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Schriftklassifikation

10. Januar 2026

»Schriftklassifikation« ist ein Terminus aus der Typografie und der Paläografie. Sie dient dem Ordnen, dem Katalogisieren und der Pflege von Schriften in Schriftenbibliotheken sowie dem Studium von Schriften. Klassifikations- und Ordnungsmodelle optimieren spürbar typografische Gestaltungs- und Arbeitsprozesse, also den typografischen Workflow vom Entwurf bis zur Produktion.

Neben philologischen Klassifikationsmodellen existieren für Druckschriften römischen Ursprungs unterschiedliche typografische Klassifikationsmodelle, beispielsweise:

    • die multinationale »Typeface Design Grouping according to AFI« nach ISO/IEC 9541 der International Organization for Standardization (letztes Update: 2012) 1)
    • die deutsche »DIN 16518« für materielle Druckschriften im Bleisatz (letztes Update: 1964) 2)
    • die deutsche »Matrix Beinert« von Wolfgang Beinert für Schriften im Electronic Publishing (letztes Update: 2018)
    • die italienische »Classificazione Novarese« von Aldo Novarese für materielle Druckschriften im Bleisatz (letztes Update: 1957)
    • die französische »Classification typografique de Vox-AtypI« von Maximilien Vox für Druckschriften (letztes Update: 1954)
    • die englischen Typeface Classifications »British Standards« für materielle Druckschriften im Bleisatz (letztes Update: 1967)

Die Klassifikation von Druckschriften hat ihren Ursprung in den historischen Hilfswissenschaften Paläografie und Paläotypie. 3) Die jeweiligen Klassifikationsmodelle weisen in der Regel markante Unterschiede auf.

Die Eingruppierung einer Druckschrift, eines Screen Fonts bzw. Webfonts erfolgt in der Regel nach entsprechend nachvollziehbaren Merkmalen und wird jeweils durch Beispiele veranschaulicht, wobei die Klassifikationsmerkmale einer digitalen Schrift heute meist unkonkret sind und die Grenzen zwischen den Schriftarten und deren Nebengruppen fließend verlaufen.

Druck- und Screenschriften bzw. Fonts werden in der Regel je nach Ursprung in Schriftgattungen, Hauptschriftgruppen, Schriftuntergruppen (Schriftarten) und Schriftnebengruppen gegliedert. Des Weiteren stehen zum Aufbau einer Klassifikationsmatrix u.a. die Schriftbezeichnungen, Schriftschnitte (Schriftstile), das Figurenverzeichnis, die Schriftbibliothek, der Schriftgestalter bzw. Schriftschneider, das Entstehungsjahr, die Schrifttechnik, die Quelle und der Distributor zur Verfügung.

Beispiel eines Schriftklassifikationsmodells in Form der Matrix Beinert anhand einer Bauer Bodoni Roman von Linotype®:

TaxonomieBeispiel
Schriftgattung:Antiqua-Schriften
Hauptschriftgruppe: Antiqua (Serif)
Schriftuntergruppe (Schriftart):Klassizistische Antiqua
Schriftnebengruppe:Bodoni-Varianten
Schriftbezeichnung:Bauer Bodoni™
SchriftschnittRoman
Schriftgestaltung Original:Giambattista Bodoni
Schriftgießerei Orginal:Stamperia reale, Parma
Schriftgestaltung Remake: Heinrich Jost und Lois Höll, 1926/1927
Schriftgießerei Remake:Bauersche Gießerei
Lizenzgeber:Bauer Types S.A.
Vertrieb: Linotype®
Figurenverzeichnis:W2G, 2013, 420 Characters
Tastaturcodierung:Unicode
Technologie:OpenType, CFF, PostScript® 1
File Name:BauerBodoniStd-Roman.otf
Windows® Menüname:Bauer Bodoni Std
PostScript® Name: BauerBodoniStd-Roman
Langer PostScript® Name:BauerBodoniStd-Roman
Katalognummer:16740074
Stand:1.2015

Schrift ist nicht gleich Schrift

Bis zum Ende des materiellen Schriftsatzes in den 1970er Jahren konnten handelsübliche Schriften relativ einfach klassifiziert und in Gruppen eingeteilt werden. Dies ist seit dem optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz) und insbesondere seit Beginn der digitalen Typografie (PostScript, TrueType, Bitmap, OTF-Technologie, Webfonts etc.) nicht mehr oder nur noch zum Teil möglich. Zu viele

