Buchformate

Der Begriff »Buchformat« stammt aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz der dspr. Typografie, Buchherstellung und des Buchhandels. Der Terminus ist mehrdeutig. Er beschreibt

  • die Anzahl der Blätter bzw. Lagen, also die Anzahl der gefalzten Druckbögen eines Buches,
  • die relative Rückenhöhe eines bibliophilen Werkes sowie
  • das Flächenformat eines geschlossenen Buches bzw. einer buchähnlichen Publikation (z.B. Katalog oder Geschäftsbericht) in Bezug auf Höhe und Breite eines Festeinbands (Hardcover, Abk. HC) mit und ohne Schutzumschlag bzw. einer beschnittenen Broschur mit geklebten Buchblock (Innenseiten) inkl. eines flexiblen Umschlags (Softcover,  z.B. bei Taschenbüchern) ohne Schutzumschlag.

Der Terminus ist dementsprechend nur aus dem unmittelbaren Kontext schlüssig. Aus der Zählung der Lagen (Lagenzählung) ergeben sich auch die Nutzenaufteilung bzw. das Ausschießen einer Druckform. Pl. Buchformate bzw. Bücherformate.

Grundsätzlich existieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlich große Buchformate. Verbindliche Normen bestehen nicht. Abgesehen von ästhetischen Aspekten der Buchgestaltung, 1) 2)  orientieren sich Buchformate in der Regel an den Rohbogenformaten von Papieren, 3)  den Druckverfahren, den mx. Bogen- bzw. Druckformaten von Druckmaschinen, der buchbinderischen Weiterverarbeitung und an monetären Aspekten der Herstellung und des Vertriebs.

Historische Buchformate

Bei antiquarischen Büchern und in der Wissenschaft (z.B. Paläografie, Inkunabelkunde oder Bibliothekswissenschaften) werden auch heute noch – insbesondere für Inkunabeln, Postinkunabeln und sonstige frühe Drucke bis Mitte des 16. Jh. – anstelle von exakten Flächenangaben (z.B. Höhe x Breite in cm) – die bibliografischen Formatbezeichnungen (z.B. Folio oder Oktav) sowie deren traditionelle Formatzeichen (z.B. 2° oder 8°) verwendet, die sich auf die Anzahl der gefalzten Druckbögen eines Buches beziehen.

Wird ein Rohbogen dreimal gefaltet, erhält man das historische Buchformat »Oktav« (8°) mit 8 Blättern, was in Summe von Recto (Schöndruck) und Verso (Widerdruck) 16 Seiten ergibt.
Wird ein Rohbogen dreimal gefaltet, erhält man das historische Buchformat »Oktav« (8°) mit 8 Blättern, was in Summe von Recto (Schöndruck) und Verso (Widerdruck) 16 Seiten ergibt.

Buchformat nach Anzahl der Blätter

Mit Beginn der Prototypografie Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts skizziert der Begriff »Buchformat« in der Typografie ausschließlich die Anzahl der Blätter (1 Blatt ≙ 2 Seiten), die sich aus einem ungefalteten Druckbogen – dem Rohbogen – für die Innenseiten eines Werkes ergeben.

Traditionell wurde der Begriff in diesem Sinne bis zum Ende des klassischen Buchdrucks mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) bis Mitte des 20. Jh. verwendet und gelehrt.

Halbierungs- und Mehrfachfaltung

Bei frühen Buchdrucken berechnet sich das Buchformat also daraus, wie viele Pergament- bzw. Papierseiten 4) 5) sich nach der kommensurabelen Faltung aus einem ganzen Bogen ergeben. Faltet man diesen Rohbogen ein erstes Mal, so erhält man das Folioformat (Folio, 2°) mit zwei Blättern. Faltet man das unbeschnittene Folioformat, erhält man das Quartformat (Quart, 4°) mit vier Blättern. Wird das unbeschnittene Quartformat ein drittes Mal gefaltet, erhält man das Oktavformat (Oktav, 8°) mit acht Blättern etc. pp.

Bibliophile Buchformate

Ab 1883 wurden für preußische Offizinen mehr oder weniger einheitliche Bogengrößen mit den nachfolgenden Buchformaten und Abkürzungen festgelegt, die auf die vorhandenen Buchformate und Nomenklatur der frühen Drucke beruht.

FormatTeilungZeichenFalzungBlattSeitenRückenhöhe
Rohbogenungefaltet keine12
DoppelfolioGanzbogenAtlas keine
Tafel 1 x
12
Großfolio
Halbbogengr. 2°1 x24über 45 cm
FolioHalbbogen1 x24bis 45 cm
GroßquartViertelbogengr. 4°2 x48bis 40 cm
QuartViertelbogen2 x48bis 35 cm
LexikonoktavAchtelbogenLex. 8°3 x816bis 30 cm
GroßoktavAchtelbogengr. 8°3 x816bis 25 cm
OktavAchtelbogen3 x816bis 22,5 cm
KleinoktavAchtelbogenkl. 8°3 x816bis 18,5 cm
DuodezZwölftelbogen12°4 x1224bis 17 cm
SedezSechzehntelbogen16°4 x1632bis 15 cm
OktodezAchtzehntelbogen18°5 x1836Miniatur
Vigesimo20igstel-Bogen20°6 x2040Miniatur
Vigesimoquart24igstel-Bogen24°7 x2448Miniatur

Lagenzählung und Bogensignatur

Bei Wiegendrucken (um 1438 bis zum 31. Dezember 1500) findet sich infolgedessen häufig am rechten unteren Blattrand eine Bogensignatur, die meist aus lateinischen Buchstaben und Arabischen Ziffern besteht, beispielsweise A, A2, A3, B, B2, B3 … Z3, Aa, Aa2, Aa3, Bb, Bb2, Bb3 etc. Daraus leitet sich die Lagenzählung ab, beispielsweise A-D6, E8, F-H6, was bedeutet, dass das Buch aus sieben Lagen (A, B, C, D, F, G und H) zu je sechs Blättern und einer Lage (E) mit acht Blättern besteht, also insgesamt 50 Blätter umfasst.

