Capitalis Rustica
Die »Capitalis rustica« ist eine Schnellschreibvariante der lateinischen »Capitalis quadrata«, einer lateinischen Majuskelschrift für Pergamenthandschriften; Buchschrift der Römer vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n.Chr.
Etymologisch ist der Begriff aus lat. »capitalis« für »Haupt, Kopf« im Sinne von »den Kopf, das Leben betreffend; vorzüglich« sowie »rustica« für »ländlich, bäuerlich, rustikal«, entlehnt aus lat. »rusticalis«, abgeleitet von »rusticus« zu »rus, ruris« für »Land«. In der Paläografie wird die römische Majuskelschrift allgemein als »Scriptura capitalis« bezeichnet.
Die Capitalis rustica gilt neben der Capitalis quadrata als klassische Buchschrift der Römer. Sie ist eine reine Majuskelschrift, die im Gegensatz zur Capitalis quadrata schneller und enger im Zweiliniensystem geschrieben wurde. Ihre Anmutung wirkt weniger konstruiert und freier. Wie die Capitalis monumentalis, die als Vorbild der Antiquaschriften gilt, verfügt auch die Capitalis rustica über Serifen.

Im 4. Jahrhundert entstand mit dem Wechsel vom faserigen Papyrus zum glatteren Pergament sowie von der pflanzlichen, leicht splitternden Rohrfeder zum kompakten Federkiel als Schreibwerkzeug aus der Capitalis rustica (und der Capitalis quadrata) die »Uncialis« (Unziale), die erste Schrift mit ausgeprägt gerundeten Formen.
© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de