Headline

Terminus für Schlagzeile; Überschrift. Im deutschsprachigen Akzidenzsatz auch als »Ruftext« oder »Kopflinie« bezeichnet. Der Begriff »Headline« wird überwiegend in Verlagen, PR- und Werbeagenturen sowie in Werbeabteilungen von Unternehmen für Überschriften von Presse-, Verlags-, PR- und Werbetexten verwendet. Pl. »Headlines«.

Etymologie und Herkunft

Etymologisch von eng. »Head« für deu. »Kopf, Überschrift« und eng. »line« für deu. »Linie, Zeile« zu eng. »Headline für deu. »Kopflinie«. 

Der deutschsprachige Begriff »Kopflinie« ist deutlich älter als die englischsprachige Bezeichnung »Headline«.1) Der Terminus wurde spätestens mit der Entwicklung der Massenpresse im 19. Jahrhundert von der Englischen Typografie aus dem gewebespezifischen Sprachschatz der deutschen Zeitungstypografie als Lehnübersetzung übernommen. Der Begriff breitete sich dann mit der englischen Sprache als Weltsprache aus, explizit in die englischsprachige Welt, so auch in die Vereinigte Staaten von Amerika (USA). 

Ab den 1920er Jahren wurde der Begriff »Headline« in den USA – insbesondere von der neuen Berufsgruppe der »Type Directors«, die in den neu gegründeten »Advertising Service Agencies« (Full Service Werbeagenturen) die »Akzidenzsetzer« verdrängten und später zu »Art Directors« wurden – aus dem Fachvokabular der Zeitungstypografie adaptiert. 

Im deutschsprachigen Raum taucht der Anglizismus für Überschriften in Anzeigen und Prospekten dann vermutlich erstmals in den 1950er Jahren mit den ersten deutschen Dependancen US-amerikanischer Werbeagenturen, z.B. McCann Erickson und J. Walter Thompson, im Frankfurter Raum (Hessen) auf.

Mit dem deutschen »Wirtschaftswunder« ab den 1950er Jahren und der damit verbundenen Prosperität des Wirtschaftsclusters »Kultur- und Kreativwirtschaft« wurde der Anglizismus ab den 1970er Jahren sukzessive – so wie andere Anglizismen auch, beispielsweise die Begriffe »Layout« oder »Copy« – in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz in die gängige »Werbesprache« bzw. in den gewebsspezifischen deutschen Sprachschatz übernommen.

Blickfang und Struktur

In der Typografie werden unterschiedlich große Headlines als Eyecatcher (Blickfang) und zur Strukturierung eines Schriftsatzes eingesetzt. Die Schriftgröße einer Headline ist in der Regel größer als der Fließtext (Copy). Abgesehen davon können Headlines auch in anderen inner- und extrafamilären Schriftschnitten sowie in anderen Farben abgesetzt bzw. gedruckt werden. 

Unterschiedliche Headlines im Layout der Süddeutsche Zeitung. Die Überschriften dienen nicht nur als Eyecatcher (Blickfang), sondern auch zur Strukturierung der Seite. Bildzitat: Süddeutsche Zeitung, München.
Unterschiedliche Headlines im Layout der Süddeutsche Zeitung. Die Überschriften dienen nicht nur als Eyecatcher (Blickfang), sondern auch zur Strukturierung der Seite. Bildzitat: Süddeutsche Zeitung, München.

Die Schriftwahl für Headlines gehört in das Segment der Makrotypografie. Headlines zählen zur Integralen Schriftmischung und werden deshalb in einer semantisch-typografischen Auszeichnungsmatrix gegliedert und dokumentiert.

Schriftmischung weiterlesen →

Webtypografie

In HTML/XHTML-Editoren (z.B. Adobe Dreamweaver®) oder Webanwendungen (z.B. WordPress® oder TYPO3®) können Headlines als Blockelemente hierarchisch in h1, h2, h3, h4, h5 und h6 (»h« steht für» heading«) gegliedert sowie semantisch zugeordnet und typografisch über »CSS Cascading Style Sheets« 2) ausgezeichnet werden, was sich nicht nur auf die Schriftsatzästhetik, sondern auch auf die »SEO Search Engine Optimization« (Suchmaschinenoptimierung) einer Website auswirken kann.

Beispiel von Headlines als Blockelemente in HTML: 3)

<h1>1 Überschrift</h1>
<h2>1.1 Überschrift</h2>
<h3>1.1.1 Überschrift</h3>
<h4>1.1.1.1 Überschrift</h4>
<h5>1.1.1.1.1 Überschrift</h5>
<h6>1.1.1.1.1.1 Überschrift</h6>

Display Fonts

Für Headlines, die in sehr großen Schriftgraden 4) gesetzt werden, gibt es spezielle Display-Schriften (Displays), deren Typometrie speziell für große Schriftgrade adaptiert wurden (siehe auch Optische Größen).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Die erste regelmäßige Tageszeitung der Welt – die »Einkommenden Zeitungen« des Typografen, Buchdruckers und Buchhändlers Timotheus Ritzsch (1614–1678) – kam am 1. Juli 1650 in Leipzig (Sachsen) heraus.
2.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Informationen verfügbar unter http://www.w3c.de/about/ (26.12.2019).
3.Quelle: selfhtml: HTML/Textstrukturierung/Überschrift. Online verfügbar unter https://wiki.selfhtml.org/wiki/HTML/Textstrukturierung/Überschrift (27.12.2019).
4.Anmerkung: Als sehr große Schriftgrade gelten im digitalen Schriftsatz Displaygrößen mit mehr als 24 pt (= 8,5 mm hp-Vertikalhöhe gerundet) und im materiellen Schriftsatz Plakatgrößen bzw. Ferngrößen ab 48 Didot-Punkte (4 Cicero bzw. 1 Konkordanz).