Genderzeichen

Unter »Genderzeichen« werden in der Typografie typografische Satzzeichen (Sonderzeichen) bzw. orthografische Satzzeichen (Interpunktionszeichen) verstanden, die im Sinne einer geschlechtergerechten Sprache zwischen männlichen, weiblichen und auch nichtbinären 1)  bzw. diversgeschlechtlichen 2)  Personen in Form einer gendergerechten Schreibweise als Platzhalter in Personenbezeichnungen (z.B. Ingenieur:in) dienen.

Aus typografischer Sicht eignet sich zurzeit der »Gender-Doppelpunkt« vermutlich am besten als Genderzeichen. Er steht für alle Geschlechter (m/w/d), stört den Leseprozess unwesentlich und scheint deutlich inklusiver als andere Genderzeichen zu sein.
Aus typografischer Sicht eignet sich zurzeit der »Gender-Doppelpunkt« vermutlich am besten als Genderzeichen. Er steht für alle Geschlechter (m/w/d), stört den Leseprozess unwesentlich und scheint deutlich inklusiver als andere Genderzeichen zu sein.

Genderzeichen stehen seit ungefähr den 2000er Jahren für eine geschlechtsneutrale Verwendung maskuliner Substantive oder Pronomen. Sie sind (buchstäblich) ein Symbol für die Ablehnung des generischen Maskulinums, welches aus heutiger Sicht mehr oder weniger eine anachronistische Schreibweise in Sprache und Schrift – beruhend auf einem von Männern dominierten sozialen System – repräsentiert.

Satztechnisch sind Genderzeichen verkürzte Schreibweisen in Headlines, Copies und Fließtexten, um weibliche, männliche und diverse Paar- bzw. Trisetformen zu verkürzen und um Konjunktionen zu vermeiden, beispielsweise »Ingenieur:in« anstatt »Ingenieur und Ingenieurin«.

Zu den gebräuchlichsten Genderzeichen zählen beispielsweise Binnen-I (z.B. IngenieurIn), Doppelpunkt (z.B. Ingenieur:in), Parenthesen (z.B. Ingenieur[in]), Schrägstrich (z.B. Ingenieur/in), Sternchen (z.B. Ingenieur*in), Trema-ï (z.B. Ingenieurïn) und Unterstrich (z.B. Ingenieur_in).

Zu den im dspr. Raum gebräuchlichen Genderzeichen zählen z.B. die verkürzten Paarformen (m/w) Binnen-I, Parenthesen und Schrägstrich (Zeile 1–3) sowie die verkürzten Trisetformen (m/w/d) Doppelpunkt, Sternchen, Trema-ï und Unterstrich (Zeile 4–7).
Zu den im dspr. Raum gebräuchlichen Genderzeichen zählen z.B. die verkürzten Paarformen (m/w) Binnen-I, Parenthesen und Schrägstrich (Zeile 1–3) sowie die verkürzten Trisetformen (m/w/d) Doppelpunkt, Sternchen, Trema-ï und Unterstrich (Zeile 4–7).

Gendergerechte Schreibweise

Grundsätzlich gilt in der Typografie, dass Abkürzungen – abgesehen von Nachschlagewerken wie beispielsweise Lexika oder Wörterbücher – in Headlines, Copies und Fließtexten nicht verwendet werden sollten. Eine typografische Faustregel lautet: Wer Platz und Zeit hat, sollte niemals abkürzen. So gesehen, dürften grammatikalisch neutrale Bezeichnungen und Formulierungen sicherlich die beste Form einer geschlechtergerechten Sprache/Schrift sein, allerdings auch die komplizierteste.

