&-Zeichen (et-Zeichen)

Im dspr. Raum ist das &-Zeichen (et-Zeichen) eine Ligatur bzw. Buchstabenverbindung, welche primär als Ersatzzeichen für das »Kaufmanns-Und« verwendet wird, bspw. »Hinz & Kunz AG« anstelle von »Hinz und Kunz AG«.

In der deutschen Sprache wird »&« als »und« gesprochen, die Ligatur selbst als »&-Zeichen« bezeichnet, was als »et-Zeichen« gesprochen wird; ugs. auch als »Und-Zeichen« tituliert. In der Typografie zählt das &-Zeichen zu den Wortligaturen; eng. »Ampersand«. 

Das klassische &-Zeichen (et-Zeichen) einer Jüngeren Grotesk-Schrift ohne Serifen, der Optima normal von Hermann Zapf (1918–2015), Schriftgießerei D. Stempel AG, Frankfurt am Main, 1958.
Das klassische &-Zeichen (et-Zeichen) einer Jüngeren Grotesk-Schrift ohne Serifen, der Optima normal von Hermann Zapf (1918–2015), Schriftgießerei D. Stempel AG, Frankfurt am Main, 1958.

Da das &-Zeichen in der dt. Schriftsprache – im Gegensatz zur eng. 1)  oder frz. 2) 3) 4)  – nicht als grammatikalische Konjunktion (z.B. aber, denn, oder, und), sondern nur als Bindewort in Firmierungen (offiziell nur bei Firmendoppelnamen mit Eintrag ins Handelsregister) oder in der besonderen Rechtsform der Kommanditgesellschaft (KG) – der GmbH & Co. KG  – verwendet wird, 5)  wird es ab dem späten 19. Jh. auch als »kaufmännisches Und-Zeichen«, »Kaufmanns-Und«, »kaufmännisches Und« oder »Firmen-Und« bezeichnet. Das »&« sollte nicht mit der Kaufmannsligatur »@« (at-Zeichen) oder dem »+« (Pluszeichen) verwechselt werden.

Ursprung

Das &-Zeichen ist eine Buchstabenverschmelzung aus den Minuskeln »e« und »t«. Etymologisch rührt diese aus der lt. Konjunktion »et« für dt. »und«, »und tatsächlich«, »auch«.

Vermutlich entstand die &-Ligatur in ihrer heutigen Antiqua-Form als kalligrafische Abbreviatur mit den Minuskeln karolingischen (Karolingischen Minuskel) und humanistischen (Humanistica) Ursprungs, wobei die Epigraphik, die Paläografie und die Diplomatik bereits in vorrömischen Alphabeten erste Zeugnisse von Ligaturen und Abbreviaturen (Abkürzungen) dokumentieren.

In der Kalligrafie erfüllten Ligaturen bzw. Abbreviaturen primär die Aufgabe, schnell und ökonomisch zu schreiben, da u.a. Trägermaterialien wie Pergament bzw. später Papier sehr rar und kostbar waren. Sprachliche oder formale Aspekte kamen erst später hinzu (11./12. Jahrhundert). Ästhetische Aspekte in der Formgebung und Anwendung erst nach dem Manierismus. 6)

Generell ist es sehr schwer festzustellen, ob und ab wann eine Ligatur als originär oder als zusammengesetzt betrachtet werden muss. Das gilt auch für das &-Zeichen. Insbesondere, da in der europäischen Kalligrafie Ligaturen spätestens seit dem 1. Jahrhundert – z.B. in Form unterschiedlicher et-Zeichen – genutzt werden. Zu den ältesten noch angewandten Abbreviaturen zählt das et-Zeichen aus dem Zeichenrepertoire der Tironischen Noten von Marcus Tullius Tiro (um 103–4 v.Chr.), welches auch heute noch in Irland in unveränderter Form genutzt wird.

Im Ausschnitt: Das tironische Et ist ein Kürzel für lateinisch et (und). Als einzige tironische Note wird diese heute noch in Irland verwendet. Bildnachweis: Tironische Noten im Codex Casselanus aus dem 8. Jahrhundert, commons.wikimedia.org, gemeinfrei (18.12.2016).
Im Ausschnitt: Das tironische Et ist ein Kürzel für lateinisch et (und). Als einzige tironische Note wird diese heute noch in Irland verwendet. Bildnachweis: Tironische Noten im Codex Casselanus aus dem 8. Jahrhundert, commons.wikimedia.org, gemeinfrei (18.12.2016).

