegung die Stellung der Zeilen auf dem Druckbogen, in der Buchgestaltung ein Namens- und/oder Sachwortverzeichnis sowie im Druckgewerbe des 19. Jahrhunderts drei Papierformate.

1. Register im Buchsatzspiegel

Die Bezeichnung »Register« stammt ursprünglich aus der Kalligrafie. Ein Register ist ein durchgängiges – mit der Hand skizziertes bzw. vorliniertes – Zeilen- und Spaltenschema, also ein ein- oder mehrspaltiges Konstruktionssystem für handgeschriebene Werke, beispielsweise Kodizes. Kodexregister gelten als die Archeform des heutigen Buchsatzspiegels. Dieses Ordnungssystem wurde bereits von Johannes Gutenberg (um 1400–1468), dem Erfinder der Typografie, und den Prototypografen übernommen.

Kodexregister der Handschrift »Brevier Adalberts von Sachsen« (Mainz um 1482-1484, Pergament, 443 Blatt, 27,7 x 19,3 cm). Die vorgezeichneten Schriftlinien auf der p-Linie der lateinischen Grundschrift sowie die eingezeichneten Kolumnen am oberen und unteren Rand sind noch sichtbar.
Kodexregister der Handschrift »Brevier Adalberts von Sachsen« (Mainz um 1482-1484, Pergament, 443 Blatt, 27,7 x 19,3 cm). Die vorgezeichneten Schriftlinien auf der p-Linie der lateinischen Grundschrift sowie die eingezeichneten Kolumnen am oberen und unteren Rand sind noch sichtbar. Quelle: Universitätsbibliothek Mainz, Signatur UB Mainz: 4° Ms 33, Handschriftencensus Rheinland-Pfalz, online verfügbar unter https://gutenberg-capture.ub.uni-mainz.de/ubmzms/content/pageview/37956 (26.4.2022).

Etymologisch rührt »Register« vom mtl. »registrum«, aus lt. »regestra« bzw. »restrum« zu lt. »regerere« (regestum) für »eintragen, einschreiben, zurücktragen, aufwerfen«.

Heute wird der Begriff in der Buch- und Zeitungstypografie ausschließlich für einen seitendurchgängigen, einheitlichen Zeilen- und Kolumnenraster mit vordefinierten Zeilenabständen (ZAB), Spaltenabständen und Zeilenlängen innerhalb eines (Buch)Satzspiegels bzw. Gestaltungsrasters verstanden.

Zum Register zählen

  • Grundlinienraster 1)
  • Halbzeilenraster 2)
  • Kolumnenraster 3)

Ein Register dokumentiert den Zeilendurchschuss bzw. den Zeilenabstand (ZAB), den Halbzeilenabstand, die maximale Zeilenanzahl pro Seite bzw. Kolumne (Spalte) sowie die Zeilenlänge bzw. die Kolumnen-/Spaltenbreite und den Kolumnen-/Spaltenabstand.

Die Konstruktion eines Register im Rahmen eines Buchsatzspiegels bzw. Gestaltungsrasters gehört in den Bereich der Makrotypografie.

Beispiel eines Gestaltungsrasters mit integrierten Kolumnenraster, Zeilenraster und Bildraster. Infografik: www.typolexikon.de
Beispiel eines Gestaltungsrasters mit integrierten Kolumnenraster, Zeilenraster und Bildraster.
Ein Buchsatzspiegel beschreibt die unbedruckten und bedruckten Flächen einer Buchdoppelseite. Beispiel: Einspaltiger Satzspiegel mit Beschnitt, Symmetrieachse, Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg. Die linke Seite wird als »Verso« (Widerdruck) und die rechte Seite als »Recto« (Schöndruck) bezeichnet. Infografik: www.typolexikon.de
Ein Buchsatzspiegel beschreibt die unbedruckten und bedruckten Flächen einer Buchdoppelseite. Beispiel: Einspaltiger Satzspiegel mit Beschnitt, Symmetrieachse, Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg. Die linke Seite wird als »Verso« (Widerdruck) und die rechte Seite als »Recto« (Schöndruck) bezeichnet.

2. Register in der Drucklegung

In der Drucklegung wird unter »Register« primär die Stellung der Zeilen auf einem Druckbogen verstanden, also die Registerhaltigkeit einer Drucksache. Das heißt, dass sich beim Druck der Bogenrückseite eine genaue Übereinstimmung mit der Vorderseite ergeben sollte. 4)

Ein einheitliches Register ist die Voraussetzung für die Registerhaltigkeit nachfolgender Kolumnen bzw. die eines Buches, einer buchähnlichen Publikation oder einer Zeitungsseite im Schön- und Widerdruck.

3. Namen- und Sachwortverzeichnis

In der klassischen Buchtypografie wird ein Namens- und/oder Sachwortverzeichnis auch als Index oder Register bezeichnet, welches in Form einer tabellarischen Aufzählung zum Anhang zählt.

4. Historische Buchformate

Als Register (Klein Dedian, 51,1 x 40,2 cm), Schmal Register (48,7 x 39,6 cm) und Mittel Register (37,5 x 38,3 cm) bezeichnete man im 19. Jahrhundert in Deutschland und Österreich einige Papierformate. Daraus wurden u.a. bestimmte Buchformate (Folioformate) durch Falzen des Bogens abgeleitet. 5)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Unter einem Grundlinienraster versteht man einen durchgängigen Zeilenraster auf der Schriftlinie der Grundschrift, der den Zeilendurchschuss bzw. Zeilenabstand und auch die Spaltenbreite (Zeilenlänge) vorgibt.
2 Anmerkung: Halbzeilenraster werden in der Regel ergänzend für Headlines, Sublines, verkleinerte Einzüge sowie auch für Konsultationen (z.B. Legenden, Marginalien oder Fußnoten) innerhalb und außerhalb des Satzspiegels verwendet.
3 Anmerkung: Ein Kolumnenraster ist ein Spaltenraster, der auch den Abstand der Kolumnen (Spaltenabstand) zueinander skizziert.
4 Quelle: Luidl, Philipp: Typografie, Herkunft, Aufbau, Anwendung. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover, 1984, Seite 86, ISBN 3–87706-212–1.
5 Quelle: Renner, Paul: Die Kunst der Typografie, Seite 80 »Papierformate um 1880« Reprint, MaroVerlag, Augsburg, 2003, Seite 80, ISBN 37512-414-6.