    • Repliken (erneute Ausführung eines bereits vorhandenen Originals durch den Schriftgestalter selbst),
    • Remakes (spätere Nachbildungen einer bereits existierenden, aber nicht mehr am Markt verfügbaren Schrift, die sich streng am Original orientieren),
    • Klone (1:1-Kopien einer Schrift),
    • Formvarianten (abweichende Interpretationen einer bereits existierenden Schrift) 4) sowie
    • Mischformen (Hybride aus unterschiedlichen Schriftuntergruppen und/oder Schriftnebengruppen)
      existieren.

Einheitliche Formmerkmale – insbesondere bei Bildschirmschriften und Webfonts – sind kaum mehr konkret nachweisbar und es ist nahezu unmöglich geworden, Antiqua-Schriften kunstgeschichtlich zuzuordnen.

Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen oder vordergründig sogar denselben Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier Bodoni-Antiquas im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander.
Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen oder vordergründig sogar denselben Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier Bodoni-Antiquas im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander.
In der chronologischen Aneinanderreihung wird ersichtlich, wie sich die Serifen von Antiquas seit der Inkunabelzeit verändert haben. Insbesondere die Serifenunterkanten entwickeln sich von stark gekehlt bis gerade auf der Grundlinie stehend. Im Beispiel von links: Stempel Schneidler von Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956), Amsterdamer Garamond von Morris Fuller Benton (1872–1948), Baskerville von John Baskerville (1706–1775), Linotype Didot und Glypha, jeweils von Adrian Frutiger (1928–2015), alle im normalen Schriftschnitt.
In der chronologischen Aneinanderreihung wird ersichtlich, wie sich die Serifen von Antiquas seit der Inkunabelzeit verändert haben. Insbesondere die Serifenunterkanten entwickeln sich von stark gekehlt bis gerade auf der Grundlinie stehend. Im Beispiel von links: Stempel Schneidler von Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956), Amsterdamer Garamond von Morris Fuller Benton (1872–1948), Baskerville von John Baskerville (1706–1775), Linotype Didot und Glypha, jeweils von Adrian Frutiger (1928–2015), alle im normalen Schriftschnitt.

Typifikation

Wichtige typometrische Formmerkmale eines Buchstabens sind u.a. die Formgebung der Serifen, also die Serifenübergänge, Serifenseitenkanten und Serifenunterkanten (siehe Serife), die Form der Dachansätze, die Höhen und Proportionen der Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen, die optische Achse der Rundformen sowie der Strichstärkenkontrast der Balken und Querbalken.

Schriftgattungen

Aus Sicht der lateinisch geprägten europäischen Typografie bilden jeweils »Antiqua-Schriften« (mit und ohne Serifen), »Gebrochene Schriften« und »Nichtrömische Schriften« (nichtlateinische Schriften) eine eigene Schriftgattung.
Aus Sicht der lateinisch geprägten europäischen Typografie bilden jeweils »Antiqua-Schriften« (mit und ohne Serifen), »Gebrochene Schriften« und »Nichtrömische Schriften« (nichtlateinische Schriften) eine eigene Schriftgattung.

