Skip to main content

Schriftgrad

24. März 2026

Unter »Schriftgrad« versteht man in der Typografie die Schriftgröße eines materiell oder digital reproduzierten Schriftbildes bzw. Schriftzeichens auf einem Schriftträger, beispielsweise einer Druckschrift auf Papier oder einer digitalen Schrift (Computer-Font) auf einem Monitor.

Im materiellen Schriftsatz mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung), Holz (z.B. aus Birnenholz) oder Kunststoff (z.B. aus Kunstharz) wird der Schriftgrad als »Kegelgröße« und in der Informatik sowie im Webdesign als »Font Size« (CSS-Eigenschaft: font-size) bezeichnet.

Der Schriftgrad in Relation zur Schriftart ist eine von vielen Komponenten, die die Lesbarkeit eines Schriftsatzes beeinflussen. Der Umgang mit Schriftgraden gehört sowohl in die Makrotypografie als auch in die Mikrotypografie. 1)

Die Ursprünge von Schriftgraden

Die im Bleisatz, Fotosatz, DTP (Desktop Publishing) und teils im Web Publishing gebräuchlichen Schriftgrade folgen bestimmten Traditionen, die sich historisch bis zu den Prototypografen des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Der wohl bekannteste Schriftgrad in der Typografie ist der »Cicero« (1 Cicero = 12 Didot-Punkte = 4,512 mm). Das Mittel Cicero existiert bereits seit den Anfängen der Typografie und basiert auf dem berühmten Ciceroschnitt der deutschen Prototypografen Arnold Pannartz (o.A.–um 1476) und Conrad Sweynheym (o.A.–um 1474/1477).

Im 18. Jahrhundert wurde durch Pierre Simon Fournier (1712–1768), François Ambroise Didot (1730–1804) und seinen Sohn Firmin Didot (1764–1836) erstmals eine Normung der Schriftgradabstufungen in Form eines »Point typografique« angestrebt, die teilweise noch heute gültig ist und auch der digitalen Typografie als Grundlage dient. 2)

Schriftgrade von Druckschriften (Textschriften bzw. Werksatzschriften) werden in der Typografie traditionell in Konsultationsgrößen (Optische Größe »Caption«), Lesegrößen (Optische Größe »Regular«), Schaugrößen (Optische Größe »Subhead«) und Ferngrößen (Optische Größe »Display«) unterteilt. Bei Akzidenzschriften werden die Ferngrößen zusätzlich durch »Plakatgrößen« ergänzt.

Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) existieren für alle gängigen Kegelgrößen Eigennamen, sogenannte »Mittel«, die ehemals von deutschsprachigen Schriftgießereien in einer »Mitteltabelle« dokumentiert wurden, einer Umrechnungstabelle mit Schriftgraden in Didot-Punkten, basierend auf dem deutschen Konkordanzsystem.

Die Relativität von Schriftgraden

Grundsätzlich ist festzustellen, dass im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen und einheitlichen Bemessungsgrundlagen für die Bemaßung von Druckschriften und Screen-Fonts existieren.

Heute existieren in der digitalen Typografie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typografen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.
Heute existieren in der digitalen Typografie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typografen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.

Neben unterschiedlichen physischen und virtuellen sowie absoluten und relativen Maßeinheiten existieren diverse Methoden zur Ermittlung von Schriftgraden, die von der Vermaßung der Majuskelhöhe (Versalhöhe) bis hin zur durchschnittlichen hp-Vertikalhöhe mit und ohne »Fleisch« eines Wortes reichen. Des Weiteren sind Schriften in ihrem typometrischen Aufbau sehr unterschiedlich, beispielsweise mit großen Mittellängen, mit fast gleich großen Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen, kleinen Mittellängen sowie großen und kleinen Unterlängen.

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz ist offiziell das metrische System, also die Bemessung von Buchstaben in mm, cm bzw. Meter, bindend. 3) Auch sämtliche EU-Verordnungen, beispielsweise das EU-Kennzeichnungsrecht 1169/2011 (EU-Verordnung über die Information der Verbraucher über Lebensmittel), fixieren Schriftgrößen in metrischen Einheiten (mm). Die kleinste sinnvolle Einheit im DTP (Desktop Publishing) für die Schriftgradabstufung beträgt 0,25 mm, was etwas feiner ist als die klassische Didot-Punkt-Einheit von 0,376 mm.