Bogensignaturen und Notizen zur Lagezählung wurden von den Offizinen bzw. von den Buchbindern während der Wiegendruckzeit oftmals nicht beschnitten.

Rückenhöhe eines bibliophilen Buches

Bei bibliophilen Buchdrucken ab ca. Mitte des 16. Jh.  wird das Format im Antiquariat i.d.R. nicht mehr nach Lagen, sondern nach der Größe des Buchdeckels bestimmt. Dabei spricht man bspw. von Großfolio, wenn die Höhe des Buchdeckels – gemessen am Buchrücken – über 45 cm beträgt. Bei einer Höhe ab 40 bis 45 cm spricht man von Folio etc. (siehe Rückenhöhe in der Tabelle oben).

Moderne Buchformate

In der gegenwärtigen Buchgestaltung und Buchherstellung bezeichnet der Begriff Buchformat nicht mehr die Lagen oder die Rückenhöhe, sondern primär das Größenverhältnis in Bezug auf die Höhe x Breite. Hierbei unterscheidet man:

  • Hardcover: Höhe x Breite des Buchdeckels bei einem gebundenen Buch, wobei Vorderdeckel, Buchrücken und Hinterdeckel zusammen den Buchdeckel ergeben und dieser etwas über den Buchblock (Innenseiten) hinausragt.
  • Softcover: Höhe x Breite eines Taschenbuchs oder Paperbacks. Der Umschlag ist flächenmäßig deckungsgleich mit den beschnittenen Innenseiten.

Handbücher und Tischbücher

Grundsätzlich wird in der Buchgestaltung zwischen »Handbüchern« und »Tischbüchern« unterschieden. Wie die Namen bereits suggerieren, ist ein Handbuch ein Kleinformat, das durch sein handliches Format und sein geringes Gewicht in den Händen gehalten werden kann. Wohingegen ein Tischbuch in i.d.R. großformatig und schwer ist und deshalb beim Lesen auf dem Tisch liegt. Zu den Handbüchern zählen beispielsweise Pocket Books, Taschenbücher, deutsche Paperpacks oder gebundene Bücher in Belletristikformaten. Zu den Tischbüchern zählen z.B. große Bild- und Kunstbände, Atlanten oder schwere Nachschlagewerke.

Eine exakte Grenze zwischen Hand- und Tischbuch ist nicht festgelegt. Zu den Handbüchern zählen aber i.d.R. Buchformate bis zum Oktav (8°), also Buchrücken bis 22,5 cm. Tischbücher beginnen somit mehr oder weniger ab 22,5 cm, also mit dem Großoktav (Gr. 8°).

Die Größenverhältnisse bzw. Proportionen von Hand- und Tischbüchern sind sehr unterschiedlich. Jeder Buchgestalter:in, Verlag oder Druckerei bietet hier ein eigenes Sortiment an.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Literaturempfehlung: Hochuli, Jost: Bücher machen: Praxis und Theorie, Verlagsgenossenschaft St. Gallen, 1996, ISBN-10: 3729110799 und ISBN-13: 978-3729110793.
2 Literaturempfehlung: Willberg, Hans Peter und Friedrich Forssman: Lesetypografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, 4, ISBN 978–3–87439–800–8.
3 Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3–85584-010–5.
4 Anmerkung: In der Spätantike etablierte sich in Europa eine neue Buchform, der Kodex, welcher die Papyrus-Schriftrolle (Cyperus papyrus) im 3. und 4. Jahrhundert n.Chr. sukzessive ablöste. Kodizes wurden primär auf Pergament geschrieben. Die Größe und Qualität eines Pergamentblattes richtet sich nach der verwendeten Tierhaut, i.d.R. vom Schaf, der Ziege und vom Kalb (z.B. Vellum), selten von Geflügeln, Kühen oder Pferden. Mit Einführung der chinesischen Papiertechnologie durch arabische »Blattmacher« in Spanien ab dem 11. Jh. bzw. ab dem 14. Jh. in Kerneuropa resp. mit Beginn der Prototypografie ab Mitte des 15. Jahrhunderts, löste der Rohbogen aus Büttenpapier den Pergamentbogen ab (bis 1440 existierten bereits zehn Papiermühlen im dspr. Raum), wobei die buchbinderische Technik der Halbierungsfaltung bzw. der systematischer Mehrfachfaltung (bis heute) erhalten blieb. Ab dem 17. Jh. wurde das Folioformat bei preislich günstigeren Büchern, z.B. Romanen, mehr und mehr vom Quart- und Oktavformat (entspricht in etwa dem heutigen Taschenbuchformat) abgelöst.
5 Anmerkung: Ein Richtwert für einen ungefalteten Bogen diente ursprünglich der Pergamentbogen für eine Rotulus (lt. Schriftrolle), dessen Größe und Seitenverhältnis – unabhängig vom Inhalt – je nach Zeit und Ort tendenziell unterschiedlich war. Rohbögen hatten für längliche Kodexformen einen Durchschnittswert von ca. 22–30 cm Breite und 40–60 cm Länge, für quadratische Kodexformen etwa 34–36 cm Breite und 40–46 cm Länge plus jeweils den Beschnitt.