Beispiel gendergerechte Schreibweise:
Sehr geehrte Lehrer/innen > Sehr geehrte Lehrende
die Mitarbeit der Studenten/innen > die studentische Mitarbeit

Beidnennung

Die sogenannte »Beidnennung« ist die vollständige Paarform im Singular und Plural für das männliche und weibliche Geschlecht. Typografisch betrachtet, stellt sie die unter den Paarformen (m/w) die bestmögliche Form im Sinne der Lesbarkeit dar. Dabei wird traditionell die weibliche Form immer zuerst genannt, was auch bei den abgekürzten Paarformen gilt. 3)

Beispiel Beidnennung:
Ingenieurin und Ingenieur
Ingenieurinnen und Ingenieure

Problematik der Beidnennung

2017 wurde vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe neben weiblich und männlich das dritte Geschlecht »divers« anerkannt. 4)  In seinem Beschluss manifestiert das höchste deutsche Gericht, dass Persönlichkeits- und Gleichheitsrechte verletzt werden, wenn inter- oder transsexuelle Menschen keine Möglichkeit haben, ihre biologische Identität in anderer Form als weiblich bzw. männlich bei Behörden zu registrieren. Infolge können ab dem 22.12.2018 Personen ihre sexuelle Identität neben männlich und weiblich auch als divers bei den Behörden registrieren lassen. 5)

Beispiel m/w/d:
m/w/d = männlich/weiblich/divers

Mit der offiziellen Einführung des dritten Geschlechts stehen alle klassischen Paarformen zugunsten einer neuen Triplizität auf dem Prüfstand. Welches der nachfolgenden Genderzeichen über eine zufriedenstellende Trisetform verfügt, darüber wird zurzeit leidenschaftlich in unterschiedlichen Disziplinen und Interessengruppen (z.B. in der Sprachwissenschaft, Typografie, in der LGBT bzw. LGBTQ-Community 6)  oder Theologie) nachgedacht und diskutiert.

Verkürzte Paarformen (m/w)

Binnen-I

Das Binnen-I in Form der Majuskel »I« ist geeignet für die verkürzte männliche und weibliche Paarform. Für die verkürzte diverse Form, ist dieses Genderzeichen weniger geeignet. In der Praxis funktioniert diese Variante auch nur bei Schriften mit Serifen (siehe Antiqua). Bei serifenlosen Schriften (siehe Grotesk) ist die Verwechslung mit der Minuskel »l« naheliegend. Für den Majuskelsatz (Versalsatz) ist das Binnen-I nicht geeignet.

Für Blinde und stark Lesebehinderte wird in Sprachausgabeprogrammen, z.B. NonVisual Desktop Access (NVDA®) und Job Access With Speech (Jaws®) bzw. in Desktop-Screenreader, z.B. Android Talkback® oder iOS VoiceOver®, das »I« als »i« gelesen. Hypothese: Für Sehbehinderte, Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus dürfte das Binnen-I vermutlich keine zufriedenstellende Lösung sein.

In der Google®-Suchmaschine wird das Binnen-I buchstabengetreu gelesen und dementsprechend werden in den Suchergebnissen »weibliche« Ergebnisse mit »i« favorisiert (Stichprobe 31.8.2021). In anderen Suchmaschinen, z.B. DuckDuckGo® oder Bing®, wird das »i« mehr oder weniger ignoriert (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Binnen-I muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert die abgekürzte Paarform nicht.

Beispiel Gender-I:
IngenieurIn
IngenieureInnen

Parenthesen ( ) [ ] { }

Parenthesen stehen klassischerweise für die männliche und weibliche Paarform. Runde Klammern sind vermutlich die älteste Genderabkürzung, die weit vor den 2000er Jahren von Aktivisten(innen) verwendet wurde. Vorteil: Parenthesen reißen im Schriftbild keine großen Lücken, die den Leseprozess stören. Nachteil: Werden Parenthesen oft nacheinander wiederholt, stören sie den Lesefluss. Klammern sind definitiv keine Trisetform.

Für Blinde und Lesebehinderte werden in Sprachausgabeprogrammen Parenthesen nicht vorgelesen. Hypothese: Für Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus dürften vereinzelte Parenthesen den Leseprozess nicht wesentlich stören.