Laut dem dt.-schweiz. Grafikdesigner, Typografen und Schriftgestalter Jan Tschichold (1902–1974), ist das &-Zeichen

»fast so alt wie die römische Schrift. Zwar kommt ein &-Zeichen weder in den altrömischen Inschriften noch in den monumentalen Majuskelhandschriften der Römer vor. Aber bereits 79 nach Christus begegnen wir in den flüchtigeren »graffiti«, schnell hingekratzten Inschriften, einer Ligatur et, die vielleicht als Urahn der et-Sippe angesprochen werden darf.« 7)

In der dt. Fraktur-Typografie war das &-Zeichen über Jahrhunderte nicht üblich. Erst im Laufe der prosperierenden Industrialisierung und insbesondere mit Gebrauch von Antiqua-Druckschriften wurde das &-Zeichen ab dem späten 19. Jahrhundert als »ligaturische Abbreviatur« in Firmendoppelnamen – sowohl im Druckwesen als auch in der Schildermalerei – verwendet.

Orthographische Regeln

Die deutsche (und österreichische) Orthografie kennt – abgesehen vom »ß« (Eszett, Scharfes s) – keine Ligaturen. Dementsprechend finden sich im amtlichen Regelwerk zum Umgang mit dem &-Zeichen keine Vorgaben. In der Schweiz dto. 8)

Typografische Regeln

Im typografischen Schriftsatz haben sich nachfolgende Satzregeln etabliert.

  • Das &-Zeichen ist keine Alternative zum »+« (Pluszeichen) – bzw. auch nicht umgekehrt.

Beispiel:

Hinz & Kunz AG
Hinz + Kunz AG

1 + 2 = 3
1 & 2 = 3

Beispiel:

Die Eltern und ihre Kinder gehen in den Garten.
Die Eltern & ihre Kinder gehen in den Garten.
  • Bei ausgeschriebenen Firmendoppelnamen und bei Rechtsformen von Unternehmen steht vor und nach dem &-Zeichen immer ein Leerraumzeichen. In der Mikrotypografie werden im traditionellen Sinn vor und nach dem &-Zeichen etwa zwei Drittel des normalen Abstandes gesetzt. 10)

Beispiel:

Bang & Olufsen Group
Mustermann GmbH & Co. KG
Maria Mustermann, Max Mustermann & Co. Grafikdesigner GbR
Miele & Cie. KG
Tiffany & Co.
  • Bestenfalls sollte ein Zeilenumbruch vor und nach dem &-Zeichen vermieden werden. Wenn eine Trennung unvermeidbar ist, kann das &-Zeichen am Ende der Zeile als auch am Anfang der neuen Zeile stehen. Die Entscheidung erfolgt nach ästhetischen Gesichtspunkten. Nach traditionellen Regeln steht ein abgetrenntes &-Zeichen am Anfang der neuen Zeile.
Sie waren Mitarbeiter einer Forschungsgruppe der Hinz 
& Kunz GmbH & Co. KG, die niemals Sonntags freibekamen.

Sie waren Mitarbeiter einer Forschungsgruppe der Hinz & 
Kunz GmbH & Co. KG, die niemals Sonntags freibekamen.

Beispiel:

Hinz-&-Kunz-Straße
  • Bei abgekürzten Firmendoppelnamen (z.B. »B&O« für »Bang & Olufsen«) erfolgt in der Regel kein Leerraumzeichen, bzw. in der Mikrotypografie wird der Zeichenabstand der Majuskeln – der Schrift entsprechend – vor und nach dem &-Zeichen mit Leerraumteilgevierten spationiert.

Beispiel:

H&M
B&O Group
C&A Mode GmbH & Co. KG
  • Abgekürzte Firmendoppelnamen werden im Umbruch nicht getrennt.

Beispiel:

Sie waren Mitarbeiter einer Forschungsgruppe der H&K 
GmbH & Co. KG, die niemals Sonntags freibekamen.

Sie waren Mitarbeiter einer Forschungsgruppe der H&
K GmbH & Co. KG, die niemals Sonntags freibekamen.
  • Abgekürzte Firmendoppelnamen werden in Zusammensetzungen mit Divis angeschlossen

Beispiel:

H&K-Forschungsabteilung

Tastaturbelegung

In der Regel ist ein et-Zeichen in jedem handelsüblichen OpenType Font und garantiert in jeder Systemschrift vorhanden. Auf einer Tastatur nach DIN 2137-T2 wird das &-Zeichen mit der Tastenkombination [Shift] + [6] gesetzt. Bei Smartphones und Tablets findet man das Zeichen auf der Smartphone-Tastatur oder per Shortcut.

Unicode

Das &-Zeichen wird als Zeichen im internationalen Standard von Unicode® ab Version 1.1.0 (Juni 1993) für Computerzeichensätze unter »Ampersand« (U+0026) geführt.