Ein in typografischen Punkten oder Millimetern angegebener Schriftgrad wurde bis zum Ende des optomechanischen Lichtsatzes (Fotosatz) mit unterschiedlichen Typometern gemessen, die allerdings in der digitalen Typografie keine genauen Ergebnisse mehr liefern können.

Ein Typometer diente u.a. zum Messen von Schriftgraden und Zeilenabständen – hier im Beispiel ein transparentes Typometer für den Fotosatz der Gloor Satz GmbH aus den 1990er Jahren. Das Messen mit einem Typometer ist sys­tem­im­ma­nent. Das bedeutet, es funktioniert nur innerhalb eines bestimmten geschlossenen Schriftsatz- und Schriftvervielfältigungssystems, ansonsten ist der gemessene Schriftgrad nur relativ und somit nicht verwendbar. Heute ist die Divergenz bei Typometern, Fonts, Software, Peripheriegeräten (RIPs) etc. so groß, dass Typometer mehr oder weniger nutzlos geworden sind.
Ein Typometer diente u.a. zum Messen von Schriftgraden und Zeilenabständen – hier im Beispiel ein transparentes Typometer für den Fotosatz der Gloor Satz GmbH aus den 1990er Jahren. Das Messen mit einem Typometer ist sys­tem­im­ma­nent. Das bedeutet, es funktioniert nur innerhalb eines bestimmten geschlossenen Schriftsatz– und Schriftvervielfältigungssystems, ansonsten ist der gemessene Schriftgrad nur relativ und somit nicht verwendbar. Heute ist die Divergenz bei Typometern, Fonts, Software, Peripheriegeräten (RIPs) etc. so groß, dass Typometer mehr oder weniger nutzlos geworden sind.

Wie wird ein Schriftgrad gemessen?

Bleisatz

Im Bleisatz wird die Schriftgröße eines Buchstabens in Form der Größe des Buchstabenkörpers (Kegel) in typografischen Punkten bemessen und mit Mittelnamen benannt.

Der Schriftgrad wird im Bleisatz – also im materiellen Schriftsatz – als Kegelgröße bezeichnet. Sie umfaßt den erhabenen, druckenden Teil eines Buchstabens von der oberen Kante der Oberlänge bis hin zur unteren Kante der Unterlänge plus seinem oberen und unteren »Fleisch«, also der nichtdruckenden, oberen und unteren Peripherie einer Drucktype, wobei die Kegelgröße und die eigentliche Schriftbildgröße unterschiedlich ausfallen.
Der Schriftgrad wird im Bleisatz – also im materiellen Schriftsatz – als Kegelgröße bezeichnet. Sie umfaßt den erhabenen, druckenden Teil eines Buchstabens von der oberen Kante der Oberlänge bis hin zur unteren Kante der Unterlänge plus seinem oberen und unteren »Fleisch«, also der nichtdruckenden, oberen und unteren Peripherie einer Drucktype, wobei die Kegelgröße und die eigentliche Schriftbildgröße unterschiedlich ausfallen.

Die Abstufungen unterschiedlicher Schriftgrößen sind im Bleisatz einheitlich geregelt, sodass alle Schriften zwar nicht in der Schriftbildgröße, aber in der Stempelgröße identisch vorhanden sind. 4)

Fotosatz

Mit dem optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz) etablierten sich zwei unterschiedliche Methoden, um einen Schriftgrad in typografischen Punkten oder Millimetern zu messen.

    1. Die eine legt eine Vertikalhöhe eines Wortes zugrunde. Das heißt, es wird vom denkbar höchsten Punkt der Minuskel »h« zum denkbar tiefsten Punkt der Minuskel »p« gemessen, was einer Addition der Summanden Unterlänge, Mittellänge und Oberlänge inklusive aller optischen Überhänge entspricht. Man bezeichnet diese Methode auch als die Ermittlung der »hp-Vertikalhöhe«.
    2. Bei der anderen Methode misst man die Höhe der Majuskel »H« von der Grundlinie bis zur H-Linie und erhält über eine Tabelle die Gesamthöhe der Schrift, wobei unterschiedliche Fotosatzgeräte, z.B. von Berthold, Monotype oder Linotype, unterschiedliche Tabellen und somit auch unterschiedliche Typometer und Legenden in den Schriftmusterbüchern erforderten.

