Majuskelziffern

Typographischer Terminus für die Indo-Arabische Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 0 ohne variierende Oberlängen und Unterlängen im Zweiliniensystem, die im typometrischen Hauptschriftliniensystem von der Grundlinie bis zur H-Linie (Majuskelhöhe) reichen.

Vergleich von Majuskelziffern (Versalziffern) im Zweiliniensystem mit Oberlängen und Mittellängen (links) mit Minuskelziffern (Mediävalziffern) im Vierliniensystem mit Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen (rechts). Beispiel gesetzt in der »Celeste Regular« und »Celeste Caps« von Christopher Burke.
Vergleich von Majuskelziffern (Versalziffern) im Zweiliniensystem mit Oberlängen und Mittellängen (links) mit Minuskelziffern (Mediävalziffern) im Vierliniensystem mit Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen (rechts). Beispiel gesetzt in der »Celeste Regular« und »Celeste Caps« von Christopher Burke.

Etymologisch aus »Majuskel« vom mlat. »maiuscula« (litera) zu lat. »maiusculus« für »etwas größer« zu lat. »maior, maius« für »größer« und »Ziffer« für arab. »as-sifr«, mlat. »cifra« oder »cephirum«, sphd. »zif(f)er«. Auch als Versalziffern (siehe Versalien) bezeichnet. 1 )

Majuskelziffern als physische Drucktypen (z.B. im Bleisatz) wurden sowohl in der Schriftgattung der Gebrochenen Schriften als auch bei Antiquas Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Prosperität von Akzidenzdrucksachen aus den Mediävalziffern entwickelt. Traditionell wurden in der AntiquaTypographie (z.B. Englischen Typographie) bei Buch- und Zeitungsschriften sowie bei Kapitälchen primär Minuskelziffern, bei Akzidenzschriften und im Titelsatz mehrheitlich Majuskelziffern verwendet. Mutmaßlich wurden in der Deutschen Typographie (Fraktur) mit Beginn des 19. Jahrhunderts – auch in der Buchtypographie – überwiegend Majuskelziffern genutzt. 

Majuskelziffern gibt es in allen erdenklichen Schriftbreiten, Strichstärken und Schriftlagen, mit und ohne Serifen, als Proportionalziffern (siehe Proportionalschrift) und Tabellenziffern (siehe auch dicktengleich) sowie in Form von Bruchziffern. 2 ) 3 ) 4 )

Majuskelziffern (Versalziffern) im Zweiliniensystem mit Oberlängen und Mittellängen mit und ohne Serifen. Gesetzt in unterschiedlichen Schriftschnitten, Schriftlagen, Schriftstärken und Dickten.
Majuskelziffern (Versalziffern) im Zweiliniensystem mit Oberlängen und Mittellängen mit und ohne Serifen. Gesetzt in unterschiedlichen Schriftschnitten, Schriftlagen, Schriftstärken und Dickten.

Ob im Zeichenvorrat eines Schriftschnitts Majuskelziffern oder Mediävalziffern – oder gar beide – enthalten sind, dafür gibt es heute keine festen Regularien. Bei OpenType Fonts können unterschiedliche Ziffernvarianten als Glyphen hinterlegt sein. 

Thesen zu Majuselziffern (Versalziffern)

  • Majuskelziffern eignen sich optimal für den Mathematischen Formelsatz sowie den Tabellensatz, idealerweise in Form von Tabellenziffern, da sie einheitlich auf der Grundlinie stehen und auch bei größeren Satzspaltenabständen, z.B. in einer Bilanz oder GuV-Rechnung, eine ruhige, nicht flatterhafte Linie für das Lesen (siehe Fixationen) einer Zahlenreihe bieten. 
  • Bei Verlags-, Zeitungs- und Buchschriften bzw. im Mengensatz (Werksatz) sollten im geschlossenen Schriftsatz grundsätzlich keine Majuskelziffern, sondern ausschließlich Mediävalziffern verwendet werden, da diese sich aufgrund ihrer wechselnden Ober- und Unterlängen ästhetischer in einen Fließtext einfügen und somit den Leserhythmus nicht unnötig stören.
  • Bei buchähnlichen Publikationen, z.B. Geschäftsberichten oder Produktkatalogen, sollten sowohl Majuskelziffern als auch Minuskelziffern verwendet werden, wobei die Mediävalziffern im Fließtext, die Minuskelziffern (bestenfalls als Tabellenziffern) in Zahlentabellen bzw. Zahlenreihen verwendet werden.
  • Im Antiqua-Schriftsatz mit Kapitälchen werden aus ästhetischen Gründen traditionsgemäß keine Majuskelziffern, sondern Mediävalziffern verwendet.
  • Bei primären Systemschriften sind Majuskelziffern die Regel. Bei sekundären Systemschriften gilt das gleiche, wobei es hier einige wenige Ausnahmen gibt, beispielsweise die »Georgia« von Matthew Carter, die Mediävalziffern enthält. 
  • Wer in HTML-Fließtexten Majuskelziffern vermeiden möchte, muss Webfonts einbinden.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Die häufig verwendete Bezeichnung »Normalziffer« für eine Majuskel- bzw. Versalziffer ist de facto inkorrekt.
2.Literaturempfehlung: Menninger, Karl: Zahlwort und Ziffer. Eine Kulturgeschichte der Zahl. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1979.
3.Literaturempfehlung: Naumann, Friedrich: Vom Abakus zum Internet, Die Geschichte der Informatik, Primus Verlag 2001, ISBN 3-89678-224-X.
4.Literaturempfehlung: Cajori,Florian : A History of Mathematical Notations. Dover Publ., New York 1993.