Leerraumzeichen

Unter einem Leerraumzeichen wird in der Typografie ein Leerzeichen mit invariabler Breite verstanden, das durch ein einmaliges Tippen der Leerschritttaste (Leertaste) einer Schreibmaschine, Typensetzmaschine, Zeilensetzmaschine oder Computertastatur generiert wird. Auch als »Leerzeichen«, »Leerschritt« oder »Leerschlag« bezeichnet. Eng. »Space«.

Mit einem Leerraumzeichen werden Buchstaben lateinischen Ursprungs zu Wörtern bzw. zu Römischen Zahlen und Arabische Ziffern zu Zahlen geformt. Durch die Breite eines Leerraumzeichens in der Normalschriftweite wird der natürliche Wortabstand bzw. der nicht bedruckte Leerraum zwischen zwei Schriftzeichen definiert.

Eine Norm, wie breit ein Leerraumzeichen zu sein hat, existiert nicht. Leerraumzeichen sind von Schrift zu Schrift sehr unterschiedlich, wobei in der analogen Schriftgestaltung von physischen Drucktypen je nach Schriftart und Epoche ein Drittel- bis Viertelgeviert als Bezugsgröße diente. 

Tastaturbelegung und Zeichencodierung

Das Leerraumzeichen wird durch die Leerschritttaste auf einer Computer- oder Schreibmaschinentastatur erzeugt. Die Leerschritttaste ist die breiteste Taste auf einem Tastatureingabegerät. Sie befindet sich mittig in der untersten Tastenreihe und hat keinen Aufdruck. 

Im ASCII (American Standard Code for Information Interchange) hat das Leerraumzeichen den Binärcode »0100000« und im Unicode® seit Juni 1993 den Code »U+0020« (Space SP). Der NBSP-Tag (No-Break SPace) in HTML für ein geschütztes Leerraumzeichen lautet » «, für ein normales Leerraumzeichen reicht ein Tippen auf die Leerschritttaste.

Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) zählt das Leerraumzeichen – wie auch das Leerraumgeviert resp. alle Leerraumteilgevierte – zum »Blindmaterial«.

Leerraumzeichen vs. Leerraumgeviert

Im Gegensatz zur alltäglichen Textverarbeitung, z.B. in der Bürokommunikation mit Microsoft Word® oder Pages von Apple®, HTML-Texten (Hyper Text Markup Language) oder mit einer Schreibmaschine, wird im mikrotypografischen Feinsatz mittels professioneller Desktop Publishing Software, z.B. InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, immer zwischen einem »Leerraumzeichen« und einem »Leerraumgeviert« resp. »Leerraumteilgeviert« unterschieden. Das Leerraumzeichen hat im geschlossenen Schriftsatz in der Normalschriftweite (NSW) immer die gleiche Breite, während ein Leerraum- bzw. Leerraumteilgeviert in Folge unterschiedlich breit sein kann.

Im mikrotypografischen Feinsatz werden die Leerräume, z.B. zwischen einer Zahl und einem Prozentzeichen, nicht durch ein Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste), sondern mit Leeraum-Teilgevierten gesetzt. In der »normalen« Textverarbeitung, z.B. im Rahmen der Bürokommunikation, sind diese Feinheiten nicht nötig.
Im mikrotypografischen Feinsatz werden die Leerräume, z.B. zwischen einer Zahl und einem Prozentzeichen, nicht durch ein Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste), sondern mit Leerraum-Teilgevierten gesetzt. In der »normalen« Textverarbeitung, z.B. im Rahmen der Bürokommunikation, sind diese Feinheiten nicht nötig.

Zeilenbasierte Leerräume in einem fortlaufenden Text werden in der Mikrotypografie in der relativen Maßeinheit »Geviert« (em) gemessen. Ein Leerraum kann beispielsweise aus den Leerraumteilgevierten 1/24-Geviert, Sechstelgeviert, Achtelgeviert, Viertelgeviert, Drittelgeviert, Halbgeviert oder einem 1/1-Leerraumgeviert bestehen.

Im mikrotypografischen Feinsatz gilt die Regel:

Leerraumzeichen = 1 x Leerschritttaste
Leerzeichen = Leerraumgeviert resp. Leerraumteilgeviert

Im mikrotypografischen Feinsatz werden Leerraumzeichen nur für Wortzwischenräume, beim Sperren (z.B. Sperrsatz einer Fraktur) und beim Gliedern von dicktengleichen Ziffern (Tabellenziffern) verwendet.

Leerraum- bzw. Leerraumteilgevierte werden im Werksatz als Interpunktionsleerraumzeichen (z.B. für den Abstand eines Schriftzeichens zu einem Interpunktionszeichen) und Ziffernleerraumzeichen (z.B. für das Gliedern von dicktenindividuellen Arabischen Ziffern im Tabellensatz) verwendet oder um numerische und alphanumerische Angaben von Werten, Gewichten, Maßen, Formeln und Kommunikationsadressen (siehe Gliederung von Wert-, Gewichts-, Maß-, Zeit- und Telekommunikationsangaben) zur besseren Lesbarkeit zu gliedern.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de