Kalliope

Das Motiv der »Kalliope« – die Muse der »Schreibenden Künste« – wurde in der Typografie bis zum Ende des materiellen Handschriftsatzes gerne als Alinea und insbesondere als Schlußstück vertrieben, welches zum »Typografischen Zierat« bzw. zum »Acczidenz-Zierat« (siehe Akzidenzschrift) zählten. Des Weiteren war die Kalliope ein beliebtes Motiv bei der Gestaltung von Exlibris. Insbesondere in den Epochen des Jugendstils fand sie in Büchern und Akzidenzdrucksachen vielfach und in den unterschiedlichsten Designs Verwendung.

Skizze der Muse »Kalliope« nach einem Kupferstich aus P. Ovidii Metamorphosis von Virgil Solis (1514–1562). In der bildenden Kunst und der Typografie wird Kalliope mit Griffel und Schreibtafel oder Manuskripten als ihren charakteristischen Attributen dargestellt.
Skizze der Muse »Kalliope« nach einem Kupferstich aus P. Ovidii Metamorphosis von Virgil Solis (1514–1562). In der bildenden Kunst und der Typografie wird Kalliope mit Griffel und Schreibtafel oder Manuskripten als ihren charakteristischen Attributen dargestellt.

Kalliope ist die Muse der »Schreibenden Künste«. Die »Schönstimmige« ist in der antiken Mythologie eine der neun Töchter des Göttervaters Zeus und der Göttin der Erinnerung Mnemosyne. Sie wird erstmals im 8. Jahrhundert v.Chr. vom griechischen Dichter Hesiod (vor 700 v.Chr.) in »Theogonie«, einem Epos über die Entstehung der Welt und der Götter, als Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik und der Schriftkunst genannt. 1 )

In der Odyssee (XXIV 60) von Homer (möglicherweise zwischen 1200 und 850 v.Chr.) ist Kalliope die Mutter des Sängers und Dichters Orpheus und des Musikgelehrten Linos. Auch der Athener Philosoph Platon (um 428/427–348/347 v.Chr.) weist der rede- und schreibkundigen Kalliope in seinen Dialogen eine Vorrangstellung unter den Musen zu. In der bildenden Kunst wird Kalliope stets mit Griffel und Schreibtafel oder Manuskripten als ihren charakteristischen Attributen dargestellt. 2 )

Etymologisch von altgriechisch »Kalliopē oder »Kalliopeia« für zu lat. »Calliopa« für »die Schönstimmige«.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: Hesiod: Theogonie, Werke und Tage, Altgriechisch und Deutsch, Akademie Verlag, 2012, ISBN: 9783050059280.
2.Literaturempfehlung: Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen, Band 1 und 2, Einführung, Erläuterungen und Literaturhinweise von E. G. Schmidt, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart, 1960, ISBN 3-423-30031-0.