Kapr, Albert

Deutscher Typograf, Buchgestalter, Schriftgestalter und Lehrer. Albert Kapr wurde am 20. Juli 1918 in Hedelfingen bei Stuttgart (Baden-Württemberg) als Sohn von Pauline Mathilde Kapr, geb. Bader (1880-1929), und des Maschinenschlossers Johann Kapr (1884-1922) geboren. Kapr wuchs nach dem frühzeitigen Tod seiner Eltern als elfjähriger Vollwaise bei seinen Großeltern auf. Er starb am 31. Mai 1995 im Alter von 76 Jahren in Leipzig (Sachsen). 

Als Hochschullehrer für Schrift- und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und als künstlerischer Leiter der Schriftgießerei VEB Typoart Dresden galt er als prominenter Vertreter des Typografischen Gewerbes in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR, 1949–1990).

Von links: Der litauische Kalligraf und Grafiker Prof. Albertas Gurskas, der deutsche Typograf, Buchgestalter und Schriftgestalter Prof. Dr. Albert Kapr, der estnische Kalligraf, Buchgestalter und Paläograf Villu Toots und der ukrainische Kalligraf und Buchgestalter Prof. Vasil Chebanik, Leipzig, 1971. Foto: Wasil Tschebanik, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Von links: Der litauische Kalligraf und Grafiker Prof. Albertas Gurskas, der deutsche Typograf, Buchgestalter und Schriftgestalter Prof. Dr. Albert Kapr, der estnische Kalligraf, Buchgestalter und Paläograf Villu Toots und der ukrainische Kalligraf und Buchgestalter Prof. Vasil Chebanik, Leipzig, 1971. Foto: Wasil Tschebanik, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

1924 | Albert Kapr besucht für acht (?) Jahre eine Grund- bzw. Volksschule in Stuttgart.
1933 | Im Alter von 15 Jahren beginnt Albert Kapr eine Schriftsetzerlehre bei der Deutschen Verlagsanstalt Stuttgart. 1)
1936 | Aufgrund seiner antifaschistischen Aktivitäten in der jung-kommunistischen »Widerstandsgruppe G« 2)  um die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Fritz Brütsch (1915–1953) und Hans Gasparitsch (1918–2002), wird Kapr in Stuttgart wegen »Beihilfe der Vorbereitung zum Hochverrat« am 16. März zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr mit einer Bewährungszeit von drei Jahren und anschließender Meldepflicht bei der Gestapo (Geheime Staatspolizei) verurteilt. 3)
1938 | Beginn eines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 4)  bei dem renommierten Typografen, Kalligrafen und Hochschullehrer Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956).
1940–1945 | Kriegsdienst als »Beobachter« bei der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht. Von April bis Juli 1945 gerät er in Kriegsgefangenschaft.
1945–1948 | Meisterschüler und Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart. 5)
1947 | Heirat mit Fanny Schmid (1922-2005).
1948 | Dozent für Gebrauchsgrafik an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar (seit 1996 Bauhaus-Universität Weimar). 6)
1950 | Geburt des Sohnes Johannes (1950-2015).
1951 | Professor für Schrift- und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 7)
1952 | Kapr erweckt u.a. mit dem Buchgestalter und künstlerischer Leiter des Aufbau-Verlags Berlin Karl Gossow (1904-1962) und dem Typografen und Gebrauchsgrafiker Horst Erich Wolter (1906–1984) den Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« (1930–1932) zu neuem Leben. Unter dem Titel »Schönste Bücher der DDR« werden von 1952 bis 1989 herausragend gestaltete Bücher prämiert.
1954 | Geburt des Sohnes Klaus.
1955–1978 | Gründung und Leitung des Instituts für Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
1959–1961 | Kapr wird zum Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig berufen.
1961 | Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig und Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik. 8)
1963 | Albert Kapr initiiert mit Kollegen:innen in Leipzig die internationale Ausstellung »Schönste Bücher der Welt«. 
1964 | Künstlerischer Berater bzw. dann künstlerischer Leiter der Schriftgießerei Typoart Dresden. 9)
1968 | Vaterländischer Verdienstorden der DDR in Silber.
1974
 | Promotion mit der Dissertation »Ästhetik der Schriftkunst« zum Dr. phil. an der Universität Leipzig.
1980 | Vaterländischer Verdienstorden der DDR in Gold.
1983 | Emeritierung von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Albert Kapr starb in 31. Mai 1995 in Leipzig. Er war ein leidenschaftlicher Förderer des Nachwuchses und Ideengeber. Sein umfangreicher Nachlass, 10)   wird vom Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig verwaltet. 11)  

Druckschriften

Albert Kapr überarbeitete diverse Druckschriften, u.a. die »Faust-Antiqua« (1958–1962), »Leipziger Antiqua« (1959–1975), »Neutra« (1968), »Magna« (1975) und »Prillwitz Antiqua« (1971–1981).