Hauptschriftgruppen der Antiqua-Schriften

Schriftuntergruppen der Antiqua-Schriften

Antiqua (Serif)
Zur Schriftuntergruppe (Schriftart) der Antiqua zählen die Venezianische Renaissance-Antiqua (Stempel Schneidler), die Französische Renaissance-Antiqua (Garamond), die Vorklassizistische Antiqua (Caslon) und die Klassizistische Antiqua (Didot).
Zur Schriftuntergruppe (Schriftart) der Antiqua zählen die Venezianische Renaissance-Antiqua (Stempel Schneidler), die Französische Renaissance-Antiqua (Garamond), die Vorklassizistische Antiqua (Caslon) und die Klassizistische Antiqua (Didot).
Grotesk (Sans Serif)
    • Ältere Grotesk
    • Amerikanische Grotesk
    • Konstruierte Grotesk
    • Jüngere Grotesk
Schriftuntergruppen der »Grotesk« (Sans Serif) sind die Ältere Grotesk (Akzidenz Grotesk), die Amerikanische Grotesk (Trade Gothic), die Konstruierte Grotesk (Futura) und die Jüngere Grotesk (Frutiger).
Schriftuntergruppen der »Grotesk« (Sans Serif) sind die Ältere Grotesk (Akzidenz Grotesk), die Amerikanische Grotesk (Trade Gothic), die Konstruierte Grotesk (Futura) und die Jüngere Grotesk (Frutiger).
Egyptienne (Slab Serif)
    • Egyptienne (Serifenbetonte Linear Antiqua mit optisch gleichen Strichstärkenkontrasten und eckigen Serifenübergängen)
    • Clarendon (Serifenbetonte Antiqua mit unterschiedlichen Strichstärkenkontrasten und runden Serifenübergängen)
    • Zeitungsegyptienne (Serifenbetonte Zeitungsantiqua mit unterschiedlichen Strichstärkenkontrasten und runden oder eckigen Serifenübergängen)
    • Italienne (Toscanienne, Serifenbetonte Zierschrift im Wild West Style)
    • Schreibmaschine (Typewriter)
    • Egyptienne Varianten
Eine Egyptienne ist eine Antiqua-Schrift mit stark betonten Serifen. Sie wird auch als »serifenbetonte Antiqua« bzw. »serifenbetonte (Linear) Antiqua« oder als »Slab Serif« bezeichnet. Beispiele, gesetzt jeweils im normalen Schriftschnitt: die Rockwell von Frank Hinman Pierpont (1860–1937), eine reine Egyptienne mit eckigen Serifenübergängen; die Clarendon von Benjamin Fox (o.A.–1877), eine Egyptienne mit runden Serifenübergängen; die Excelsior von Chauncey H. Griffith (1879–1956), eine Zeitungsegyptienne; die P.T. Barnum von Bitstream, eine Italienne; und die ITC American Typewriter von Joel Kaden (o.A.) und Tony Stan (1917–1988), eine Schreibmaschinenschrift.
Eine Egyptienne ist eine Antiqua-Schrift mit stark betonten Serifen. Sie wird auch als »serifenbetonte Antiqua« bzw. »serifenbetonte (Linear) Antiqua« oder als »Slab Serif« bezeichnet. Beispiele, gesetzt jeweils im normalen Schriftschnitt: die Rockwell von Frank Hinman Pierpont (1860–1937), eine reine Egyptienne mit eckigen Serifenübergängen; die Clarendon von Benjamin Fox (o.A.–1877), eine Egyptienne mit runden Serifenübergängen; die Excelsior von Chauncey H. Griffith (1879–1956), eine Zeitungsegyptienne; die P.T. Barnum von Bitstream, eine Italienne; und die ITC American Typewriter von Joel Kaden (o.A.) und Tony Stan (1917–1988), eine Schreibmaschinenschrift.
Zierschriften (Antiqua Varianten)
»Decorative« sind »Antiqua-Varianten« und gehören in der Regel zu den Zierschriften. Beispiele, gesetzt: die Blur von Neville Brody (*1957); die Arnold Böcklin der Schriftgießerei Otto Weisert (o. A.–1913); die Copperplate Gothic von Frederic William Goudy (1865–1947); und die Souvenir von Ephram Edward (Ed) Benguiat (1927–2020).
»Decorative« sind »Antiqua-Varianten« und gehören in der Regel zu den Zierschriften. Beispiele, gesetzt: die Blur von Neville Brody (*1957); die Arnold Böcklin der Schriftgießerei Otto Weisert (o. A.–1913); die Copperplate Gothic von Frederic William Goudy (1865–1947); und die Souvenir von Ephram Edward (Ed) Benguiat (1927–2020).

Gebrochene Schriften Hauptschriftgruppen

In Deutschland werden Gebrochene Schriften in der Typografie in folgende Hauptschriftgruppen bzw. u.a. in folgende Schriftuntergruppen eingeteilt:

    • Textura
    • Rotunda
    • Schwabacher
    •  Fraktur
      • Renaissance Fraktur
      • Vorklassizistische Fraktur (Barock Fraktur)
      • Klassiszitische Fraktur
      • Reform Fraktur
      • Fraktur Varianten (Hybride)
    • Bastarda (Hybride)
Die »Fette Fraktur LT Std Regular« von Adobe® ist ein Remake nach einem Schriftschnitt aus den Jahren 1867–1875 der Actiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau, Offenbach am Main.
Die »Fette Fraktur LT Std Regular« von Adobe® ist ein Remake nach einem Schriftschnitt aus den Jahren 1867–1875 der Actiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau, Offenbach am Main.