Beide Methoden gelten im metrologischen Sinne als nicht sehr zuverlässig, insbesondere bei der Bemaßung kleiner Schriftgrade.

In der Typografie waren Schriftgrade schon immer relativ: »Wenn ein Leser seine Schrift messen würde, käme er zu anderen Ergebnissen als der Setzer. Was ein Setzer in Händen hat, stimmt nicht mit dem überein, was der Leser sieht.« Philipp Luidl, Typograf und Lehrer (1930–2015). Erste Zeile: Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad im materiellen Schriftsatz ist der Kegel einer Drucktype. Zweite und dritte Zeile: Im Fotosatz wird die hp-Vertikalhöhe oder die H-Linie mit einem Typometer gemessen.
In der Typografie waren Schriftgrade schon immer relativ: »Wenn ein Leser seine Schrift messen würde, käme er zu anderen Ergebnissen als der Setzer. Was ein Setzer in Händen hat, stimmt nicht mit dem überein, was der Leser sieht.« Philipp Luidl, Typograf und Lehrer (1930–2015). Erste Zeile: Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad im materiellen Schriftsatz ist der Kegel einer Drucktype. Zweite und dritte Zeile: Im Fotosatz wird die hp-Vertikalhöhe oder die H-Linie mit einem Typometer gemessen.

DTP (Desktop Publishing)

Im DTP (Desktop Publishing) (z.B. mit Affinity Publisher® by Canva®, InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®) sowie im Segment der Textverarbeitung (z.B. mit Microsoft Word® oder Pages von Apple®) werden Schriftgrade über die jeweilige Software in unterschiedlichen typografischen Punkten 5) bzw. in Millimeter definiert. 6)

Schriftgrade in der digitalen Typografie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologischen Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen.

In der Schriftgestaltung (Type Design) werden Schiften, beispielsweise OpenType Fonts, heute mit Font Editor Software (z.B. Fontographer® oder FontForge® von George Williams) gestaltet bzw. generiert. Die Schriftgröße orientiert sich dabei in der Regel an einer Art »hp-Vertikalhöhe« plus dem oberen und unteren »Fleisch« eines fiktiven »Kegels, der natürlich bei jedem Font willkürlich ausfällt. Ein Anachronismus, der die technischen Möglichkeiten und Anforderungen ad absurdum führt und selbst ansatzweise einheitliche Schriftgrade unmöglich macht.
In der Schriftgestaltung (Type Design) werden Schiften, beispielsweise OpenType Fonts, heute mit Font Editor Software (z.B. Fontographer® oder FontForge® von George Williams) gestaltet bzw. generiert. Die Schriftgröße orientiert sich dabei in der Regel an einer Art »hp-Vertikalhöhe« plus dem oberen und unteren »Fleisch« eines fiktiven »Kegels, der natürlich bei jedem Font willkürlich ausfällt. Ein Anachronismus, der die technischen Möglichkeiten und Anforderungen ad absurdum führt und selbst ansatzweise einheitliche Schriftgrade unmöglich macht.

Insbesondere die Abweichung von gleichlautenden Schriftgraden bei der Ausgabe auf unterschiedlichen Schriftbildträgern (z.B. Papier oder elektronische Benutzeroberflächen) ist gravierend, ebenso die exakte Ausgabe und Weiterverarbeitung von vorgegebenen Schriftgraden auf unterschiedlichen Peripheriegeräten (z.B. Laserdrucker oder CTP (Computer to Plate)).

Schriftgrade in der digitalen Typografie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologische Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen. Beispiel: Eine »Minion Pro« von Robert Slimbach, eine »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders sowie eine »Zapfino« von Hermann Zapf (1918—2015), gesetzt in Adobe InDesign® CC (2017) im Originalmaßstab (1:1) in der jeweils gleichen Schriftgröße von 20 mm. Die Schriftgrade weichen sowohl optisch als auch rechnerisch erheblich voneinander ab. Eine Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad der Open Type Fonts erschließt sich nicht.
Schriftgrade in der digitalen Typografie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologische Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen. Beispiel: Eine »Minion Pro« von Robert Slimbach, eine »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders sowie eine »Zapfino« von Hermann Zapf (1918—2015), gesetzt in Adobe InDesign® CC (2017) im Originalmaßstab (1:1) in der jeweils gleichen Schriftgröße von 20 mm. Die Schriftgrade weichen sowohl optisch als auch rechnerisch erheblich voneinander ab. Eine Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad der Open Type Fonts erschließt sich nicht.