Sonstige Codierungen

HEX CODE                    &#x26
HTML Entity (decimal)       &
HTML Entity (hex)           &
HTML Entity (named)         &
UTF-8 (hex)                 0x26 (26)
UTF-8 (binary)              00100110
UTF-16 (hex)                0x0026 (0026)
UTF-16 (decimal)            38
UTF-32 (hex)                0x00000026 (0026)
UTF-32 (decimal)            38
C/C++/Java source code      "\u0026"
Python source code          u"\u0026"

&-Zeichen als Variable

In der Informatik wird das &-Zeichen in unterschiedlichen Programmiersprachen als Variable verwendet. In einer URL steht das &-Zeichen beispielsweise zwischen den Parameter-Wert-Paaren einer Query-Komponente. 11)

Alphabetische Sortierung

In der PC-basierten alphabetischen Sortierung wird das »&« als Sonderzeichen behandelt. Es reiht sich deshalb aufsteigend sortiert unter Sonderzeichen zwischen der Ziffer 9 und dem Buchstaben A ein. Bei einer händischen Sortierung, beispielsweise in einem Buchindex, wird es unter seiner typografischen Bezeichnung »et« unter E einsortiert.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Im angelsächsischen Sprachraum wird das &-Zeichen auch genutzt, um die Zusammengehörigkeit von Wortpaaren deutlich zu machen, z.B. »American Telephone & Telegraph« oder Lufthansa »Miles & More«. Die eng. Bezeichnung für das &-Zeichen lautet »Ampersand«, einer Kopplung der Begriffe »and per se and« zu dt. »und an sich«.
2 Anmerkung: Im Frz. leitet sich das &-Zeichen von »et per lui et« zu »esperluette« ab.
3 Anmerkung: In England und Frankreich war bis ins 19. Jahrhundert das &-Zeichen der letzte Buchstabe des Alphabets.
4 Anmerkung: In der eng. und frz. Schriftsprache existiert anstelle von et cetera (dt. Abk. »etc.« für »und so weiter«) auch die Schreibweise »&c.«.
5 Anmerkung: Co. ist die Abk. für »Compagnie«. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft – die GmbH & Co. KG – ist eine abgewandelte Form der KG. Wie die KG ist sie eine Personengesellschaft. Früher wurde in Deutschland für »Co.« die Abk. »Cie.« verwendet, welche noch einige Firmen aus traditionellen Gründen führen (z.B. Miele & Cie. KG).
6 Anmerkung: Als Manierismus (von it. »Maniera« für dt. »Art und Weise«, »auf diese Weise«, »Eigenart«) bezeichnet man in der Kunstgeschichte den Stil im Übergang zwischen Renaissance und Barock, der durch eine Auflösung und Verzerrung der Formen der Renaissance, durch groteske Ornamentik, überlange Proportionen u.a. gekennzeichnet ist. Die Bezeichnung dieser Stil-Epoche geht auf den Maler und Schriftsteller Giorgio Vasari (1511-1574) zurück, der mit dem Begriff »maniera moderna« den späten künstlerischen Stil Michelangelos charakterisieren wollte. Übertragen wurde der Begriff der manierischen Kunst auf italienische Werke, die zwischen 1520 und 1600 entstanden sind. Der Manierismus entwickelte sich zur ersten gesamteuropäischen Stil-Epoche.
7 Quelle und Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Formenwandlungen der &-Zeichen, Broschüre der Hausdruckerei der D. Stempel AG, Frankfurt am Main, 1953. Dieser Beitrag wurde auch in »Schriften 1925–1973«, Band 2, ab Seite 120 publiziert. Quelle: Bose, Günter und Erich Brinkmann (Herausgeber): Jan Tschichold: Schriften 1925–1974, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, Band 1 und 2, ISBN 3-922660-35-5 und 3-922660-36-3.
8 Quellen: Deutsche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis, entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung, überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004 mit den Nachträgen aus dem Bericht 2010. Online verfügbar unter https://www.rechtschreibrat.com (28.6.2021) sowie in der Datenbank grammis des Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, online verfügbar unter https://grammis.ids-mannheim.de/rechtschreibung (28.6.2021).
9 Anmerkung: Die DIN 5008 erwähnt ab 2020 neben Firmenbezeichnungen erstmals die Verwendung des &-Zeichens »in Titeln und Überschriften« als »gängig«. Dies ist jedoch der werblichen und laienhaften Interpretation des &-Zeichens geschuldet und aus typografischer Sicht sicherlich fragwürdig. Wer allerdings weiß, was er typografisch tut, kann das et-Zeichen durchaus als Schmuckzeichen verwenden.
10 Quelle: Luidl, Philipp: Typografie, Herkunft, Aufbau, Anwendung. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover, 1984, ISBN 3–87706-212–1, Seite 45.
11 Anmerkung: Bei Web-Applikationen, z.B. WordPress® Plugins, kann die Bezeichnung »&-Zeichen« zu Problemen führen, da die Ligatur als Variable interpretiert werden kann. Die Formulierung »et-Zeichen« vermeidet hier mögliche Fehlinterpretationen durch die Software.