Vorderdeckel

Typografischer Terminus aus der Buchgestaltung, Buchherstellung und Druckweiterverarbeitung (Buchbinderei) für die Vorderseite eines festen Bucheinbandes (Hardcover); vordere Umschlagseite eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation; vorderer Buchdeckel; Frontdeckel. Bei einem Taschenbuch, Paperback oder einer Broschüre (Softcover) wird der Vorderdeckel als »Einbandvorderseite« oder »Umschlagvorderseite« (Abk. U1) bezeichnet. 1) 2)

Bei gebundenen Büchern mit festem Umschlag, also einem Buchdeckel aus einem festen Material (z.B. überzogene Pappe), ist der Vorderdeckel äußerlich durch ein »Gelenk« mit dem Buchrücken (Rückdeckel) verbunden, wodurch er auch gehalten wird. Die Rückseite des Vorderdeckels, die auch als »vorderer Spiegel« bezeichnet wird, wird mit einem Vorsatzpapier beklebt, das nahtlos in den »vorderen Vorsatz«, in das sogenannte »Fliegende Blatt«, übergeht. Nach dem Vorsatz 3) folgen dann die Innenseiten mit Beginn der Titelei.

Die Illustration zeigt ein geschlossenes Buch mit einem runden Buchrücken, der mit zwei Gelenken den Vorderdeckel und Rückdeckel eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation verbindet.
Die Illustration zeigt ein geschlossenes Buch mit einem runden Buchrücken, der mit zwei Gelenken den Vorderdeckel und Rückdeckel eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation verbindet.

Vorderdeckel, Buchrücken (Rückdeckel) und Hinterdeckel ergeben zusammen den Buchdeckel, 4) der bei gebundenen Büchern etwas über den Buchblock (Innenseiten) hinausragt. 5) Die Außenseiten (Ränder) eines Vorderdeckels werden als »Obere Stehkante« (oben), »Vordere Stehkante« (seitlich) und »Untere Stehkante« (unten) bezeichnet.

Für den Aufbau eines Buchdeckels werden unterschiedliche Materialien verwendet. In der Regel werden starke Kartonagen und Pappen herangezogen, die mit Papier mit und ohne Texturen, Gewebe, Leder, Pergament oder Kunststoffen bezogen sind.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden Vorderdeckel bzw. der gesamte Buchdeckel teils sehr aufwendig gestaltet und durch Blindpressung und Buchschmuck veredelt. In der Bibliophilie gilt die Spätgotik als die Blütezeit des Buchschmucks und der Prachteinbände.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Buchdeckel sukzessive mit Schutzumschlägen in ihrer heutigen Form eingeschlagen, weshalb ein Vorderdeckel heute nicht oder kaum noch gestaltet, bestenfalls mit einer einfachen Schriftprägung oder Vignette versehen wird. 6) 7)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1Anmerkung: Beim einem Softcover, z.B. einem Taschenbuch, wird der Buchdeckel in der Regel in dspr. Verlagen als »Umschlag« bezeichnet.
2Anmerkung: Die Bezeichnung »Titelseite« oder »Cover« wird nur bei Zeitungen bzw. Zeitschriften und Magazinen verwendet.
3Anmerkung: Der Vorsatz, auch ein »falscher Vorsatz«, ist Teil des Bucheinbandes und nicht der Innenseiten.
4Anmerkung: Beim einem Softcover, z.B. einem Taschenbuch, wird der Buchdeckel in der Regel in dspr. Verlagen als »Umschlag« bezeichnet.
5Tipp: Erfahrungsgemäß sollte bei gebundenen Handbüchern der Buchdeckel nicht mehr als 2 mm über den Buchblock hinausragen.
6Literaturempfehlung: Kapr, Albert: Hundertundein Sätze zur Buchgestaltung, Neujahrausgabe der Deutschen Bücherei, Leipzig, 1974.
7Literaturempfehlung: Hochuli, Jost: Bücher machen. Eine Einführung in die Buchgestaltung, im besonderen in die Buchtypografie, Agfa Compugraphic by Agfa Corporation, Wilmington (Mass.), USA, 1989.