Web Publishing

In der Web-Typografie gelten die gleichen diffusen Rahmenbedingungen wie im DTP (Desktop Publishing). Allerdings kommt erschwerend hinzu, dass neben relativen Schriftgraden (z.B. Prozent und Geviert) 7) und konsistenten Schriftgraden (z.B. Pixel) die Schriftgrößen über einen Internet-Browser (z.B. Safari® von Apple® oder Firefox® von Mozilla Corporation (Mozilla Foundation)) an einem Monitor nicht einheitlich dargestellt werden können. 8) Ein Schriftgrad wird in der Regel mit der Stylesheet-Eigenschaft (CSS3) »font-size« in den CSS (Cascading Style Sheets) 9) beschrieben.

Wie kann man Schriftgrade messen?

Unabhängig von der Erkenntnis, dass Schriftgrade relativ sind, erfordert die typografische Praxis dennoch das Messen, Beurteilen, Vergleichen und Fixieren von Schriftgraden unterschiedlicher Schriftarten auf unterschiedlichen Schriftbildträgern. Die weithin praktikabelste und zuverlässigste Methode dürfte hierbei die Ermittlung der »hp-Vertikalhöhe« sein.

Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.
Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.

Gemischter Schriftsatz

Bei gemischter Schreibweise (Groß- und Kleinbuchstaben) empfiehlt es sich, Schriftgrade anhand der »hp-Vertikalhöhe« – inklusive ihrer optischen Überhänge – wenn möglich im metrischen System (mm) zu messen und medienübergreifend zu vergleichen. 10)

Majuskelsatz

Bei reinem Majuskelsatz (Versalsatz) empfiehlt es sich, die H-Höhe (Grundlinie zur H-Linie) zu messen, wobei die optischen Überhänge und moderate Unterlängen, z.B. der Schweif beim »Q«, beim Messen ignoriert werden.

Minuskel- und Konsultationssatz

Bei reinem Minuskelsatz (Gemeiner Satz, nur Kleinbuchstaben) und Schriftsatz in Konsultationsgrößen, also sehr kleinen Schriftgraden, z.B. bei Geschäftsbedingungen oder Lebensmitteletiketten, ist es sinnvoll, die x-Höhe (Grundlinie bis zur x-Linie) als Bemessungsgrundlage für einen Schriftgrad zu wählen, so wie es beispielsweise die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) zur Kennzeichnung von Lebensmitteln vorschreibt.

Fazit: Schrift ist nicht gleich Schrift!

Lesbarkeitstests, Lehrbücher, Tutorials, Tipps und Tricks zur »besseren Lesbarkeit« und zur »idealen Schriftgröße«, egal ob am Bildschirm oder auf Papier, müssen heute prinzipiell hinterfragt werden, da sie aufgrund der babylonischen Schriftvielfalt und der großen Divergenz in der schriftlichen Kommunikation ihre Allgemeingültigkeit verloren haben.

Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen oder sogar den gleichen Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier unterschiedlichen Bodonis im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander. Um ein vergleichbar großes Schriftbild zu erzeugen, benötigen unterschiedliche Bodonis folglich auch unterschiedliche Schriftgrade.
Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen oder sogar den gleichen Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier unterschiedlichen Bodonis im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander. Um ein vergleichbar großes Schriftbild zu erzeugen, benötigen unterschiedliche Bodonis folglich auch unterschiedliche Schriftgrade.

Pauschale Empfehlungen à la »Der Fließtext wird am besten in Schriftgröße 12 geschrieben« (Tipp für Microsoft Word®), »Die Schriftgröße sollte 30 Punkt betragen« (Tipp für Microsoft PowerPoint®), »Das Idealmaß bei Romanen liegt bei 13 Punkt« (Tipp für Taschenbücher) oder »16 Pixel ist die ideale Schriftgröße für angenehmes Lesen am Bildschirm« (Tipp für Websites) sind gut gemeint, aber leider nicht sehr hilfreich.

