Schlußstück

Begriff aus der Typografie für ein gegenständliches oder abstraktes Alinea (Schmuckzeichen), welches beispielsweise eine Textpassage oder ein Kapitel eines Buches grafisch abschließt; typografischer Zierrat (typografischer Schmuck) oder Vignette (Rebranke) zum Abschluß einer Kolumne. Alternative Schreibweise »Schlussstück«.

Alineas sind Schmuckzeichen, Zierstücke, Vignetten oder Schlusslinien zur Text- oder Raumgliederung. Beispiel gesetzt aus der Linotype Decoration P1 von Linotype. Infografik: www.typolexikon.de
Alineas sind Schmuckzeichen, Zierstücke, Vignetten oder Schlusslinien zur Text- oder Raumgliederung. Beispiel gesetzt aus der Linotype Decoration P1 von Linotype.

Schlußstücke können unterschiedliche Formen, Größen und Symmetrien 1 ) 2 ) aufweisen und haben in der Regel keinen direkten Symbolgehalt zum Text. Sie dienen nur als illustratives Gliederungszeichen. Die Formvielfalt reicht vom Drei-Sterne-Abschluß, über verzierte Linien (Schlußlinien), Englische Linien bis hin zu figürlichen Ornamenten und Vignetten. Beispielsweise war während der kunstgeschichtlichen Epoche des Jugendstils die »Kalliope« ein sehr oft verwendetes Schlußstück. In der europäischen Typografie dürfte das bekannteste Zierzeichen dieser Art das »Aldusblatt« 3 ) des Typografen Aldus Manutius (1449–1515) sein. 

»Verzierte Schluss-Linien« für den Bleisatz. Abbildung: Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885. Foto: www.typolexikon.de
»Verzierte Schluss-Linien« für den Bleisatz. Abbildung: Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.
Das Aldusblatt (Hedera-Zeichen) ist ein blumenartiges Alinea (Zierornament), das im deutschsprachigen Raum nach dem venezianischen Typografen Aldus Manutius (1449–1515) benannt wurde, der es gerne in seinen Aldinen verwendete. Vom Aldusblatt gibt es heute unzählige Varianten. Beispiel: Drei Aldusblätter aus der Schrift »Minion Pro« (Display) von Robert Slimbach.
Das Aldusblatt (Hedera-Zeichen) ist ein blumenartiges Alinea (Zierornament), das im deutschsprachigen Raum nach dem venezianischen Typografen Aldus Manutius (1449–1515) benannt wurde, der es gerne in seinen Aldinen verwendete. Vom Aldusblatt gibt es heute unzählige Varianten. Beispiel: Drei Aldusblätter aus der Schrift »Minion Pro« (Display) von Robert Slimbach.

Im Schriftsatz mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) gehörten Schlußstücke zum »Zierrat« und wurden in der Regel bei den Akzidenzschriften aufbewahrt. 4 ) Schriftgießereien boten während der Epoche des Handschriftsatzes unzählige Formen an, die sich an den jeweiligen Kunststilen und Moden orientierten.

Bei gut ausgebauten OpenType Fonts finden sich oft einige wenige Alineas im erweiterten Figurenverzeichnis (Zeichensatz) eines Zeichensatzes. Beispielsweise verfügt die Französische Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1956) über mehrere, speziell gestaltete Schlußstücke, die wunderbar zur Anmutung dieser Schrift passen. Des Weiteren werden von Font Foundries spezielle Symbol Fonts angeboten, die ausschließlich nur Schlußstücke bzw. Alineas und Vignetten in unterschiedlichen Designs beinhalten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Linotype Decoration P1, deren Zeichentabelle rund 84 Figuren (Characters) enthält.

Schlußstücke werden im Layout von Buchseiten gegenwärtig nur noch selten verwendet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Symmetriearten sind beispielsweise die Spiegelsymmetrie, die Zentralsymmetrie und die Asymmetrie.
2.Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3-85584-010-5.
3.Anmerkung: In der Kalligraphie als »Hederablatt« bezeichnet.
4.Anmerkungen: In einigen typografischen Lehrbüchern wird darauf hingewiesen, dass Vignetten nicht zum Zierrat zählten (Beispiel: Luidl, Philipp: Typografie, Herkunft, Aufbau, Anwendung. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover, 1984, ISBN 3–87706-212–1, Seite 51). Wahrscheinlicher ist aber, dass Offizinen die Klassifikation und Aufbewahrung von Vignetten unterschiedlich gehandhabt haben – was vermutlich mit der Größe der Druckerei und dem Spezialisierungsgrad ihrer Satzabteilung(en) zu tun hatte.