Splendid

1. Splendid bei Zeilenabständen

Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer aus der Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung), Holz (z.B. aus Birnenholz) oder Kunststoff (z.B. aus Kunstharz) für einen sehr weiten Zeilenabstand (ZAB), bei dem das »Durchschießen« aus der Kegelhöhe (siehe Schriftkegel) plus dem »Einraffen« von Blindmaterial bzw. Füllstücken, z.B. Regletten, erfolgt. Auch als »Stark durchschossener Satz« oder »Splendider Satz« bezeichnet.

Etymologisch leitet sich das Adjektiv »splendid« vom lat. »splendidus« für »ansehnlich, glänzend, herrlich« zu lat. »splendere« für »glänzen, strahlen« ab. In der deutschen Sprache primär als Synonym für »prächtig«, »freigebig« und »großzügig« verwendet.

In der digitalen Typografie bzw. im DTP Desktop Publishing wird der Terminus »Splendid« für einen sehr weiten Zeilenabstand verwendet, der etwas bis signifikant großzügiger ist, als der durchschossene Zeilenabstand, also der normale ZAB.

Wie beim Zeilendurchschuss, wird das Proportionieren des Zeilenabstands (ZAB) eines glatten Satzes auch heute noch als »Durchschießen«, ein normaler ZAB als »Durchschossen«, ein enger ZAB als »Kompress« und ein großzügiger ZAB als »Splendid« bezeichnet. Als Faustregel für einen durchschossenen ZAB gilt: Der optimale Durchschuss hat mindestens die Majuskelhöhe, bestenfalls die hp-Höhe des verwendeten Schriftgrades.
Wie beim Zeilendurchschuss, wird das Proportionieren des Zeilenabstands (ZAB) eines glatten Satzes auch heute noch als »Durchschießen«, ein normaler ZAB als »Durchschossen«, ein enger ZAB als »Kompress« und ein großzügiger ZAB als »Splendid« bezeichnet.

Der Zeilenabstand beeinflusst den Grauwert und somit die Lesbarkeit eines Schriftsatzes. Ab wann ein splendider Zeilenabstand – im Sinne der Lesetypografie – zu weit gerät und somit die Lesbarkeit beeinträchtigt, hängt von der verwendeten Schriftart, dem Trägermaterial, der Farbe bzw. dem Layout ab. Die Wahl des geeigneten Zeilendurchschusses gehört in das Segment der Mikrotypografie.

2. Splendider Satz

In der Typografie wird ganz allgemein ein offenes, großzügiges und geräumiges Layout bzw. ein Buchsatzspiegel oder ein Gestaltungsraster mit weiten Zeilenabständen und viel unbedruckter Fläche (z.B. breite Bund-, Kopf-, Fuß- und Außenstege), als »Splendider Satz«, »Splendider Satzspiegel« oder »Splendides Layout« bezeichnet. 

Der Typograf und Schriftgestalter Paul Renner (1878–1956) beschreibt 1940 den Splendidsatz wie folgt: 1 )

(…) stark durchschossener Satz, aber auch ganz allgemein das, was der Laie Papierverschwendung nennt, also auch besonders breite Papierränder, Anfangskolumnen mit reichlichem Vorschlag und dergleichen.

Die splendide Gestaltung eines Buches ist keine Erfindung der Typografie. Sie wurde bereits in der frühgotischen Kalligraphie angewandt, beispielsweise in Form des Villardschen Teilungskanons bei Folianten.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: Renner, Paul: Die Kunst der Typografie, Verlag Frenzel & Engelbrecher, Berlin 1940, Seite 267.