Sakkaden

Sakkaden sind eine von drei Aktivitäten der Augenbewegungsmuster beim Lesen einer Wortsprache; Vorwärtssprünge des Auges während des Lesens einer Wortsprache zu einem folgenden Textabschnitt. Etymologisch aus dem frz. »saccade« für »Ruck« zu »saccader« für »heftig ziehen«. Weitere Augenbewegungsmuster beim Lesen sind die Fixationen (Ruhen der Augen auf einem Punkt) und die Regressionen (Rückwärtssprünge der Augen), auch Regressionssakkaden genannt.

Sakkaden sind im Vergleich zu den Fixationen ein relativ kurzer visueller Prozess beim Lesen einer Schrift. Eine Informationsaufnahme während des Sakkadenprozesses findet nicht statt, sondern nur während der Fixationen. Jüngste Studien spekulieren allerdings darüber, dass möglicherweise Neuronen Sakkaden in bestimmten Hirnregionen als eine Art »Seheindruck« vorwegnehmen. 1)

Sakkaden können eine unterschiedliche Dauer und Anzahl von Wortbilder besitzen; durchschnittlich sind es zwei- bis drei Sprünge pro Sekunde. Sakkadensprünge erfolgen meist ohne Bewußtseinswerdung und ohne eine Wahrnehmung der daraus resultierende Bewegung des Bildes auf der Netzhaut. 2)

In der Leseforschung werden acht bis neun Buchstaben von einer Fixation zur nächsten als ein Normalwert angesehen. Die Sakkaden werden bei zunehmender Textschwierigkeit kürzer, während die Fixationen und Regressionen merklich zunehmen. 3)

Fixationen, Regressionen und Sakkaden: »Dies ist ein Beispiel, wie Augensprünge beim Lesen verlaufen können. Die Kreise deuten die scharf gesehenen Teile je Fixation an, gestrichelte Linien Vorwärtssprünge, durchgezogene Rücksprünge«. Bildzitat: Prof. Dirk Wendt, Lesbarkeit von Druckschriften, Ein Beitrag zum Symposium der Typografischen Gesellschaft München am 13. und 14. November 1998. Die Zusammenfassung als Buch erschienen im Jahre 2000 unter dem Titel
Fixationen, Regressionen und Sakkaden: »Dies ist ein Beispiel, wie Augensprünge beim Lesen verlaufen können. Die Kreise deuten die scharf gesehenen Teile je Fixation an, gestrichelte Linien Vorwärtssprünge, durchgezogene Rücksprünge«. Bildzitat: Prof. Dirk Wendt, Beitrag zum Symposium der Typografischen Gesellschaft München am 13. und 14. November 1998. Die Zusammenfassung als Buch erschienen im Jahre 2000 unter dem Titel »Lesen Erkennen«, Seite 11.

Neben der Leistungsfähigkeit der Augen (z.B. Akkommodationsfähigkeit), abiotischen Umweltfaktoren (z.B. Licht), dem Leseabstand, der Textschwierigkeit sowie der Lesekompetenz eines Rezipienten hat die Schriftwahl sowie die makrotypografische und mikrotypografische Aufbereitung eines Schriftsatzes signifikanten Einfluss auf die Lesbarkeit und somit auf die Dauer des Leseprozesses.

Beispielsweise optimiert ein gleichmäßiger Ausschluß eines Blocksatzes die Länge und Anzahl der Sakkaden und Mikrobewegungen des Auges, die beispielsweise durch mangelhafte Wortzwischenräume, durch Gießbäche (Durchfallen der Augen durch die Zeilen) oder fehlerhaften Durchschuss, unvorteilhafte Schriftlaufweiten etc. entstehen können; ein Rezipient benötigt somit deutlich weniger Energie beim Lesen und kann sich schneller und länger auf den Inhalt konzentrieren.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Quelle: Bremmer, Frank: Warum sehen wir die Welt stabil, selbst wenn wir unsere Augen bewegen? Fachbeitrag in Spektrum.de, online verfügbar unter https://www.spektrum.de/frage/warum-sehen-wir-die-welt-stabil-selbst-wenn-wir-unsere-augen-bewegen/1701540 (24.8.2020).
2 Quelle: Bremmer, Frank: Warum sehen wir die Welt stabil, selbst wenn wir unsere Augen bewegen? Fachbeitrag in Spektrum.de, online verfügbar unter https://www.spektrum.de/frage/warum-sehen-wir-die-welt-stabil-selbst-wenn-wir-unsere-augen-bewegen/1701540 (24.8.2020).
3 Literaturempfehlung: Lesen Erkennen, Beiträge zu einem Symposium der TGM von Dirk Wendt, Bernd Weidemann, Rüdiger Weingarten, Hartmut Günther, Gerd Kegel und Ernst Pappel. Herausgegeben von der Typografischen Gesellschaft München, 2000.