Nichtrömische Schriften Geohauptgruppen

    • Arabisch
    • Asiatisch
    • Griechisch
    • Hebräisch
    • Kyrillisch
    • Ost-Akzente

Schriftbezeichnungen

Schriften erhalten von den Type Designern oder Font Foundries Namen oder Abkürzungen, beispielsweise Verdana, Bodoni, ITC Bauhaus, Corporate, Times, Helvetica oder ORC2. Die Schriftbezeichnung wird für sämtliche Schriftstile einer Schriftfamilie verwendet.

Schriftstile (Schriftschnitte)

Stilvariante einer Schrift innerhalb einer Schriftfamilie. Die Bezeichnungen für den Schriftstil bzw. für den Schriftschnitt variieren je nach Land, Autor und Schriftenhersteller. Im europäischen Raum sind für Druckschriften u.a. nachfolgende Begriffe und Kombinationen für Schriftstile, Schriftstärken und Schriftlagen geläufig:

Schriftschnitt (deu.)Schriftstil (int.)
breitancha
bred
extended
large
largo
breitfettbredfet
bold extended
large gras
negra ancha
nero largo
breithalbfettbredhalvfet
large demigras
medium extended
neretto largo
seminegra ancha
breitmagerbred mager
chiarissimo largo
fina ancha
light extended
large maigre
buchbook
libro
romain labeur
text (ggf.)
buch kursivbook italic
buch kursiv
italique labeur
libro corsivo
libro cursiva
buch schmalbook condensed
buch smal
étroit romain lebeur
libro estrecha
libro stretto
engcondensed
étroit
estrecha
strettissimo
trång
extrabreitextra-wide
extrafettextra bold
extrafet
extra gras
extra heavy
muy negra
nerissimo
extrafett schmalétroit extra gras
extra bold condensed
extrafet smal
muy negra estrecha
nerissimo stretto
extraleichtextra light
extramagerextra thin
fettbold
fet
gras
negra
nero
halbfettalvfet
demi-bold
demi-gras
neretto
semibold
seminegra
Kapitälchen fettCaps bold
Kapitälchen kursivCaps italic
Kapitälchen leichtCaps Display
Kapitälchen normalCaps
Capitales
Kaptäler
Maiuscoletto
Mayusculita
kursivcorsivo
cursiva
italic
italique
kursiv extraextra bold condensed italic
italique étroit extra gras
muy negra estrecha cursiva
nerissimo stretto corsivo
kursiv fettbold italic
italique gras
kursiv fet
negra cursiva
nero corsivo
kursiv halbfettitalique demigras
kursiv halvfet
medium italic
neretto corsivo
seminegra cursiva
kursiv magerchiarissimo corsivo
fina cursiva
italique maigre
light italic
kursiv schmalcondensed italic
estrecha cursiva
italique étroit
kursiv smal
stretto corsivo
kursiv schmalhalbfettitalique étroit demi-gras
kursiv schmalhalvfet
medium condensed italic
neretto stretto corsivo
seminegra estrecha cursiva
kursiv ultraleichtcursiva muy fina
italique ultra maigre
kursiv ultra mager
ultra chiaro corsivo
ultra light italic
leichtlight
leichthalbfettmedium
magerchiarissimo
chiaro
fina
light
maigre
mager
zart
normalchiaro tondo
normal
regular
roman
schmalestrecha
étroit
medium condensed
smal
stretto
schmalfettbold condensed
étroit gras
negra estrecha
nero stretto
smalfet
schmalhalbfettétroit demigras
medium condensed
neretto stretto
seminegra estrecha
smalhalvfet
schmalmagerchiarissimo stretto
étroit maigre
fina estrecha
light condensed
smalmager
schräg fettbold oblique
lutande fet
oblique gras
negra inclinada
nero corsivo
schräg halbfettdemi-bold oblique
lutande halvfet
neretto corsivo
oblique demigras
seminegra inclinada
schräg normalcorsivo chiaro tondo
inclinada normal
lutande
medium oblique
oblique demigras
ultrafettblack
extra black
super
ultra bold
ultraleichtmuy fina
thin
ultra chiaro
ultra light
ultra mager
ultra maigre

Des Weiteren werden Schriftstile – anstatt mit Namen – auch mit Ziffern bzw. Zahlen gekennzeichnet. Beispielsweise benannte der Typograf Adrian Frutiger (1928–2015) den normalen Stil seiner Frutiger mit »55«, den kursiven Stil mit »56« usw.

