Prozentzeichen (%)

Das Prozentzeichen (%) ist ein kaufmännisches bzw. mathematisches Sonderzeichen, das in der Typografie zu den Ligaturen, explizit zu den Kaufmannsligaturen (Ligatura mercatoris) zählt. Das Prozentzeichen steht für »per cento« bzw. für »von hundert«.

Eine Prozentangabe ermöglicht zahlenmäßige Werte miteinander zu vergleichen. Als Vergleichszahl dient immer die Zahl 100, was 100 Hundertsteln bzw. 100 %, also dem Ganzen entspricht.

Im Sinne der Typografie ist das Prozentzeichen (%) eine kaufmännische Ligatur für »per cento«, »pro centum« oder »pro Hundert«. Sie wird nur in Verbindung mit Arabischen Ziffern verwendet.
Im Sinne der Typografie ist das Prozentzeichen (%) eine kaufmännische Ligatur für »per cento«, »pro centum« oder »pro Hundert«. Sie wird nur in Verbindung mit Arabischen Ziffern verwendet.

In der Informatik wird das Prozentzeichen auch stellvertretend verwendet, beispielsweise als Platzhalter, 1) als Operator (z.B. int rest = 21 % 3; // 0) oder als Systemvariable (z.B. %systemroot%). 

In der Typografie – egal ob im laufenden Schriftsatz oder im Formelsatz – wird das Prozentzeichen nur in Verbindung mit Indo-Arabischen Ziffern verwendet, niemals als alleinige Abkürzung für das Substantiv »Prozent«. Bei Zeilenumbrüchen sollte die Zahl und das korrespondierende Prozentzeichen nicht getrennt werden, was beispielsweise bei Desktop Publishing Software (DTP) durch ein »Geschützes Leerzeichen« verhindert werden kann. 2) 

Schreibweisen des Prozentzeichens

Grundsätzlich wird zwischen der Schreibweise in der alltäglichen Textverarbeitung, z.B. in der Bürokommunikation mit Microsoft Word® oder Pages von Apple®, HTML-Texten oder mit einer Schreibmaschine, und der Schreibweise im mikrotypografischen Feinsatz mittels professioneller Desktop Publishing Software, z.B. InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, unterschieden.

Prozentzeichen mit oder ohne Leerzeichen?

In der alltäglichen Textverarbeitung sowie im dicktengleichen deutschen Schriftsatz mit Monospaced Fonts gilt grundsätzlich die Regel: 

Zwischen Zahl und Prozentzeichen wird immer ein Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste) gesetzt!

So beschreibt es beispielsweise auch die DIN 5008 »Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung« des Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) 3) oder der Bundeskanzlei der Schweizerischen Eidgenossenschaft in »Schreibweisungen – Weisungen der Bundeskanzlei zur Schreibung und zu Formulierungen in den deutschsprachigen amtlichen Texten des Bundes«. 4) In der Schweiz wird allerdings vom Gebrauch eines Leerzeichens zwischen Zahl und Ligatur sehr willkürlich Gebrauch gemacht.

Für Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und für die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und Luxemburgs ist der »Rat für deutsche Rechtschreibung« die zentrale Instanz in Fragen der Rechtschreibung. 5) Nachfolgende Regeln korrespondieren mit dem amtlichen Regelwerk des Rates 2016 (redigiert 2018). 6) Für das vom Prozentzeichen (%) abgeleitete Promillezeichen (‰) und Pro-Zehntausend-Zeichen (‱) gelten die gleichen Regeln. 

Schreibweise einer Zahl mit Prozentzeichen:

50 %
50 % Anteil

Schreibweisen im fortlaufenden Text mit Ligatur:

Ein 50%iger Anteil
Die 5%-Hürde
Die 2%-Obligationen

Alternative Schreibweisen im fortlaufenden Text ohne Ligatur:

Ein fünfzigprozentiger Anteil
Ein 50-prozentiger Anteil
Die Fünf-Prozent-Hürde
100-prozentig

Bei Schreibmaschinen, Textverarbeitungssystemen oder Computerterminals, die beispielsweise nicht über eine genormte Tastatur, z.B. über die Tastaturbelegung 1 der DIN 2137:2012-06 und somit über kein Prozentzeichen verfügen, kann »per cento«, »pro centum« oder »pro Hundert« mit Minuskel abgekürzt werden:

50 o/o 
50 v.H.
50 vH.

Prozentzeichen und Bruchziffern, z.B. »50 ½ % Anteile«, sollten nicht ohne oder mit Divis gekoppelt, sondern der Wert der Bruchziffern in Ziffern nach dem Komma umgewandelt werden.

50,5 % Anteile

Prozentangaben mit Römischen Zahlen und Prozentzeichen sind nicht üblich. In Ausnahmefällen wird bei Römischen Zahlenzeichen die Ligatur ausgeschrieben:

XXII Prozent

 

Mikrotypografischer Feinsatz

Im mikrotypografischen Feinsatz gilt grundsätzlich, dass nicht mit einem festen Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste) gegliedert wird, sondern dass der Leerraum vom und zum nächsten Zeichen mittels der relativen Maßeinheit »Geviert« (em), beispielsweise in Form eines 1/24-Geviert, Sechstelgevierts, Achtelgevierts, Viertelgevierts, Drittelgevierts, Halbgeviert oder einem 1/1-Geviert, generiert wird.