Bei Suchmaschinen werden Parenthesen ignoriert und auch nicht in den Suchergebnissen ausgegeben (Stichprobe 31.8.2021).

Bei Parenthesen muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert die abgekürzte Paarform nicht.

Beispiel Gender-Klammer:
Ingenieur(in)
Ingenieure(innen)

Schrägstrich / 

Der Schrägstrich (Slash) ist neben den Parenthesen das älteste Genderzeichen. Er steht klassischerweise primär für die männliche und weibliche Paarform. Nachteil: Diese Proto-Paarform repräsentiert vermutlich nicht das diverse Geschlecht, ist also für ein Symbol der Triplizität (m/w/d) weniger geeignet.

Laut amtlichen Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung wird mit dem Schrägstrich gekennzeichnet, wenn Wörter, Zahlen oder dergleichen zusammengehören. Nach der DIN 5008 steht der Schrägstrich für »und«, »oder«, »beziehungsweise«, »pro« oder »je« sowie für die Zusammenfassung von Zahlen und Wörtern.

Der Schrägstrich ist insbesondere geeignet für die verkürzte männliche und weibliche Paarform. Ob diese Form des Genderzeichens für eine Repräsentation des diversen Geschlechtes stehen kann, wird in der LGBT bzw. LGBTQ-Community (etc.) diskutiert.

Für Blinde und schwer Lesebehinderte kann in Sprachausgabeprogrammen eingestellt werden, ob der Schrägstich mitgelesen oder ignoriert werden soll. Standardmäßig wird er ignoriert. Hypothese: Für Sehbehinderte, Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus könnte der Schrägstrich eine adäquate Lösung, da er kein Leerraum erzeugt.

Bei Suchmaschinen wird der Schrägstrich ignoriert und in der Regel auch nicht in den Suchergebnissen ausgegeben (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Schrägstrich muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert die abgekürzte Paarform nicht.

Beispiel Gender-Slash:
Ingenieur/in
Ingenieure/innen

Verkürzte Trisetformen (m/w/d)

Doppelpunkt : »Gender-Doppelpunkt«

Der sogenannte »Gender-Doppelpunkt« steht für das Spektrum männlich, divers und weiblich. Vorteil: Der Gender-Doppelpunkt stört den Leseprozess unwesentlich, da er sich in das Schriftbild – auch bei häufigen Wiederholungen – harmonisch einfügt und erst in der betreffenden Zeile vom Leser bemerkt wird. Er entspricht somit dem Prinzip der »leisen Auszeichnung«. Für den Majuskelsatz (Versalsatz) ist er ebenfalls geeignet. Ob er – wie oft kolportiert wird – deutlich inklusiver bzw. barrierefreier als andere Genderzeichen ist, ist zu hinterfragen. 7)

Für Blinde und stark Lesebehinderte wird in Sprachausgabeprogrammen der »:« mit einer tendenziell kurzen Pause vorgelesen. Hypothese: Für Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus dürfte der Doppelpunkt nur eine minimale Barriere darstellen, die den Leseprozess an dieser Stelle nicht signifikant verlangsamt.

Bei Suchmaschinen wird der Doppelpunkt ignoriert und auch nicht in den Suchergebnissen ausgegeben (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Gender-Doppelpunkt muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert diese Trisetform nicht.

Beispiel Gender-Doppelpunkt:
Ingenieur:in
Ingenieure:innen

Sternchen * »Gendersternchen«

Das sogenannte »Gendersternchen«, auch als »Asterisk« bezeichnet, steht heute für das Spektrum männlich, divers und weiblich. Problematik: In der Typografie ist das Sternchen ein Verweis- oder Notenzeichen, ein sogenanntes Konsultationszeichen (siehe Fußnoten).