Figurenverzeichnis

Unter Figur wird das einzelne Zeichen bzw. der Buchstabe eines Schriftschnitts oder Schriftstils verstanden. Es kann beispielsweise Glyphen, Tabellenziffern, Bruchziffern, Mediävalziffern, Illustrationen, Piktogramme, Ligaturen oder Sonderzeichen enthalten und auch in unterschiedlichen, auch in nichtrömischen, sprachspezifischen Figurenverzeichnissen vorliegen.

Buchstaben (Schriftzeichen)

In der Mikrotypografie zählen rund hundert Termini zum Repertoire, die die Formmerkmale (Typometrie) eines Buchstabens bzw. Schriftzeichens beschreiben:

    • Abschluss (Strichabschluss)
    • Abschlussserife zweiseitig (Serife)
    • Abstrich
    • Achse (optische oder rechnerische Achse eines Buchstabens)
    • Achsneigung (diagonale Abweichung von der optischen oder rechnerischen Achse eines Buchstabens)
    • Anstrich (Ansatz)
    • Nase (Strichbeginn)
    • Arm beidseitig (Horizontalstrich, der links und rechts vom Stammstrich ansetzt)
    • Arm einseitig (Horizontalstrich, der links oder rechts vom Stammstrich ansetzt, z. B. bei der Majuskel E)
    • Aufstrich (Diagonalstrich von unten nach oben)
    • Ausgleichsserife (obere und untere Serife, z. B. bei Majuskel S)
    • Auslauf (Strichabschluss)
    • Auslaufbogen (Rundung)
    • Auslaufpunkte (Strichabschluss)
    • Balken (Strich)
    • Bein (Standbein, rechtes Standbein, z. B. bei der Majuskel R oder der Minuskel k)
    • Betonte Serife (Serife)
    • Bogen (gerundeter Strich, der eine Punze begrenzt, z. B. bei der Majuskel P oder der Minuskel d)
    • Bogeneinlauf (Rundung)
    • Brücke (Rundung)
    • Dickte (Buchstabenbreite)
    • Einlauf (Ansatz)
    • Fleisch (rechnerischer Weißraum vor und nach dem Buchstaben)
    • Fußserife (Serife)
    • Gekehlte Serife (Serife)
    • Gerundete Serife (Serife)
    • Gewölbte Serife (Serife)
    • Grundform (typometrische Grundform eines Buchstabens)
    • Grundstrich (Strich)
    • Haarlinienserife (Serife)
    • Haarstrich (Querstrich, horizontaler Verbindungsstrich, z. B. bei der Majuskel H oder der Ziffer 4)
    • Hals (Übergang von Strich zu Serife)
    • Hauptstrich, Stamm, Standstrich oder Vertikalstrich (vertikaler Hauptstrich eines Buchstabens)
    • Innenbogen (Rundung)
    • Keilförmige Serife (Serife)
    • Kopf (Dach, Dachansatz eines Buchstabens)
    • Kopfserife einseitig (Serife)
    • Kopfserife zweiseitig (Serife)
    • Kurve (runder Strich, z. B. bei der Ziffer 8)
    • Kurvenbalken (Rundung)
    • Majuskelbreite, Majuskeldickte, Versalbreite oder Versaldickte (Breite eines Großbuchstabens)
    • Majuskelhöhe (Versalhöhe, Maß von der Grundlinie bis zur H-Linie)
    • Mitte (optische oder rechnerische Mitte eines Buchstabens)
    • Mittellänge (Maß von der Grundlinie bis zur x-Linie)
    • Nachbreite (rechnerischer Weißraum nach einem Buchstaben)
    • Oberer Bogen (gerundeter Strich, der die Punze in der oberen Hälfte begrenzt, z. B. bei den Majuskeln B, P und R)
    • Oberkante (oberer Scheitel eines Buchstabens)
    • Oberlänge (Maß von der x-Linie bis zur H-Linie bzw. k-Linie)
    • Ohr (Strichansatz am rechten oberen Bogen der Minuskel g)
    • Punkt (Punkt über dem Grundkörper eines Buchstabens, z. B. bei der Minuskel i)
    • Punze geschlossen (Binnenraum geschlossen)
    • Punze offen (Binnenraum offen)
    • Querserife doppelseitig (Serife)
    • Querserife einseitig (Serife)
    • Querstrich (Querbalken, Strich)