In professioneller Desktop Publishing Software gibt es dafür rund ein halbes Dutzend bereits abgestimmter Leerraumgevierte nebst spezieller Ziffernleerzeichen oder Interpunktionsleerzeichen, die einfach über ein Menü oder eine Tastenkombinationen eingefügt werden können. Zudem kann ein Leerraum durch Spationieren und Unterschneiden noch individuell ausgemittelt werden, was insbesondere im Akzidenzsatz oder bei Headlines sinnvoll sein kann.

Welches Teilgeviert das Richtige ist, ist abhängig

Sinn und Zweck dieser mikrotypografischen Verfahrensweise ist es, einen ästhetisch optimalen Zeichenabstand zwischen Zahl und Ligatur zu formen, der nicht zu eng (keine Kontamination), aber auch nicht zu weit (kein Loch – kein Gießbach) ist und der harmonisch mit dem Zeichenabstand vor der Zahl und dem Leerraum nach dem Prozentzeichen korrespondiert – also schlussendlich die Schriftsatzästhetik und den Leseprozess (siehe auch Lesbarkeit) optimiert. 

Im mikrotypografischen Feinsatz werden die Leerräume zwischen Zahl und Prozentzeichen nicht durch ein Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste), sondern mit Leeraumteilgevierten gesetzt. In der »normalen« Textverarbeitung, z.B. im Rahmen der Bürokommunikation, sind diese Feinheiten nicht nötig. Hier gilt die einfache Regel: Zwischen Zahl und Prozentzeichen wird immer ein Leerraumzeichen gesetzt!
Im mikrotypografischen Feinsatz werden die Leerräume zwischen Zahl und Prozentzeichen nicht durch ein Leerraumzeichen (1 x Leerschritttaste), sondern mit Leeraumteilgevierten gesetzt. In der »normalen« Textverarbeitung, z.B. im Rahmen der Bürokommunikation, sind diese Feinheiten nicht nötig. Hier gilt die einfache Regel: Zwischen Zahl und Prozentzeichen wird immer ein Leerraumzeichen gesetzt!

Bei OpenType Fonts gibt es heute unterschiedliche Glyphen von %-, ‰- und ‱-Ligaturen, die vereinzelt auch über eine optimierte Vorbreite zur vorangestellten Zahl verfügen und somit nicht gegliedert werden müssen.

Historie

Etymologisch rührt das Substantiv »Prozent« von lat. »pro« und »centum« zu ital. »per« und »cento« zu »per cento« zu dt. »von hundert«. Abgekürzt wurde »per cento« mit der handschriftlichen Abbreviatur »cto«, die ab dem frühen 15. Jahrhundert mit dem Entstehen der ersten Banken in Florenz und Siena in Italien und mit der Etablierung der Arabischen Ziffern auch außerhalb von Gelehrtenkreisen peu à peu gebräuchlich wurde. 

Im Zuge der Prosperität der Typografie entstand dann aus der handschriftlichen Abbreviatur die typografische Ligatur in ihrer heutigen Formgebung. Aus dem »c« entstand der obere linke Kreis, aus dem »t« der Schrägstrich und dem »o« der untere rechte Kreis des %-Zeichens. 

Drucktypen mit Prozentligatur gehörten allerdings erst mit der allmählich einsetzenden Industrialisierung und Alphabetisierung ab dem 19. Jahrhundert zum normalen Zeichenrepertoire einer Werksatzschrift. Wer als erster eine Drucktype mit dieser Ligatur hergestellt hat, ist nicht belegt. 

Tastaturbelegung

Das Prozentzeichen (%) ist in der Regel auf allen Tastaturen und in allen Schriften vorhanden. Promillezeichen (‰) und Pro-Zehntausend-Zeichen (‱) müssen mit Tastenkombinationen, per »Drag and Drop« oder einer Glyphentastatur getippt bzw. in den Text einkopiert werden, insofern die verwendete Schrift überhaupt über diese Ligaturen verfügt. Insbesondere das ‱-Zeichen ist oft nicht im Zeichenumfang vorhanden. 

PC-Tastaturbelegung und Codes:

Satzzeichen macOSWindowsUnicodeHTML-Code
%shift+5shift+5U+0025%
[Alt]+Shift+E[Alt]+0137 (Ziffernblock)
[Fn]+[Alt]+0137 (Laptop)
U+2030‰
  U+2031‱

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Beispielsweise wurde das Prozentzeichen bei der autoptischen Katalogisierung Alter Drucke, z.B. von Inkunabeln, für sämtliche Zeichen des griechischen Alphabets als Platzhalter verwendet, die vor Unicode nicht darstellbar waren.
2.Anmerkung: Zeilenumbrüche bei HTML-Texten, die Zahl und Prozentzeichen trennen, sind in der Regel nicht vermeidbar, außer es werden im Rahmen der Softwareprogrammierung u.a. HTML-Elemente oder CSS-Eigenschaften verändert, was allerdings nur Programmierer oder Nerds beherrschen.
3.Quelle: Deutsches Institut für Normung e.V. (DIN), Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin. Weiterführende Informationen online unter https://www.din.de/de (21.4.2019).
4.Quelle: Schweizerische Bundeskanzlei, 3003 Bern, 2. aktualisierte Auflage 2013. Vertrieb über BBL, Verkauf Bundespublikationen, 3003 Bern, online als PDF abrufbar unter https://www.bundespublikationen.admin.ch (18.4.2019).
5.Anmerkung: Weiterführende Informationen zum Rat für deutsche Rechtschreibung online verfügbar unter http://www.rechtschreibrat.com (18.4.2019).
6.Quelle: Deutsche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis, Aktualisierte Fassung des amtlichen Regelwerks entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2016, Mannheim 2018, online als PDF verfügbar unter http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Regeln_2016_redigiert_2018.pdf (19.4.2019).