Versalhöhe

Typografischer Terminus für die Höhe einer Majuskel (Großbuchstabe) eines Alphabets von der Grundlinie (Schriftlinie) zur H-Linie (siehe Schriftlinien); gemessene Höhe eines Großbuchstabens; eng. »Cap Height«. Wissenschaftlich korrekt als »Majuskelhöhe« bezeichnet. 1 ) Der erste Teil des Kompositums leitet sich semantisch von Versal (siehe Versalien) ab.

Die Versalhöhe (Majuskelhöhe) entspricht – außer bei Schriften, deren Typometrie sich an Renaissance-Antiquas orientieren – der Mittellänge und Oberlänge einer Minuskel (Kleinbuchstabe) oder Mediävalziffer (Ziffer mit Ober- und Unterlänge).

Das deutsche Alphabet führt 26 Majuskeln im Zweiliniensystem von der Schriftlinie (Grundlinie) bis zur H-Linie, wobei die Majuskeln J und Q unterhalb der Grundlinie mehr oder weniger deutliche Ausschweifungen (Überhänge) besitzen. Der Schriftgrad eines reinen Majuskelalphabets wird an der Majuskelhöhe (H-Linie) gemessen. Beispiel gesetzt in einer Vorklassizistischen Antiqua.
Das deutsche Alphabet führt 26 Majuskeln im Zweiliniensystem von der Schriftlinie (Grundlinie) bis zur H-Linie, wobei die Majuskeln J und Q unterhalb der Grundlinie mehr oder weniger deutliche Ausschweifungen (Überhänge) besitzen. Der Schriftgrad eines reinen Majuskelalphabets wird an der Majuskelhöhe (H-Linie) gemessen. Beispiel gesetzt in einer Vorklassizistischen Antiqua.

Die Versalhöhe dient bei reinen Versalschriften (Majuskelschriften) im Zweiliniensystem als Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad des Schriftschnitts.

Bei manchen optomechanischen Satzherstellungsverfahren (Fotosatz), z.B. von der H. Berthold GmbH, wird die Versalhöhe über eine Tabellenumrechnung auch zur Bestimmung des Schriftgrads einer Druckschrift mit Groß- und Kleinbuchstaben herangezogen. Diese Art Schriftgradbestimmung ist allerdings systemimmanent und nicht auf andere Schriftsatzsysteme übertragbar. 2 )

Im digitalen Schriftsatz, z.B. im DTP Desktop Publishing, ist die Versalhöhe zur Bestimmung des Schriftgrades irrelevant, da Schriften nach ihrer hp-Vertikalhöhe gemessen werden.

Die Versalhöhe (Majuskelhöhe) dient in der digitalen Typografie im Wesentlichen als Referenzgröße in der Schriftgestaltung (Type Design) sowie als Vergleichsgröße für unterschiedliche Majuskeln- und Ziffernarten, z.B. in der Schriftklassifikation und bei der Schriftmischung.

In der Typografie und im Grafikdesign existieren unterschiedliche Maßsysteme und Maßeinheiten für die Berechnung einer physischen oder virtuellen Versalhöhe.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: In der Paläographie und in der Schriftlinguistik kennzeichnet ein Versal (Singular) einen Großbuchstaben an den Anfängen von Verszeilen. Verse haben ihren Ursprung im 9. Jahrhundert, welche zu dieser Zeit in Minuskeln geschrieben wurden (siehe Schriftgeschichte). Die Bedeutung »Vers(zeile)« ist hier in metaphorischer Anlehnung an die Linie einer Ackerfurche zu verstehen, die durch das Umwenden des Pfluges beendet wird. Um folglich Fehlinterpretationen zu vermeiden, ist es ratsam, die Versalhöhe grundsätzlich als Majuskelhöhe zu bezeichnen. 
2.Anmerkung: Das Messen mit einem Typometer ist deshalb ebenfalls sys­tem­im­ma­nent.