Texteinzug

Typografische Bezeichnung für eine Zeileneinrückung; Einrücken des Textanfangs zu Beginn einer neuen Zeile; Leerraum von der Satzkante bis hin zum Beginn eines Textes; Einrücken der Anfangszeile eines Absatzes. Kurzform »Einzug«. 

Texteinzüge werden im Umbruch eines Flattersatzes oder Blocksatzes in der Regel verwendet, um Textpassagen sinngerecht und lesefreundlich in Absätze zu gliedern. 

Texteinzüge (Einzüge) werden im Umbruch primär dazu verwendet, um Textpassagen in Absätze zu gliedern. Beispiel: Zwei Einzüge auf einer rechten Seite eines Blocksatzes des Lehrbuchs »Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie« von Jan Tschichold (1902–1974).
Texteinzüge (Einzüge) werden im Umbruch primär dazu verwendet, um Textpassagen in Absätze zu gliedern. Beispiel: Zwei Einzüge auf einer rechten Seite eines Blocksatzes des Lehrbuchs »Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie« von Jan Tschichold (1902–1974).

Texteinzug oder Leerzeile?

Im Gegensatz zur Gliederung mit Leerzeilen unterbrechen Texteinzüge den Sakkadenprozess vom vorhergehenden Zeilenende hin zu einem neuen Zeilenanfang nicht so abrupt, wie dies durch Leerzeilen geschieht.

Der Grund hierfür ist, dass das Auge – das ontogenetisch ein Teil des Gehirns ist – einen stereotypen Zeilenabstand bereits nach einer kurzen Textpassage verinnerlicht hat, sich auf die Wortbilder konzentriert und prinzipiell immer auf dem »kürzesten Pfad« zu einem neuen Zeilenanfang im Register springt.

Um einen neuen Absatz anzudeuten, genügt bereits eine kleiner Leerraum (»kleine Lesepause«) am Zeilenanfang, der den Grauwert an der Satzkante verändert. 1)

Diese Erkenntnis wird in der Typografie dazu verwendet, Absätze durch Einzüge und eindeutigen Themen- bzw. Szenenwechsel (z.B. Rückblenden) innerhalb eines Kapitels durch Leerzeilen (»große Lesepause«) zu signalisieren. 

Nützliche Regeln

Eine genaue Vorgabe oder Regeln, wie groß ein Leerraum bzw. wie weit ein Einzug von der Satzkante entfernt sein muss, existieren nicht. Eine Evaluierung kann nur optisch erfolgen und ist abhängig von individuellen Faktoren, beispielsweise der verwendeten Schrift, den Proportionen des Satzspiegels bzw. des Gestaltungsrasters, der Satzbreite oder dem Umbruchsystem.

In der Lesetypografie haben sich im Laufe der Jahrhunderte folgende Regeln etabliert (alphabetisch geordnet):

  • Abgesehen von der ersten Zeile eines neuen Kapitels kann ein Texteinzug für einen neuen Absatz auch in der ersten Zeile einer neuen Seite gemacht werden 2)
  • Alle Texteinzüge innerhalb eines Schriftsatzes müssen gleich groß sein
  • Bei einem »hängenden Einzug« (Einzug über mehrere Zeilen oder Seiten) bleibt die erste Zeile (Anfangszeile) eines neuen Absatzes (Alinea) »stumpf« (kein Texteinzug), während alle nachfolgenden Zeilenanfänge innerhalb eines Absatzes mit Einzug – also »eingerückt« – abgesetzt werden und somit in senkrechter Ausrichtung übereinstimmen
  • Der Zeilenausgang in der letzten Zeile eines Absatzes muss den nachfolgenden Texteinzug »decken« bzw. nicht kürzer sein, als der Leerraum vor dem Einzug ist
  • Ein Texteinzug in der letzten Zeile einer Seite oder Kolumne, der einen neuen Absatz kenntlich macht, ist unzulässig (siehe Schusterjunge)
  • Je größer bzw. länger ein Texteinzug ist, desto wahrnehmbarer wirkt er auf den Lesefluss 3)
  • Texteinzüge in der ersten Zeile eines neuen Kapitels bleiben »stumpf« (kein Texteinzug) 4)

Die Wahl der Absatzmethode und somit die Definition der Einzüge gehören in den Bereich der Mikrotypografie. Bei Druckerzeugnissen werden Texteinzüge in Geviert oder Millimeter bemessen und im Satzspiegel bzw. Gestaltungsraster dokumentiert.

Einzüge in HTML-Texten

In HTML-Texten kann zwar mittels CSS Cascading Style Sheets 5) ein Einzug, beispielsweise mit dem Selektor p { text-indent: 1.2em } oder p+p { text-indent: 1.2em }, definiert werden, die Ergebnisse sind allerdings nicht formgerecht (siehe Regeln oben) und gelten als unschön (z.B. fehlende »Deckung« des Zeilenausgangs).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Abgesehen davon, erfordern längere Sakkaden längere Augenbewegungen (Okulomotorik), was die Augenmuskulatur ermüdet und schlussendlich zu Lasten der Lesbarkeit geht.
2.Anmerkung: Es gibt diesbezügliche unterschiedliche Betrachtungsweisen. Es gibt Typografen*innen, die die erste Zeile einer Seite bzw. Kolumne grundsätzlich immer »stumpf« machen, weil sie davon ausgehen, dass das Auge durch den Sprung auf eine neue Seite sowieso eine Pause macht. Andere argumentieren, dass eine konsequente Absatzgliederung sinnvoll ist.
3.Anmerkung: Im materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) existiert die alte Faustregel: »Der Gevierteinzug gilt als ideal. Ein Einzug von mehr als zwei Gevierten hemmt den Lesefluss«.
4.Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Schriften 1925-1974, Band 1 und 2, Brinkmann und Bose, ISBN 3-922660-36-3.
5.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium).