Blindmaterial

»Blindmaterial« ist ein typografischer Fachausdruck aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz dspr. Schriftsetzer, Schriftgießer und Drucker aus der Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung), Holz (z.B. aus Birnenholz) oder Kunststoff (z.B. aus Kunstharz) für die nichtdruckenden Teile einer Druckform im Hochdruck; nichtdruckendes, nicht schrifthohes Satzmaterial zum Ausfüllen von Leerräumen, z.B. im Bleisatz; blindes Satzmaterial; Blindsatzmaterial.

Je nach Verwendungszweck und Größe wird das Blindmaterial in Ausschluss, Durchschuss, Quadrate und Stege unterteilt. 1)

In Sortierkästen abgelegtes Blindsatzmaterial, Offizin Haag Drugulin, Dresden, 2013. Foto: Commons Wikimedia, gemeinfrei.
In Sortierkästen abgelegtes Blindsatzmaterial, Offizin Haag Drugulin, Dresden, 2013. Foto: Commons Wikimedia, gemeinfrei.

Zum blinden Satzmaterial zählen: 2)

Blindmaterial gibt es in unterschiedlichen Größen, Längen und Sortierungen, teils genormt. Größen und Längen werden auch mit Mittelnamen (z.B. 48 dpt = 4 Cicero ≙ Konkordanz) bezeichnet. Hergestellt wurde Blindmaterial von Schriftgießereien bzw. bei großen Offizinen in der eigenen Abteilung für Schriftguss. 3)  4)  5)  6)

Das Einsortieren bzw. das Zurücklegen von Drucktypen (Lettern) und Blindmaterial nach dem Auflagendruck in einen Setzkasten oder einen speziellen Sortierkasten wurde als Ablegen bezeichnet.

Wenn Blindmaterial in der Druckform beim Drucken nach oben hin verrutscht (Steigen) und mitgedruckt wird, bezeichnet man das als »Spieß(e)« (abdruckender Ausschluss). Mögliche Ursachen sind eine ungenügend geschlossene Form oder eine neue, glatte Druckschrift.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Quelle und Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Seite 204, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3-85584-010-5.
2 Quelle und Literaturempfehlung: Renner, Paul: Die Kunst der Typografie, Verlag Frenzel & Engelbrecher, Berlin, Nachdruck im Maro Verlag, Augsburg, 2003, ISBN 3-87512-414-6.
3 Museumsempfehlung: Gutenberg-Museum, Liebfrauenplatz 5, 55116 Mainz, Informationen online unter https://www.mainz.de/microsite/gutenberg-museum/splash-page.php verfügbar (1.6.2022).
4 Museumsempfehlung: Stiftung Werkstattmuseum für Druckkunst Leipzig, Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig, Informationen online unter https://www.druckkunst-museum.de verfügbar (1.6.2022).
5 Museumsempfehlung: Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Abteilung Schriftguss, Satz und Druckverfahren, Kirschenallee 88, 64293 Darmstadt, Informationen online unter https://www.hlmd.de/museum/aussenstellen/abteilung-schriftguss-satz-und-druckverfahren.html verfügbar (1.6.2022).
6 Museumsempfehlung: Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg, Informationen online unter https://shmh.de/ verfügbar (1.6.2022). Das Museum der Arbeit beherbergt in der Abteilung Grafisches Gewerbe die wohl einzige noch funktionierende Holzletternwerkstatt, die so genannte »Holzlettern Manufaktur«. Dort wird auch der Nachlass (Maschinen und Schablonen) der Firma Gerdi Schriften aufbewahrt.