Ein Sternchen unterbricht deutlich den Leseprozess bzw. erzeugt Irritationen beim Fixationsprozess. Bei manchen Schriftarten steht das Sternchen auf oder oberhalb (*) der x-Linie, bei anderen wiederum auf der Grundlinie (wie im nachfolgenden im Beispiel), was der Schriftsatzästhetik oft nicht unbedingt förderlich ist. Das Sternchen entspricht dem Prinzip einer »lauten Auszeichnung«, die vom Rezipienten bereits bemerkt wird, bevor das Auge die ausgezeichnete Textpassage erreicht hat.

Für Blinde und stark Lesebehinderte wird in Sprachausgabeprogrammen das »*« mitgelesen. Hypothese: Für Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus könnte das Sternchen eine Barriere darstellen, die den Leseprozess an dieser Stelle kompliziert.

Bei allen Suchmaschinen wird das Sternchen ignoriert und auch nicht in den Suchergebnissen ausgegeben (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Sternchen muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert diese Trisetform nicht.

Beispiel Gendersternchen:
Ingenieur*in
Ingenieure*innen

Trema-ï »Gender-Trema«

Die lateinische Minuskel »i« mit Trema »ï« (Unicode® U+00EF), das sogenannte »Gender-Trema« steht für das Spektrum männlich, divers und weiblich. Vorteil: Das Trema-ï stört den Leseprozess unwesentlich, da es sich in das Schriftbild – auch bei häufigen Wiederholungen – harmonisch einfügt und erst in der betreffenden Zeile vom Leser bemerkt wird. Es entspricht somit dem Prinzip einer »leisen Auszeichnung«. Für den Majuskelsatz (Versalsatz) ist es ebenfalls geeignet.

Die Problematik besteht allerdings darin, dass das »ï« bzw. »Ï«nicht auf einer handelsüblichen PC-Standardtastatur, z.B. nach DIN 2137-T2, vorhanden ist und nur über Shortcuts oder virtuelle Glyphentastaturen (Glyphenpaletten) – soweit überhaupt im Zeichenvorrat des genutzten Fonts vorhanden – anwendbar ist, beispielsweise bei Windows das »ï« mit der Tastenkombination Alt + 0239.

Für Blinde und stark Lesebehinderte wird in Sprachausgabeprogrammen das »ï« als »i« mit getrennter Aussprache gelesen bzw. ein vorgelesenes deutsches Wort sprachlich etwas verfremdet. Hypothese: Für Sehbehinderte, Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus könnte das Trema eine zufriedenstellende Lösung sein.

In der Google®-Suchmaschine wird das Trema-ï buchstabengetreu gelesen und dementsprechend werden in den Suchergebnissen nur Ergebnisse mit »ï« dargestellt (Stichprobe 31.8.2021). In anderen Suchmaschinen, z.B. DuckDuckGo® oder Bing®, wird das »ï« weitgehend ignoriert (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Trema-ï muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert diese Trisetform nicht.

Beispiel Gender-Trema:
Ingenieurïn
Ingenieureïnnen

Unterstrich _ »Gender-Gap«

Der sogenannte »Gender-Gap« steht sinnbildlich für das Spektrum männlich, divers und weiblich. Ob diese Form des Genderzeichens allerdings für eine Repräsentation des diversen Geschlechtes geeignet ist, wird in der LGBT bzw. LGBTQ-Community (etc.) leidenschaftlich diskutiert. 8)

Ein Unterstrich unterbricht sehr deutlich den Leseprozess bzw. erzeugt Irritationen beim Fixationsprozess. Er erzeugt eine große Lücke, die den Leseprozess stört. Bei Wiederholungen können sich unvorteilhafte Gießbäche bilden. Der Gender-Gap entspricht dem Prinzip einer »lauten Auszeichnung«, die vom Rezipienten bereits bemerkt wird, bevor das Auge die ausgezeichnete Textpassage erreicht hat.

Für Blinde und stark Lesebehinderte wird in Sprachausgabeprogrammen der »_« standardmäßig ignoriert. Hypothese: Für Sehbehinderte, Lesebehinderte und Menschen mit Asperger und Autismus stellt der Unterstrich vermutlich eine deutliche Unterbrechung im Leseprozess dar.

