Marginalie

Typografischer Terminus für eine Randbemerkung außerhalb des Register eines Satzspiegels bzw. außerhalb der Kolumnen eines Gestaltungsrasters. Etymologisch von »marginal« für »am Rand liegend« aus »marginalis« zu lt. »margo« für »Rand«.

Marginalien werden gerne als stichwortartige Hinweise und Begriffserläuterungen u.a. in Sach-, Fach-, Geschichts- und Lehrbüchern, Nachschlagwerken oder Geschäftsberichten verwendet. Marginalien sind eine Möglichkeit, dem Leser Zusatzinformationen zu einer bestimmten Textstelle in der Hauptkolumne anzubieten, ohne dadurch den Leseprozess zu stören. Marginalien können ebenso behilflich sein, komplexe Inhalte didaktisch zu strukturieren. Randbemerkungen können ggf. auch Bildunterschriften oder Headlines ersetzten bzw. ergänzen. 

Marginalien sind Randbemerkungen außerhalb des Register eines Satzspiegels bzw. außerhalb der Hauptkolumnen eines Gestaltungsrasters. Sie können in Form und Funktion sehr unterschiedlich sein. Beispiel: Klassischer Buchsatzspiegel (Doppelseite) mit Kolumnen (Hauptkolumnen) im Blocksatz, flankiert von Marginalkolumnen (Marginalspalten) im Außensteg im wechselnden asymmetrischen Flattersatz.
Marginalien sind Randbemerkungen außerhalb des Register eines Satzspiegels bzw. außerhalb der Hauptkolumnen eines Gestaltungsrasters. Sie können in Form und Funktion sehr unterschiedlich sein. Beispiel: Klassischer Buchsatzspiegel (Doppelseite) mit Kolumnen (Hauptkolumnen) im Blocksatz, flankiert von Marginalkolumnen (Marginalspalten) im Außensteg im wechselnden asymmetrischen Flattersatz.

Marginalien werden bei Büchern oder buchähnlichen Publikationen in einer Marginalkolumne (Marginalspalte oder Marginalsatzspalte) außerhalb des Satzspiegels, in der Regel im linken oder rechten Außensteg eines Buchsatzspiegels gesetzt. 1 ) 2 ) 3 ) In einer Marginalkolumne können neben Text auch Bilder oder Illustrationen platziert werden, beispielsweise Diagramme bei Geschäftsberichten. 

Marginalien beginnen grundsätzlich immer auf der Schriftlinie der Zeile, auf welche sie Bezug nehmen. Die zweite Zeile nebst Folgezeilen einer Marginalie kann dann vom Zeilenabstand (ZAB) der Hauptkolumne abweichen, beispielsweise in halben ZAB-Schritten, wobei alle Marginalkolumnen – wie die Hauptkolumnen auch – registerhaltig sein müssen.

Falls keine Notenkolumne existiert oder kaum Fußnoten verwendet werden, können Marginalien zusätzlich mit Konsultationszeichen (Konsultation von lat. »consultatio« für »Beratschlagung«) verknüpft werden, beispielsweise mit Arabischen Ziffern.

In der Buchtypografie sind Marginalien in ihrer Satzausrichtung zur Hauptkolumne hin angeordnet. Beim Blocksatz der Hauptkolumne ist die Satzausrichtung der Marginalien auf der linken Buchseite in der Regel rechtsbündig, auf der rechten Buchseite linksbündig. 4 ) Beim asymmetrischen Flattersatz der Hauptkolumne ist die Satzausrichtung der Marginalien auf der linken und rechten Buchseite in der Regel linksbündig. 

Marginalien werden in der deutschen Sprache in einer durchschnittlichen Satzbreite von mindestens zwei (z.B. bei langen Komposita) bzw. drei (bei durchschnittlichen Wortlängen) bis maximal sechs Worten (bei durchschnittlichen Wortlängen) in einer Konsultationsgröße (Caption ≅ 6–8,4 DTP-Punkt) gesetzt. D.h., der Schriftgrad der Marginalie ist grundsätzlich deutlich kleiner als der der Grundschrift der Hauptkolumne. 5 ) 6 ) 7 )

Marginalien müssen nicht in der Grundschrift der Hauptkolumne(n) gesetzt werden. Sie können durchaus mit Fonts aus anderen Hauptschriftgruppen bzw. alternativen Schriftstilen gestaltet werden. Die Spaltenabstände, Spaltenbreiten etc. sowie die Wahl der Schrift bzw. Schriftstils einer Marginalie gehört in das Segment der Makrotypografie und sollte bereits bei der Konzeption einer semantischen und typografischen Schriftauszeichnungsmatrix (siehe Schriftmischung) berücksichtigt werden. Das »Feintuning« der Marginalie, also der exakte Schriftschnitt, der Optische Randausgleich etc., gehört in das Segment der Mikrotypografie

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Streng genommen ist der »Buchsatzspiegel« das gesamte schematische Ordnungssystem einer Doppelseite, also die unbedruckten und bedruckten Flächen. Der »Satzspiegel« hingegen nur die gedruckte Kolumne, also die bedruckte Fläche. 
2.Anmerkung: Bei großformatigen Büchern oder buchähnlichen Publikationen können Marginalien auch im Bundsteg stehen.
3.Tipp: Werden Marginalien verwendet, müssen die Außenstege – ggf. auch der Bundsteg – eines Buches grundsätzlich breiter angelegt werden.
4.Tipp: Bei rechtsbündigen Marginalien sollte unbedingt auf eine optisch gleichmäßige Satzkante geachtet werden (siehe Optischer Randausgleich). Im besten Falle sind die Interpunktionszeichen über die Satzkante zu stellen.
5.Anmerkung: Da Schriftgrade heute relativ sind, sind Empfehlungen aus dem Bleisatz – à la »eine Marginalie sollte ein oder zwei Grad kleiner sein« (Albert Kapr) – nicht mehr zielführend.
6.Literaturempfehlung: De Jong, Ralf und Friedrich Forssman: Detailtypografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-642-4.
7.Literaturempfehlung: Willberg, Hans Peter und Friedrich Forssman: Lesetypografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-800-8.