Publikationen

Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1993, ISBN 3-87439-260-0.
Kapr, Albert (Hrsg.): Kalligrafische Expressionen. Über die Kalligrafie in der DDR, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1988, ISBN 3-343-00461-8.
Kapr, Albert (Hrsg.): Traditionen Leipziger Buchkunst. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1989, ISBN 3-343-00475-8.
Kapr, Albert und Detlef Schäfer: Fotosatzschriften – Type-Design und Schriftherstellung Leipzig. VEB Fachbuchverlag Leipzig 1989, ISBN 3-343-00525-8; Lizenzausgabe Itzehoe Verlag Beruf + Schule 1989, ISBN 3-88013-417-0.
Kapr, Albert und Hans Fischer: typoart – typenkunst. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1973.
Kapr, Albert und Walter Schiller: Gestalt und Funktion der Typographie, Leipzig, 1977.
Kapr, Albert und Walter Schiller: Gestalt und Funktion der Typographie. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1980.
Kapr, Albert: 101 Sätze zur Buchgestaltung. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 2. Auflage, 1976.
Kapr, Albert: ABC – Fundament zum rechten Schreiben. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1958.
Kapr, Albert: Ästhetik der Schriftkunst. Thesen und Marginalien. Fachbuchverlag, Leipzig 1977.
Kapr, Albert: Buchgestaltung. Ein Fachbuch für Grafiker Schriftsetzer, Drucker Buchbinder, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1963.
Kapr, Albert: Buchkunst der Gegenwart. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1979.
Kapr, Albert: Deutsche Schriftkunst. Ein Fachbuch für Schriftschaffende. Verlag der Kunst, Dresden, 1955.
Kapr, Albert: Frieden der Welt. Grafiken, 1959.
Kapr, Albert: Gestalt und Funktion der Typographie. Leipzig, 1982.
Kapr, Albert: Johann Neudörffer der Ältere, ein großer Schreibmeister der Deutschen Renaissance. VEB Harrassowitz, Leipzig, 1956.
Kapr, Albert: Johannes Gutenberg und der Wein. Geschichte des Buchwesens und des Buchdruckes. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, 1991.
Kapr, Albert: Johannes Gutenberg und die Cyprischen Ablassbriefe 1454/55, Druckhistorische Studie.
Kapr, Albert: Johannes Gutenberg. Persönlichkeit und Leistung. C. H. Beck, München, 1987, ISBN 3-406-31580-1.
Kapr, Albert: Johannes Gutenberg. Tatsachen und Thesen. Insel-Verlag, Leipzig, 1977, Insel-Bücherei Nr. 1020.
Kapr, Albert: Schrift und Buchkunst. Aufsätze, Reden und künstlerische Arbeiten. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1982.
Kapr, Albert: Schriftkunst. Geschichte, Anatomie und Schönheit der lateinischen Buchstaben. Verlag der Kunst, Dresden, 1971, ISBN 3-364-00624-5.
Kapr, Albert: Stationen der Buchkunst. VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1985.
Kapr, Albert: Totentanz von Basel. Mit 40 Farbholzschnitten von HAP Grieshaber, Dresden, 1966.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) ist ein deutscher Buchverlag. Sie wurde 1831 von Ludwig Hallberger gegründet und gehört heute zur Penguin Random House Verlagsgruppe. Informationen online verfügbar unter https://www.penguinrandomhouse.de (5.5.2022).
2 Anmerkung: Die »Widerstandsgruppe G« war eine Gruppe kommunistischer Jugendlicher in Stuttgart. Sie leistete gemeinsam mit anderen Jugendlichen in ganz Württemberg Widerstand gegen das NS-Regime. Am 16. März 1936 wurde ihnen der Prozess gemacht und alle volljährigen Mitglieder der Gruppe zu Zuchthausstrafen verurteilt.
3 Quelle: Vgl. Verfügung der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart vom 28.05.1938, s. NL Kapr/F7A/Persönliches.
4 Anmerkung: Informationen zur Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (abk) online verfügbar unter https://www.abk-stuttgart.de (5.5.2022).
5 Anmerkung: Informationen zur Hochschule für Technik Stuttgart online verfügbar unter https://www.hft-stuttgart.de (5.5.2022).
6 Anmerkung: Informationen zur Bauhaus-Universität Weimar online verfügbar unter https://www.uni-weimar.de (5.5.2022).
7 Anmerkung: Informationen zur Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig online verfügbar unter https://www.hgb-leipzig.de (5.5.2022).
8 Anmerkung: Der Nationalpreis der DDR war eine Auszeichnung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) für »hervorragende schöpferische Arbeiten auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik« bzw. für »hervorragende Werke und Leistungen auf den Gebieten der Kunst und Literatur«.
9 Anmerkung: Der VEB Typoart Dresden war eine Schriftgießerei in der ehemaligen DDR mit Sitz in Dresden, die aus der Verstaatlichung der Unternehmen Schelter & Giesecke Leipzig (1946) und der Schriftguß AG in Dresden (1951) als VEB (Volkseigener Betrieb) hervorging. Das Leipziger Unternehmen Ludwig Wagner und die Norddeutsche Schriftgießerei wurden 1961 in den VEB eingegliedert. Die Aufgabe des VEB Typoart war es, lateinische Druckschriften für den Schriftsatz in der DDR sowie für Länder des Warschauer Pakts herzustellen.
10 Anmerkung: Zu seinem Nachlass zählen Fachbücher zum Thema Buch und Schrift, Korrespondenz, Typografie– und Schriftentwürfe, Gebrauchsgrafik sowie freie künstlerische Arbeiten. Informationen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, online verfügbar unter https://d-nb.info/103838012X (5.5.2022).
11 Anmerkung: Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM) in Leipzig ist das weltweit älteste Fachmuseum seiner Art und wurde 1884 als Deutsches Buchgewerbe-Museum gegründet. Heute gehört es zur Deutschen Nationalbibliothek. Informationen online verfügbar unter https://www.dnb.de/DE/Ueber-uns/DBSM/dbsm_node.html#sprg (5.5.2022).