Heute muss jede Schrift, jede Schriftstilvariante und jeder Schriftschnitt auf jedem Schriftbildträger individuell beurteilt werden. Allgemeine Regeln, wie sie noch bis zum Ende des Fotosatzes galten, sind heute nicht mehr up to date. Das Auge und der Erfahrungsschatz eines Typografen bzw. einer Typografin ist deshalb heute wichtiger denn je.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Im Segment der Makrotypografie wird der Schriftgrad »relativ«, also ungefähr, festgelegt, beispielsweise eine Bodoni in 4 mm (= 11,339 Adobe-PostScript-Punkte bei 72 pt/Zoll). In der Mikrotypografie wird dann, nachdem eine spezielle Bodoni ausgewählt wurde, der Schriftgrad der jeweiligen Typometrie angepasst und konkretisiert, also beispielsweise eine Bauer Bodoni von Linotype in 4,5 mm (= 12,756 Adobe-PostScript-Punkte bei 72 pt/Zoll).
2 Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3-85584-010-5.
3 Anmerkung: Seit 1868/69 ist das metrische Einheitensystem in Deutschland, seit 1871 in Österreich und seit 1875 in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben. Seit dem 1. Januar 1978 ist das metrische System in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft (heute Europäische Union) bindend, wobei der typografische Punkt in Cicero und Punkt nicht mehr gebraucht werden soll. Dieses Gesetz gilt auch für alle Normierungsausschüsse, wie z.B. die International Organization for Standardization (ISO).
4 Quelle: Luidl, Philipp: Typografie, Herkunft, Aufbau, Anwendung. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover, 1984, ISBN 3-87706-212-1.
5 Anmerkung: Schriftsatzprogramme messen in unterschiedlichen typografischen Punktsystemen. Beispielsweise bietet Adobe InDesign® in den Voreinstellungen die Wahl zwischen »PostScript« (72 pt/Zoll) und »Traditionell« (72,27 pt/Zoll).
6 Anmerkung: Bei aktuellen Schriftsatzprogrammen, z.B. Adobe InDesign®, ist es zwar möglich, Schriftgrade in Millimeter einzugeben, diese werden jedoch meist automatisch in typografische Punkte umgerechnet, wobei natürlich ausschlaggebend ist, welches Punktsystem verwendet wird. Auch kann mit InDesign® die x-Höhe berechnet werden. Aber Vorsicht: Die gemessene x-Höhe einer gedruckten Schrift wird nicht der ermittelten x-Höhe am Bildschirm entsprechen!
7 Anmerkung: Da Schriftgrade relativ sind, ergibt sich insbesondere im Web Publishing eine »Schriftgrad-Geviert-Problematik«. Ein Geviert ist dort im doppelten Sinne eine relative Maßeinheit!
8 Anmerkung: Erwähnt sei hier beispielsweise das »Windows/Mac Font-size-Problem«. Windows® berechnet die Bildschirmauflösung mit 96 dpi (dots per inch = Punkte pro Zoll) und Apple® mit 72 dpi. Als weitere Variablen gelten u.a. die physische Größe und Qualität des Bildschirms, die verwendete Hardware, die Technologie und Qualität der Screen-Fonts sowie deren Darstellungsqualität (z.B. Font Hinting) und die individuelle Voreinstellung der Schriftgröße im Browser.)
9 Anmerkung: CSS (Cascading Style Sheets) ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Online verfügbar unter https://www.w3.org (24.3.2026).
10 Anmerkung: Eine Vergleichbarkeit von Schriftgraden unterschiedlicher Schriftarten entsteht dadurch allerdings nicht. Ebenso sind alle drei Methoden zueinander inkompatibel.
Save the Date
Typografie-Seminar für Professionals aus der Design-, Werbe- und Medienbranche
Berlin
Berlin, Friedrichstraße (Unter den Linden)
Mittwoch, 22. April 2026

Berlin
Berlin, Friedrichstraße (Unter den Linden)
Mittwoch, 16. September 2026

München
München, Karlsplatz (Stachus)
Dienstag, 22. September 2026

Wien
Wien, Favoriten (Hauptbahnhof)
Mittwoch, 23. September 2026