In der Google®-Suchmaschine wird der Unterstrich buchstabengetreu gelesen und dementsprechend werden in den Suchergebnissen Ergebnisse mit »_« favorisiert (Stichprobe 31.8.2021). In anderen Suchmaschinen, z.B. DuckDuckGo® oder Bing®, wird der »_« weitgehend ignoriert (Stichprobe 31.8.2021).

Beim Unterstrich muss die männliche Form immer der weiblichen Endung vorangestellt werden, ansonsten funktioniert diese Trisetform nicht.

Beispiel Gender-Gap:
Ingenieur_in
Ingenieure_innen

Grundsätzlich sind natürlich auch andere Genderzeichen denkbar, beispielsweise Ingenieur·in, Ingenieur–in oder Ingenieur♥in.

Orthografie, Grammatik und Genderzeichen

Für Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und für die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und Luxemburgs ist der »Rat für deutsche Rechtschreibung« die zentrale Instanz in Fragen der Rechtschreibung. 9)  Genderzeichen werden im amtlichen Regelwerk des Rates 2016 (zuletzt redigiert 2018) nicht geregelt. 10)  Der Umgang mit Genderzeichen ist somit gegenwärtig nicht Bestandteil der offiziellen deutschen Rechtschreibregeln.

Unabhängig von der ungeregelten Rechtschreibung in Bezug auf den einheitlichen Umgang mit Genderzeichen, verursacht eine gendergerechte Schreibweise mehr oder weniger Komplikationen bei Artikeln, Genitiv, Personalpronomen und Pluralformen.

Des Weiteren gibt es keine einheitliche Regeln, ob bei der Verwendung von Genderzeichen konsequent oder wohlklingend dekliniert wird oder ob diese nur mit gleichen oder auch bei unterschiedlichen Wortstämmen gebildet werden können. Folglich stellt sich ie Frage, ob bei unterschiedlichen Wortstämmen die Beidnennung oder eine neutrale Umschreibung sinnvoll ist.

Beispiele problematischer Gender-Orthografie:
Der/die Abteilungsleiter/in muss einen/eine Kollegen/in begrüßen.
Der Abteilungsleiter/in muss einen Kollegen/in begrüßen.
Die Abteilungsleiter/in muss eine Kollegen/in begrüßen.
Lieber Kunde:in
Liebe Kund:in
Liebe Kundin und lieber Kunde
Liebe Kundschaft
Liebe Polizisten:innen
Liebe Polizist:innen

Der Rat für deutsche Rechtschreibung erklärt dazu im März 2021: »Diese Zeichen haben zudem in der geschriebenen Sprache auch andere Bedeutungen, z.B. als Satzzeichen oder typografische Zeichen oder informatik- und kommunikationstechnische Zeichen. Ihre Nutzung innerhalb von Wörtern beeinträchtigt daher die Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und automatische Übersetzbarkeit sowie vielfach auch die Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten. Deshalb können diese Zeichen zum jetzigen Zeitpunkt nicht in das Amtliche Regelwerk aufgenommen werden.« 11)

Der Online-Duden führt ab 2020 das Substantiv »Genderstern« auf und nennt dazu Beispiele. 12)  Die im März 2020 überarbeitete DIN 5008 »Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung« des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) 13)  listet das Gendersternchen auf.

Aussprache von Genderzeichen

Das Genderzeichen einer verkürzte Paar- oder Trisetform wird als »Glottaler Plosiv« bzw. »Glottisschlag«, also durch eine tendenziell kurze Sprechpause anstelle des jeweiligen Zeichens, z.B. anstelle des Gender-Doppelpunkts, gesprochen.

Beispiel Aussprache von Genderzeichen:
Ingenieur:in
Ingenieur | kurze Sprechpause | in

Mikrotypografie

Egal welches Genderzeichen schlussendlich verwendet wird, man sollte im mikrotypografischen Feinsatz immer darauf achten, dass keine zu großen Zeichenabstände, Löcher oder Gießbäche entstehen. Aus typografischer Sicht eignet sich zurzeit der »Gender-Doppelpunkt« dafür am besten.

