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Werksatzschrift

25. März 2026

»Werksatzschrift« ist ein typografischer Fachausdruck aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutschsprachiger Schriftsetzer, Schriftgießer und Drucker aus der Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) für eine Druckschrift, die im klassischen Werksatz (Hand- und/oder Maschinensatzabteilung einer Verlagsdruckerei) für den Werkdruck (Buchdruck) verwendet wird; Abkürzung: »Werkschrift«; gleichbedeutende Bezeichnungen sind »Buchschrift«, »Textschrift« oder »Leseschrift«.

Eine durchgehend verwendete Werksatzschrift wurde in der Ära des industriellen Buchdrucks des 19. Jahrhunderts von den Schriftsetzern auch als »Brotschrift« bezeichnet.

Etymologisch rührt der Begriff »Werk« aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutschsprachiger Schriftsetzer, Schriftgießer, Drucker und Papiermüller (Papiermacher) aus der frühesten Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen und stand dort für »Buch«; Pl.: »Werke«. »Werk« ist demnach die Kurzform von »Druckwerk«, womit bis zum Beginn der Zeitungstypografie im 17. Jahrhundert ausschließlich das (ungebundene) Buch gemeint war. 1)

Semantisch geht »Werk« auf das 8. Jahrhundert zurück: mhd. »werc(h)« [ahd. »werc«, auch »wer(a)h«] im Sinne von »Werk« beziehungsweise »Tagwerk« für »Arbeit«. Der Begriff »Werk« wurde und wird auch in anderen Branchen und in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet (z.B. Kunstwerk, schöpferische Leistung im Sinne des Urheberrechts, Teil einer Orgel, Fabrik u.a.).

Werksatzschriften werden speziell für den monochromen Mengensatz in Büchern (z.B. Romanen) oder buchähnlichen Publikationen (z.B. Broschüren) entwickelt. Sie zeichnen sich durch hohe Lesbarkeit, ein ausgeglichenes Schriftbild und eine Typometrie aus, die auf den monochromen Werkdruck auf handelsüblichen Werkdruckpapieren abgestimmt sind.

In der Typografie mit lateinischen Schriften gelten insbesondere Werksatzschriften mit Serifen in der Letternarchitektur der Französischen Renaissance-Antiqua und der Vorklassizistischen Antiqua (Barock-Antiqua) in den Lesegrößen (siehe Schriftgrad) der Mittel »Cicero« (1 Cicero = 12 Didot-Punkte = 4,512 mm), »Rheinländer« (1 Rheinländer = 11 Didot-Punkte = 4,136 mm) und »Korpus« bzw. »Garamond« (1 Korpus bzw. 1 Garamond = 10 Didot-Punkte = 3,760 mm) als besonders lesefreundlich.

Die Schriftfamilie einer Werksatzschrift sollte mindestens die Schriftschnitte »Normal« (Regular) oder »Buch« (Book), »Kursiv« (Italic), »Kapitälchen« (Caps) sowie »Halbfett« (Semibold) oder »Fett« (Bold) umfassen; andernfalls ist sie aus Sicht der Lesetypografie für den professionellen Werksatz nicht geeignet, da Auszeichnungen – z.B. Kursiv für die indirekte Rede – im »Gemischten Satz« sonst nicht möglich sind.

Ein Schriftschnitt ist eine Schriftstilvariante innerhalb einer Schriftfamilie. Dazu zählen beispielsweise der normale, kursive, halbfette und fette Schriftstil sowie die Kapitälchen. Beispiel gesetzt in der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1956) aus der der Linotype Schriftbibliothek.
Ein Schriftschnitt ist eine Schriftstilvariante innerhalb einer Schriftfamilie. Dazu zählen beispielsweise der normale, kursive, halbfette und fette Schriftstil sowie die Kapitälchen. Beispiel gesetzt in der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1956) aus der der Linotype Schriftbibliothek.

Werksatzschriften können deshalb über spezielle kursive Schriftstilvarianten (z.B. Book Italic) verfügen, die in verschiedenen Schriftbreiten, Schriftlagen und Strichstärken »geschnitten« sind, um längere Auszeichnungspassagen (siehe auch Schriftmischung) in Kursiv lesbarer zu machen, was jedoch zu Lasten der Schriftästhetik gehen kann. Für die Schriftwahl einer Werksatzschrift ist daher die Typometrie des kursiven Schriftschnitts ein gewichtiges Kriterium.

Werksatzschriften werden in Fließtexten im normalen Breitenlauf bzw. mit Normalschriftweite (NSW 0) gesetzt. Bei Konsultationsgrößen hingegen im weiten Breitenlauf bzw. mit positiver Laufweitenveränderung (+LW).

Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.
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