Werkdruck
»Werkdruck« ist ein Fachausdruck aus der deutschsprachigen Typografie und dem polygrafischen Gewerbe (Druckwesen) für den Druck von Büchern (z.B. Romane) und buchähnlichen Publikationen (z B. Broschüren), die überwiegend monochromen Text enthalten, beispielsweise im Segment der Belletristik sowie im Bereich der Sach- und Fachbücher; Buchdruck.

Etymologisch rührt der Begriff »Werk« aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutschsprachiger Schriftsetzer, Schriftgießer, Drucker und Papiermüller (Papiermacher) aus der frühesten Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) und stand dort für »Buch«; Pl. »Werke«. »Werk« ist demnach die Kurzform von »Druckwerk«, womit bis zum Beginn der Zeitungstypografie im 17. Jahrhundert ausschließlich das (ungebundene) Buch gemeint war. 1)
Semantisch geht »Werk« auf das 8. Jahrhundert zurück: mhd. »werc(h)« [ahd. »werc«, auch »wer(a)h«] im Sinne von »Werk« beziehungsweise »Tagwerk« für »Arbeit«. Der Begriff »Werk« wurde und wird auch in anderen Branchen und in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet (z.B. Kunstwerk, schöpferische Leistung im Sinne des Urheberrechts, Teil einer Orgel, Fabrik u.a.).
Aus dem klassischen Werkdruck im Buchhochdruckverfahren der Offizinen entwickelte sich im 17. Jahrhundert mit der Erfindung der Zeitung 2) der »Zeitungsdruck« und der »Akzidenzdruck«. Im Zuge der Industrialisierung wird seit dem frühen 19. Jahrhundert folglich zwischen Werkdruck, 3) Zeitungsdruck 4) und Akzidenzdruck 5) unterschieden.
In der Typografie sind in diesem Kontext auch die Bezeichnungen »Werksatz«, »Werkschriften« beziehungsweise »Werksatzschriften« 6) sowie »Werkdruckpapier« 7) und »Werkumfangsberechnung« zu verstehen.
Im Werkdruck kommen heute je nach Auflagenhöhe und Qualitätsanspruch unterschiedliche Druckverfahren zum Einsatz. Für mittlere Auflagen ist der Bogenoffsetdruck das Standardverfahren, bei sehr hohen Auflagen wird der Rollenoffsetdruck eingesetzt. Kleinstauflagen, etwa im Print-on-Demand, werden überwiegend im Digitaldruck gefertigt, was jedoch – im Vergleich zum Offsetdruck – qualitative Abstriche mit sich bringt.
Der klassische Buchhochdruck (Bleisatz) wird heute nur noch aus Liebhaberei praktiziert. Der Tiefdruck findet selten Anwendung, beispielsweise bei extrem hohen Auflagen polychromer Bildbände mit höchsten Qualitätsanforderungen.
Der Begriff »Werk« ist bis heute in der Buchgestaltung, insbesondere unter Buchliebhaber:innen (Bibliophilie), gebräuchlich, etwa in Ausdrücken wie »Gesamtwerk« oder »Erstdruck eines Werkes«.
© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:[+]
| ↑1 | Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8. |
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| ↑2 | Anmerkung: Die erste regelmäßige Tageszeitung der Welt – die »Einkommenden Zeitungen« des Typografen, Buchdruckers und Buchhändlers Timotheus Ritzsch (1614–1678) – erschien am 1.7.1650 in Leipzig (Sachsen). |
| ↑3 | Anmerkung: Werkdruck bezeichnet in der Regel langlebige, umfangreiche Publikationen mit überwiegend kontinuierlichem Text. Typisch sind lange zusammenhängende Fließtexte, ein ruhiger Satzspiegel und eine auf Lesbarkeit optimierte Typografie. Für den Werkdruck werden häufig Werksatzschriften mit Serifen – idealerweise in der Typometrie von Französischen Renaissance-Antiquas oder Vorklassizistische Antiquas – eingesetzt, also Textschriften, die speziell für längere Lesestrecken geeignet sind, mit moderatem Strichkontrast, ausgewogenen Proportionen und differenzierten Zeichenformen. |
| ↑4 | Anmerkung: Zeitungsdruck umfasst periodische Presseerzeugnisse mit hoher Produktionsgeschwindigkeit und meist geringerer Papierqualität. |
| ↑5 | Anmerkung: Akzidenzdruck ist auf kurzlebige oder auftragsbezogene Drucksachen wie Formulare, Geschäftsdrucksachen, Plakate oder Veranstaltungsprogramme bezogen. |
| ↑6 | Anmerkung: Werksatzschriften sind auf Lesbarkeit optimierte Schriftfamilien, die im Werkdruck eingesetzt werden. |
| ↑7 | Anmerkung: Werkdruckpapier ist ein ungestrichenes, voluminöses Papier mit hoher Opazität und matter Oberfläche, das für umfangreiche Textpublikationen besonders geeignet ist. |