Es wäre wünschenswert, wenn zukünftige Generationen von Typografen:innen und Schriftgestaltern:innen ein passenderes Genderzeichen im Sinne einer fairen Geschlechterinklusion entwickeln könnten.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: »Nichtbinär« ist eine Bezeichnung für Geschlechtsidentitäten, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich verstehen, sich also außerhalb dieser zweigeteilten (binären) Geschlechterordnung befinden.
2 Anmerkung: Der Begriff »diversgeschlechtlich« bedeutet »ungleichartig« oder »verschieden«. Der Begriff »Divers« ist seit 2018 in Deutschland und seit 2019 in Österreich – neben weiblich und männlich – eine dritte rechtliche Option ein drittes Geschlecht zu bezeichnen.
3 Anmerkung: Die weibliche vor der männlichen Form zu nennen, dürfte streng genommen im Sinne einer gendergerechten Sprache/Schrift allerdings auch ein Anachronismus sein.
4 Quelle: Bundesverfassungsgericht, Erster Senat, Beschluss vom 10. Oktober 2017, online verfügbar unter https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2017/10/rs20171010_1bvr201916.html (27.8.2021).
5 Anmerkung: In Deutschland ist deshalb im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorgeschrieben, genderbewusste und inklusive Sprache zu verwenden. Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), online verfügbar unter https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ueber-diskriminierung/recht-und-gesetz/allgemeines-gleichbehandlungsgesetz/allgemeines-gleichbehandlungsgesetz-node.html (27.8.2021).
6 Anmerkung: Die Abk. LGBT (eng. für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) bzw. LGBTQ stehen für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, queere, intersexuelle und asexuelle Menschen. Unter dem Begriff »Pride« setzte sich die LGBTQ-Community für einen selbstbewussten Umgang mit der eigenen sexuellen Identität ein
7 Anmerkung: Bei manchen Schriften könnte streng genommen oberhalb der üblichen Lesegrößen (z.B. bei Headlines) in der Normalschriftweite (NSW) der rechte Zeichenabstand nach dem Gender-Doppelpunkt nicht dem mikrotypografischen Ideal entsprechen, da üblicherweise nach dem Doppelpunkt in Schreibrichtung ein Leerraumzeichen folgt und dementsprechend das Kerning ausgerichtet sein könnte.
8 Anmerkung: Beispielsweise pro: Symbolisch skizziert der Unterstrich das Geschlecht »divers«, das zwischen dem männlichen und weiblichen Pol liegt. Der Unterstich steht hier für eine Repräsentation aller Geschlechter. Beispielsweise kontra: Die Identität zwischen männlich und weiblich wird als Leerstelle abgebildet. »Divers« wird somit unsichtbar gemacht und spielt eine buchstäblich untergeordnete Rolle.
9 Anmerkung: Weiterführende Informationen zum Rat für deutsche Rechtschreibung online verfügbar unter https://www.rechtschreibrat.com (21.1.2021).
10 Quelle: Deutsche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis, aktualisierte Fassung des amtlichen Regelwerks entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2016, Mannheim 2018, online als PDF verfügbar unter https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Regeln_2016_redigiert_2018.pdf (30.8.2021).
11 Quelle: Rat für deutsche Rechtschreibung, Pressemitteilung vom 26.03.2021, Geschlechtergerechte Schreibung: Empfehlungen vom 26.03.2021. Online als PDF verfügbar unter https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2021-03-26_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf (25.8.2020).
12 Quelle: Duden, Wörterbuch, online verfügbar unter https://www.duden.de/rechtschreibung/Gendersternchen (25.8.2021).
13 Quelle: Deutsches Institut für Normung e.V. (DIN), Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin. Weiterführende Informationen online unter www.din.de/de (25.8.2021).