    • r-Kopf (Strichansatz am Stammstrich rechts oben der Minuskel r)
    • Rundung links (Rundung)
    • Rundung rechts (Rundung)
    • Scheitel (Dachansatz der Majuskel A)
    • Schlinge (Schleife)
    • Schlaufe (runde Linie, die eine Punze umschließt, z. B. bei der Minuskel g)
    • Schrägstrich (diagonaler Strich)
    • Schulter (runder Übergangsstrich ausgehend vom oberen Teil des Stammstrichs, z. B. bei den Minuskeln a und n)
    • Schweif (ausschweifender Endstrich nach rechts oder links, z. B. bei der Majuskel Q oder den Minuskeln j und t)
    • Seitliches Verbindungsstück (Strich)
    • Senkrechter Aufstrich (Strich)
    • Serifenansatz (Serife)
    • Serifenhöhe (Serife)
    • Serifenlänge (Serife)
    • Serifenoberkante (Serife)
    • Serifenseitenkante (Serife)
    • Serifenunterkante (Serife)
    • Serifenübergang (Serife)
    • Spitze (V-Abschluss bei den Buchstaben W und V)
    • Sporn (Restansatz des Stammstrichs am Übergang zu einem Bogen, z. B. bei der Majuskel G oder der Minuskel q)
    • Standserife einseitig (Serife)
    • Standserife zweiseitig (Serife)
    • Steg (Verbindungsstrich zwischen oberem Bogen und Schlinge bei der Minuskel g)
    • Strichabschluss (Abschluss eines Striches)
    • Taille (Verjüngung zwischen oberem und unterem Bogen der Majuskel B)
    • Tropfen (Tropfenserife, Abschluss des Bogens bei den Minuskeln a, c, f und r)
    • Überhang (Rundung, die optisch vom rechnerischen Wert abweicht, z. B. bei der Majuskel O)
    • Unterer Bogen (Bauch, gerundeter Strich, der die Punze in der unteren Hälfte der Majuskel B begrenzt)
    • Unterkante (unterer Scheitel eines Buchstabens)
    • Unterlänge (Maß von der Grundlinie bis zur p-Linie)
    • Verbindungsstrich (Strich)
    • Vorbreite (rechnerischer Weißraum links vor einem Buchstaben)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Die ISO (International Organization for Standardization) ist eine internationale Standardisierungsorganisation mit Sitz in Vernier (Genf). Online https://www.iso.org (10.1.2026).
2 Anmerkung: Die deutsche DIN 16518 aus dem Jahr 1964 ist ausschließlich für Bleisatz-Druckschriften bis in die 1970er Jahre anwendbar. Sie weicht stark von internationalen Standards und wissenschaftlichen Betrachtungsweisen ab. Sie ist als Klassifikationsmodell für die digitale Typografie nicht mehr geeignet.
3 Anmerkung: Philologische Schriftklassifikationen ordnen Antiquas auch nach anderen Anforderungen und Kriterien, beispielsweise nach sprachlicher Herkunft, Schreibrichtung, Stilepochen und Geografie.
4 Anmerkung: Streng genommen handelt es sich bei der Mehrheit aller Text- bzw. Werksatzschriften um Formvarianten. Beispielsweise entwickelte der italienische »Principe dei tipografi« Giambattista Bodoni (1740–1813) ab circa 1770 aus der französischen »Réales« Fourniers seine klassizistische Bodoni.
5 Anmerkung: Der korrekte Begriff für Barock-Antiqua ist Vorklassizistische Antiqua.
6 Anmerkung: Verwirrende deutsche Begrifflichkeiten: In England gilt z.B. die Baskerville keineswegs als Barock-Antiqua, sondern als präviktorianische Antiqua. In der englischen und französischen Terminologie gibt es den Begriff »Barock-Antiqua« bzw. »Antiqua« nicht. In England bezeichnet man seit jeher die Antiqua als »roman« und ihre kursive Version als »italic«, die französische Typografie verwendet die Termini »romain« und »italique«.
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