Männchensatz
»Männchensatz« ist ein typografischer Fachausdruck aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz dspr. Schriftsetzer und Drucker aus der Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) für einen repetitiven Nachsatz einer Drucksache, in der Regel für einen Neusatz eines bereits publizierten Werkes.
Gründe hierfür waren in der Regel, dass sich die physischen Drucktypen bei hohen Auflagen mechanisch abgenutzt hatten, Nachauflagen ohne vorhandenen Stehsatz gedruckt werden mussten oder ein bereits publiziertes Buch einfach nur kopiert wurde.
Das erste Nomen des Kompositums »Männchen | satz« leitet sich von »Männchen«, einem Diminutivform von Mann ab. In Bezug auf Menschen hat Männchen in seiner Benutzung fast immer einen pejorativen Zug. Das zweite Nomen ist die Verkürzung von »Schriftsatz« (Werksatz).
Im grafischen Gewerbe war der Begriff sicherlich nicht als Kosename, sondern despektierlich gemeint, da es sich um eine Nachbildung für ein Faksimile handelte, eine monotone Aufgabe, die vermutlich einem »Mann« unwürdig erschien. 1) Oft wurden deshalb Lehrbuben der Offizin (Setzerlehrlinge) unter der Anleitung des »Anführgspans« (öst. für ausbildende Setzer) bzw. dem »Faktor« (Abteilungsleiter einer Setzerei einer Offizin) oder die jüngsten Gesellen mit dieser Form von manueller Satzherstellung beauftragt, da die korrekte Nachahmung eines bereits existierenden Satzes eine lehrreiche Übung darstellte.
© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:[+]
| ↑1 | Anmerkung: Das grafische Gewerbe war bis in die Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts patriarchal dominiert, was natürlich auch den gewerbespezifischen Sprachschatz prägte. Aus dieser Zeit stammen auch Begriffe wie Hurenkind und Schusterjunge. |
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