Schaugrößen

Typografische Typifikation für Schriftgrade von Textschriften mit oder ohne Serifen, die in gewerblichen Druckverfahren (z.B. Hauptdruckverfahren nach DIN 16500) in der Regel für Haupttitel, Schmutztitel, Headlines, Buchumschläge sowie für Publikationen im »Großdruck« verwendet werden; Schriftgradzuordnung von Druckschriften für Leseabstände im Nahbereich.

Die Zuordnung von Schriftgraden in »Schaugrößen« stammt aus der traditionellen Buch- und Zeitungstypografie und ist systemimmanent (siehe Schriftgrad). Für Screen Fonts, z.B. Systemschriften oder Webfonts, ist eine derartige Schriftgradzuordnung ungeeignet.

Im DTP Desktop Publishing wird der Schriftgrad einer Textschrift mit oder ohne Serifen als »Schaugröße« bezeichnet, wenn dieser zwischen 14 pt (= 4,9 mm hp-Vertikalhöhe gerundet) und 24 pt (= 8,5 mm hp-Vertikalhöhe gerundet) PostScript-Punkten (DTP-Punkt) beträgt. 1 )

Im Schriftsatz mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung), Holz (z.B. aus Birnenholz) oder Kunststoff (z.B. aus Kunstharz) zählen die Kegelgrößen von Werksatzschriften zwischen 14 dpt (= 5,3 mm hp-Vertikalhöhe gerundet) bis 36 dpt (= 13,5 mm hp-Vertikalhöhe gerundet) Didot-Punkten, also von »Mittel« bis »3 Cicero« bzw. »Kanon« (siehe Mitteltabelle), zu den Schaugrößen. 2 )

Schriftgrade bei Textschriften, die kleiner als Schaugrößen sind, werden als Lesegrößen und Konsultationsgrößen, darüber hinaus als Ferngrößen, Plakatgrößen oder Displaygrößen bezeichnet.

Bei qualitativ gut ausgebauten Schriftfamilien, z.B. der Minion Pro von Robert Slimbach (*1956), gibt es für Schaugrößen eine spezielle Optische Größe, die als »Subhead« bezeichnet wird und die in ihrer Typometrie für diese Schriftgradzuordnung optimiert ist. 3 )

Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.
Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.

Die Evaluierung von Schriftgraden gehört sowohl in die Makrotypografie als auch in die Mikrotypografie. 4 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Schriftsatzprogramme messen in unterschiedlichen typografischen Punktsystemen. Beispielsweise bietet Adobe InDesign CC® in den Voreinstellungen die Wahl zwischen »PostScript« (72 pt/Zoll) und »Traditionell« (72,27 pt/Zoll).
2.Anmerkung: Ähnlich verhält es sich im Optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz).
3.Anmerkung: Je nach Font Foundry kommt es bei Optischen Größen zu geringen Abweichungen in der Schriftgradzuordnung.
4.Anmerkung: Im Segment der Makrotypografie wird der Schriftgrad »relativ«, also ungefähr festgelegt. Beispielsweise eine Bodoni in 4 mm (= 11,339 Adobe-PostScript-Punkte bei 72 pt/Zoll). In der Mikrotypografie wird dann, nachdem eine spezielle Bodoni ausgewählt wurde, der Schriftgrad der jeweiligen Typometrie angepasst und konkretisiert, also beispielsweise eine Bauer Bodoni von Linotype in 4,5 mm (= 12,756 Adobe-PostScript-Punkte bei 72 pt/Zoll).