Eidenbenz, Hermann

Schweizer Grafikdesigner, Typograf, Fotograf, Lehrer und Schriftgestalter. Geboren am 4. September 1902 in Cannanore (Kannur) in British India als Sohn des Schweizer Kaufmanns Hermann Samuel Eidenbenz (1868–1939) und einer deutschen Mutter. Gestorben am 25. Februar 1993 in Basel in der Schweiz. Bekannt wurde Hermann Eidenbenz durch seine grafischen Plakate, Banknotenentwürfe und die Neuinterpretation der Druckschrift »Clarendon«, einer Egyptienne des englischen Schriftgießers Benjamin Fox (o.A.–1877). 1)

Nach seiner Schulzeit in der deutschsprachigen Schweiz entschied sich Hermann Eidenbenz für eine Ausbildung zum Lithografen und Gebrauchsgrafiker; von 1919 bis 1922 als Lehrling bei Orell Füssli in Zürich und im Anschluss von 1922 bis 1923 als Berufsschüler an der Züricher Kunstgewerbeschule.

Von 1923 bis 1926 zog es Eidenbenz nach Berlin, wo er als Werbe- und Gebrauchsgrafiker für unterschiedliche Firmen tätig war. Von 1926 bis 1932 war er Lehrer für Schrift und Grafik an der Kunst- und Handwerkerschule in Magdeburg in Sachsen (heute Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt). 

Vor der endgültigen Machtergreifung der Nationalsozialisten zog er sich um 1932 in die neutrale Schweiz zurück, wo er mit seinen beiden Brüdern Reinhold (1907–1988) und Willy Eidenbenz (1909–1998) ein Foto- und Grafikatelier in Basel gründete. 1940 bis 1943 unterrichtete er dort auch an der Allgemeinen Gewerbeschule. 1945 Heirat mit Lotte Christoffel.

Plakat »Swissair« von Hermann Eidenbenz (1902–1993) aus dem Jahre 1948. Auftraggeber: Swissair AG, Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, Kloten, Schweiz (1931–2002).
Plakat »Swissair« von Hermann Eidenbenz (1902–1993) aus dem Jahre 1948. Auftraggeber: Swissair AG, Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, Kloten, Schweiz (1931–2002).

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Eidenbenz dann wieder nach Deutschland zurück und übernahm 1953 für etwas mehr als ein Jahr die Leitung der Abteilung Gebrauchsgrafik an der niedersächsischen Werkkunstschule in Braunschweig. 2) 

1953 fertigte Hermann Eidenbenz im Auftrag der Haas´schen Schriftgießerei in Frankfurt am Main die Reinzeichnungen der »Clarendon«, welche dort als Akzidenzschrift für den Handsatz in einem normalen, leichten und fetten Schriftschnitt produziert wurden.

Der Nachschnitt der »Clarendon« ist eine Überarbeitung einer Egyptienne (Slab Serif) mit runden Serifenübergängen des englischen Schriftgießers Benjamin Fox (o.A.–1877), die Hermann Eidenbenz 1953 im Auftrag der Haas´schen Schriftgießerei in Frankfurt neu zeichnete. Schriftprobe: Clarendon LT Std Roman von Adobe.
Der Nachschnitt der »Clarendon« ist eine Überarbeitung einer Egyptienne (Slab Serif) mit runden Serifenübergängen des englischen Schriftgießers Benjamin Fox (o.A.–1877), die Hermann Eidenbenz 1953 im Auftrag der Haas´schen Schriftgießerei in Frankfurt neu zeichnete. Schriftprobe: Clarendon LT Std Roman von Adobe.

1962 wurde bei der Stempel AG (in der Folge der Haas´schen Schriftgießerei) für den Hand- und Maschinensatz als Werksatzschrift noch eine magere und halbfette Variante und 1964 eine breitfette Variante vorgestellt, welche 1965 durch einen schmalmageren Schnitt ergänzt wurde.

Mit Beginn des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) wurde die Clarendon bei Linotype (in der Folge der Stempel AG) und anderen Schriftbibliotheken (z.B. H. Berhold AG und URW) zu einer umfangreichen Schriftfamilie ausgebaut.

Von 1955 bis 1967 war Hermann Eidenbenz als Art Director (Grafikdesigner) für die Zigarettenmarke Reemtsma in Hamburg tätig. Zu seinem Repertoire als freiberuflicher Grafiker zählten insbesondere Signete (z.B. das Stadtwappen Basel), illustrative Plakate (z.B. für Swissair), 3) Banknoten (z.B. erste Serie der D-Mark-Banknoten und Schweizer Franken, Serie 5 ab 1956) sowie Briefmarken (z.B. die 1955 von der Deutschen Bundespost herausgegebene 10 Pfennig Briefmarke zum 100. Todestag des Mathematikers und Astronomen C. F. Gauss, 1777–1855). 

Hermann Eidenbenz war auch als leidenschaftlicher Fotograf bekannt. So nahm er beispielsweise regelmäßig an fotografischen Gruppenausstellungen und Sammelpublikationen teil und war – wie sein Bruder Willi – Mitglied des Schweizerischer Photographen Verband (SPhV). Eidenbenz starb am 25. Februar 1993 im Alter von 90 Jahren in Basel in der Schweiz. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Semantisch rührt die Bezeichnung »Clarendon« von »Earl of Clarendon«, einem erblichen britischen Adelstitel.
2.Literaturempfehlung: Klein, Sarah (Hrsg.), François Rappo und Roland Früh: Hermann Eidenbenz’ Grafikunterricht, Dokumente 1926–1955, Triest Verlag, Zürich, 2019, ISBN-10 3038630357, ISBN-13 978-3038630357.
3.Museumsempfehlung: Museum für Gestaltung Zürich, Archiv Zürcher Hochschule der Künste, Sammlungen des Museums für Gestaltung, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich. Im »eMuseum« der hdk sind Plakate und andere grafische Arbeiten von Hermann Eidenbenz online unter https://www.emuseum.ch/people/9534/hermann-eidenbenz verfügbar (26.8.2019).